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Pionierinnen des Digitalen : Die Mütter des Computers

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Grace Hopper Bild: HNF

Mädchen spielen mit Puppen, Jungs haben ihren Computer. Das ist Unsinn. Frauen waren von allem Anfang an an der Computertechnik maßgeblich beteiligt.

          6 Min.

          Genaugenommen war eine Frau schon hundert Jahre bevor Konrad Zuse seine Z1, eine programmierbare mechanische Rechenmaschine, im Wohnzimmer seiner Eltern in Berlin-Kreuzberg baute, in die Entwicklung involviert. Denn am 21. Juni 1833 betraten Anne Isabella Noel-Byron, 11. Baroness Wentworth, und ihre siebzehnjährige Tochter Ada, die später durch Heirat Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace wurde, das Haus von Charles Babbage. Dieser außerordentlich vielseitige Mathematiker, Erfinder und Nationalökonom führte den Damen sein Lieblingskind vor: das gerade fertig gewordene erste Modul seiner „Difference Engine“.

          Obwohl er weder diese mechanische Rechenmaschine noch die etwa zur gleichen Zeit in Angriff genommene und ungleich aufwendigere „Analytical Engine“ bis zu seinem Tod im Jahre 1871 realisieren konnte, verdankt er diesen Plänen mehr Nachruhm als dem Nachweis des nach ihm benannten ökonomischen Prinzips. Babbage zeigte, dass sich Produktionskosten senken lassen, wenn man einen Arbeitsprozess in mehrere weniger anspruchsvolle Teilschritte aufsplittet. Dass Babbage jedoch mit seinen unvollendeten Maschinen heute als Vorläufer der Computertechnik gilt, verdankt er ganz wesentlich dem jungen Mädchen, das uns heute unter dem Namen Ada Lovelace geläufig ist.

          Der Linc, 1965 daheim bei Mary Allen Wilkes
          Der Linc, 1965 daheim bei Mary Allen Wilkes : Bild: HNF

          Ihr Vater war der Dichter Lord Byron, den ihre Mutter kurz nach der Geburt von Ada verließ. Die Mutter, selbst an Mathematik stark interessiert, erzog ihre Tochter allein und aller Schwärmerei abhold. Ada wird – gewissermaßen als Gegengift zu dem romantischen Eskapismus des verlassenen Vaters – in Naturwissenschaften, vorrangig in Mathematik ausgebildet, ziemlich ungewöhnlich für ein Mädchen ihrer Zeit. Mathematik paart sich gern mit Musik, sie spielt Harfe. Als sie Babbage begegnet, bringt sie die besten Voraussetzungen mit, um den Erfinder zu bezaubern: Der hat gerade eine Tochter verloren und mag deshalb besonders empfänglich für ein junges weibliches Wesen sein, das noch dazu sein eigentliches Lebenswerk, die Rechenmaschinen begreift.

          Eine geradezu geniale Erkenntnis

          Man kann sogar sagen, das Ada Lovelace die Analytical Engine vielleicht besser begriffen hat als der Mann, der sie sich ausdachte und zum Beispiel aus Papier Schnittmuster für ihre Zahnräder bastelte. Babbage hatte vor allem im Sinn, mit seinen Maschinen Logarithmentafeln und nautische Tabellen genauer zu berechnen. Doch von Ada stammt die Erkenntnis, dass die Analytical Engine, die nach Art der Jacquard-Webstühle durch Lochkarten programmiert und gesteuert werden sollte, nicht nur Zahlen, sondern auch auf Ziffern reduzierte Töne, Farben, Bilder verarbeiten könnte. Uns Heutigen mit unseren digitalen Prothesen ist diese Vorstellung eine banale Selbstverständlichkeit und kaum einen Gedanken wert. In der Zeit der ersten Industrialisierung und der Dampfmaschine war es eine geradezu geniale Erkenntnis.

          Diese hat Augusta Ada Lovelace eher versteckt, aber doch mit ihren Initialen A.A.L. versehen publiziert. Und zwar als „Anmerkungen der Übersetzerin“ zu einem 19 Seiten langen französischen Text, in dem ein Italiener 1843 nach dem einzigen je von Babbage und zwar in Turin gehaltenen Vortrag über seine Analytical Engine diese beschrieb. Die Anmerkungen von Lovelace sind mehr als doppelt so lang wie diese Beschreibung und haben ihr den – freilich diskutierbaren – Ruhm eingebracht, die erste Programmiererin überhaupt gewesen zu sein. Unbestreitbar klar wird in den Anmerkungen jedoch, dass sie die Möglichkeiten und auch die Grenzen des nie verwirklichten Apparats vollkommen erfasst hatte.

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