https://www.faz.net/-gy9-89584

Pionierinnen des Digitalen : Die Mütter des Computers

  • -Aktualisiert am

Bis Juli 2016 noch die Sonderausstellung

Wer sich über Ada Lovelace und Babbages Maschinen bis hin zu deren Funktionsweise in bemerkenswerter Anschaulichkeit weiter informieren lassen möchte, dem ist eine Reise nach Paderborn zu empfehlen. Dort ist bis Juli 2016 die Sonderausstellung „Am Anfang war Ada – Frauen in der Computergeschichte“ im Heinz Nixdorf Museumsforum zu erleben. Denn wie das ganze Museumsforum, das über drei Stockwerke hinweg eher ein Erlebnispark der Informationstechnik und mit 6000 Quadratmeter Fläche das größte Computermuseum der Welt ist, können, dürfen und sollen die Besucher auch in der Sonderschau alles Mögliche anfassen und ausprobieren, um das Unanschauliche zu begreifen. Da macht man zum Beispiel eine Kiste auf und entdeckt in ihr die dunkle Seite der Ada Lovelace: Laudanum-Sucht und Pferdewetten, denen sie ziemlich erlegen war. Als Spielsüchtige verwendete Ada ein Gutteil ihres Mathematikerhirns darauf, ein System für todsichere Tipps auszutüfteln.

Aber wie der Titel der Ausstellung buchstäblich sagt, es geht in ihr nicht nur um die früh verstorbene Ada Lovelace, deren schillernde Gestalt allerdings völlig berechtigt den Aufhänger bildet. Hundert Jahre lang tat sich nach Lovelace und Babbage alles Mögliche, und man rechnete längst mit Maschinen. Aber erst dann wurden die ersten frei programmierbaren Universalrechner entwickelt. Dass dies in der Zeit des Zweiten Weltkriegs begann – Zuses Z3 und Z4 funktionierten 1941 und 1945, John Presper Eckert und John William Mauchly kamen mit dem Eniac 1946 –, hatte eine gewisse Zwangsläufigkeit, genauso wie die Tatsache, dass von Anfang an Frauen dabei waren.

Während die Männer kämpften, arbeiteten Tausende „Codebreaker Ladies“ in Bletchley Park, wo die Briten die mit der Enigma verschlüsselten Funksprüche der Deutschen knackten. An der Darmstädter Technischen Hochschule rechneten Frauen für das V2-Raketenprogramm in Peenemünde. Die Ausstellung erinnert auch an die „Eniac Girls“, die amerikanischen Programmiererinnen des Eniac, und der Besucher kann selbst ausprobieren, ein wie hartes Brot das Kabelstecken und die Schalterei war.

Grace Hopper, die Vorzeigefrau der Pionierphase

Hier ist womöglich auch der Ansatz einer Antwort zu finden, wenn man sich die Frage stellt, ob es einen spezifisch weiblichen Zugang zum Computer gibt. Die Frauen waren, wenn sie es mit dem Elektronengehirn, wie man es in der Frühzeit gern nannte, zu tun bekamen, meistens in untergeordneter Position für die Software zuständig. Die Männer kümmerten sich als Ingenieure dagegen um die Hardware – und um die Leitung der Teams. Wie umständlich die ersten zimmerfüllenden Computer zu bedienen waren, erlebten dadurch die Frauen hautnah. Und so kamen von ihnen auch wesentliche Impulse, den Computer einfacher und komfortabler zu bedienen.

Grace Hopper, die erste Frau, die in der U.S. Navy Admiralin wurde, nachdem man sie im Alter von 61 Jahren reaktiviert hatte, um sich mit der IT der Marine zu befassen, ist die Vorzeigefrau dieser Pionierphase. Sie studierte Mathematik und Physik und war im Laufe ihres Arbeitslebens neben Vorarbeiten an der Programmiersprache Cobol an der Entwicklung mehrerer früher Rechner wie dem Mark I, Mark II und dem Univac I beteiligt. Hopper fand, Computer sollten nicht durch eine Folge von Einsen und Nullen in Maschinensprache, sondern in einer Menschen zugänglichen sprachlichen Form programmiert werden. So entwickelte sie 1951 den ersten Compiler A-0. Compiler sind Programme, die einen Quelltext, der in einer Programmiersprache geschrieben wird, analysieren und in ein lauffähiges Programm in Maschinensprache übersetzen. 1955 konnte Hoppers Compiler B-0 aus englischen, französischen oder deutschen Anweisungen ein Programm erzeugen.

Weitere Themen

Ich bin so frei

Vegane Autoinnenräume : Ich bin so frei

Immer mehr Autohersteller entwickeln nachhaltige oder vegan gestaltete Innenräume. So gibt es etwa im C40 von Volvo kein Leder mehr, auch nicht am Lenkrad oder am Automatikwahlhebel.

Topmeldungen

Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.
Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung

Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.