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Pencil für das iPad : Generation Griffel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Andreas Brand

Nur kein Stift: Das ist die Maxime von Apple seit der Vorstellung des iPad. Jetzt gibt es den Pencil. Zwar ist das digitale Skizzenbuch kein Bildbearbeitungsprogramm, aber es lässt sich auf dem Tablet-PC dennoch vortrefflich zeichnen.

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          Wie ein Zimmermannsbleistift liegt er in der Hand, der flache Stift aus Holz. Doch mit dem „Pencil“ des Herstellers Fifty Three kann man weder Bretter markieren noch lässt er sich mit einem scharfen Messer beherzt spitzen. Der Stift mit flexibler Gummispitze und poliertem Walnussholzkorpus mitsamt technischem Innenleben kann lediglich auf dem iPad verwendet werden und ist somit ein Werkzeug für digitale Handwerker. Die technische Evolution brachte uns vom Papier zu Knöpfchen und Tasten kombiniert mit Bildschirmen, die immer flacher wurden. Irgendwann folgten berührungsempfindliche „Touchscreens“ und mit ihnen die charakteristische Wischbewegung. Jetzt, wo die Handschrift schon fast als ausgestorben gilt, geht der Trend wieder zum Stift, und zwar zum Schreiben und Malen auf der Anzeige.

          Der Stift von Fifty Three mit der dazugehörigen App „Paper“ richtet sich an diejenigen, die auch in der digitalen Welt nicht auf ein hübsches Notizbuch verzichten wollen. Die entstandenen Zeichnungen können in einem virtuellen Skizzenbuch gesammelt und sortiert werden. Hat man dem Buch einen Titel gegeben und ein Cover gestaltet, kann es per Mausklick in den Druck geschickt werden und landet zwei Wochen später als individuelles Moleskine im Briefkasten: vom digitalen Zeichenblatt zum hochwertigen Buch aus edlem Papier. Der Stift selbst kostet je nach Ausführung 60 oder 75 Euro.

          Öffnet man die Paper-App, wird der Stift über Bluetooth sofort erkannt. Mit einer Spezialfunktion lässt sich der Stift zudem direkt mit dem Programm verbinden. Dazu berührt man den entsprechenden virtuellen Schalter im Hauptmenü der App für wenige Sekunden mit der Stiftspitze, und sämtliche Funktionen von Paper sind freigeschaltet. Dazu gehören unter anderem sämtliche auswählbare Stiftspitzen und das Farbmenü, außerdem wird nun auch die Rückseite des Stiftes, die ähnlich der Spitze mit einem Gummi abgeschlossen ist, als Radierer erkannt, und der Touchscreen kann nun zwischen der Berührung durch die Stiftspitze und der Hand unterscheiden.

          Diese Zeichnung ist mit dem Pencil entstanden Bilderstrecke
          Diese Zeichnung ist mit dem Pencil entstanden :

          Durch die Auswahlmöglichkeiten kann der angenehm in der Hand liegende Stift als Federhalter, Bleistift, Marker, Pinsel, Fineliner oder als Radierstift eingesetzt werden (vom Radieren mit der Stiftrückseite mal ganz abgesehen). Die Besonderheit ist die flexible Spitze, die unter einer dünnen Gummihaut steckt. Je nachdem, wie fest die Stiftspitze auf dem Tablet aufkommt, verläuft die Linie stärker oder schwächer. Das hat dieser Stift seinen Konkurrenten voraus. Mit der Federspitze lässt sich schwungvoll skizzieren, sie bietet am meisten Spielraum beim Experimentieren mit der Strichstärke. Verblüffend echt sieht das Ergebnis der Bleistiftspitze aus. Der größte Unterschied zum analogen Bleistiftgekritzel ist die völlig geräuschlose Bewegung des Pencils über das iPad, welches das gewohnte Kratzgeräusch der Graphitmine auf Papier vermissen lässt. Die Markerspitze ergibt den stärksten Strich, ohne Variation in seiner Dicke, ähnlich eines Eddings, während die Finelinerspitze die feinstmögliche Option bietet. Bei letzterer tendiert die Linie dazu, am Anfang und am Ende eines Striches etwas auszubluten, ähnlich wie bei der Verwendung eines Gelrollers auf zu saugfähigem Papier.

          Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Am schwersten zu bedienen ist die Pinselspitze. Die Farbintensität und ihr Verlauf ist noch schwerer zu kontrollieren als beim realen Aquarellmalen. Farben können im Hauptmenü ausgewählt und neu gemischt werden. Sättigung und Deckkraft lassen sich zusätzlich über Schieberegler einstellen, und die neue Farbkreation kann im Farbmenü abgelegt und gespeichert werden. Um zarte farbliche Akzente zu setzen oder rasch eine ausgewählte Fläche zu kolorieren, ist die Pinselspitze im Paper-App das richtige Werkzeug, denn das Ausmalen mit den anderen Stiftspitzen dauert. Will man beispielsweise einen Kreis mit Farbe füllen, muss man diesen händisch ausmalen und kann ihn nicht mit einem Mausklick einfärben.

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