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P10 von Huawei im Test : Angriff aufs iPhone

Das P10 von Huawei Bild: Hersteller / F.A.Z.

Das Smartphone P10 von Huawei ist ein attraktiver Rivale der teureren Oberklasse-Modelle von Apple und Samsung. Auch weil es mit einer Leica-Kamera kommt.

          Bei Huawei geht mal wieder alles Schlag auf Schlag. Wenige Monate nach der Vorstellung des großen Mate-9-Smartphones mit einer Displaydiagonale von üppigen 5,9 Zoll und nicht einmal ein Jahr nach dem Marktstart des P9 ist jetzt das dritte Oberklassegerät des chinesischen Herstellers im Handel. Huawei legt es darauf an, der wichtigste Rivale für Apple und Samsung zu werden. Ein schneller Modellwechsel ist jedoch nicht gleichbedeutend mit hohem Innovationstempo.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das brandneue Huawei P10 als Nachfolger des P9 bietet keine Überraschungen hinsichtlich der technischen Daten. Es ist die kleine Schwester des Mate 9, was Bauform, Gewicht und das Display mit 5,1 Zoll betrifft. Beide haben den gleichen kräftigen Antrieb des hauseigenen Kirin-960-Achtkernprozessors, Android 7, vier Gigabyte RAM und 64 Gigabyte internen Speicher. Das Display löst jeweils mit 1920 × 1080 Pixel auf.

          Die Bedeutung dieser Neuerscheinung liegt auch nicht darin, dass gute Technik im kompakteren Gehäuse verbaut wurde. Entscheidend ist, dass das P10 hinsichtlich Design und Anmutung dem iPhone nahe kommt wie kein anderes Android-Telefon. Die Pressebilder geben es nicht unbedingt her, man muss das P10 in der Hand gehalten haben, um seine schlichte Schönheit sofort zu bemerken. Der Korpus ist noch einmal runder geworden, schlank ist das P10 ohnehin (7 Millimeter), und mit dem von der Rück- auf die Vorderseite gewanderten Fingerabdrucksensor wirkt das neue Gehäuse eleganter denn je. Wie das iPhone 7 ist auch das P10 glatt, man benötigt eine Hülle.

          Die Kameraabteilung mit Technik von Leica wird nun von einem optischen Bildstabilisator unterstützt.

          Direkt aus Absurdistan kommt das Huawei-Marketing mit der Formulierung, man setze mit dem P10 die neuen globalen Farbtrends. Gemeint ist, dass das P10 auch in den Farben Blau und Lindgrün neben Schwarz, Gold und Silber erhältlich ist. Eigens für die beiden originellen Farbtöne arbeite Huawei mit dem Pantone-Institut zusammen, und während der Produktvorstellung in Barcelona ließ sich eine Pantone-Mitarbeiterin darüber fast 20 Minuten aus. Das Publikum wurde unruhig.

          Doch es ist nicht alles Marketing. Mit der Kombination aus Fingerabdruckleser und Home-Taste unterhalb der Anzeige implementiert Huawei eine Neuheit: Erstmals lassen sich die Android-Navigationstasten ausblenden und mit Fingergesten ersetzen. Der interne Speicher lässt fast 50 Gigabyte zur eigenen Nutzung frei, mit Micro-SD-Karten kann weiter aufgerüstet werden. Leider ist das P10 nicht als Dual-Sim-Ausführung für zwei Sim-Karten in Deutschland erhältlich. Das Gerät wirkt verwindungssteif und robust, aber das Gehäuse hat keine Zertifizierung für Staub- und Wasserschutz. An der Unterseite kommt ein USB-C-Anschluss zum Einsatz, leider nur mit USB-2.0-Tempo für die Datenübertragung.

          Das P10 in grün. Oder in „Greenery“, wie es Huawei nennt

          Trotz der kompakten Bauweise hat der nicht wechselbare Akku 3200 Milliamperestunden. Man fragt sich, wie die Chinesen das geschafft haben. Denn im ähnlich großen iPhone 7 sind es nur 2000 Milliamperestunden. Bei intensiver Nutzung kommt man immer über den Tag. Wer sein Handy eher selten in die Hand nimmt, kann im moderaten Einsatz auf zwei Tage hoffen.

          Die Kameraabteilung mit Technik von Leica wird nun von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Während der Farbsensor bei 12 Megapixel bleibt, erreicht der zweite monochrome 20 Megapixel. Bei schwachem Licht sammelt er laut Huawei zusätzliche Bildinformationen, die mit der Farbaufnahme kombiniert werden. Das Leica-Menü mitsamt Modus für Schwarzweißaufnahmen mit hohem Kontrast und hoher Dynamik lädt zu Experimenten ein. Auch die Effekte mit großer Blende und viel Bokeh sind spektakulär und sorgen für manches Staunen. Neu ist ein Porträtmodus mit 3D-Gesichtserkennung. Die Fotoqualität ist ausgezeichnet, aber im Vergleich schießen ein Samsung Galaxy S7 und ein iPhone 7 wie gehabt die etwas besseren Aufnahmen, wenn es um Detailreichtum, Farbbalance, Schärfe und Weißabgleich geht.

          Im DxO-Test erhielt das P10 87 Punkte und steht damit auf dem dritten Platz einer Liste, die seit einigen Jahren von DxO Labs in Frankreich erstellt wird.

          Das hauseigene Emui-Bediensystem, das über Android liegt, hat Huawei noch einmal verbessert. Es trägt nun die Versionsziffer 5.1. War schon die Version 5 überaus gelungen, kommen nun viele Kleinigkeiten dazu. Mehr Tempo verspricht eine Ratefunktion für die nächsten Nutzer-Aktionen, Stichwort: künstliche Intelligenz. Kleine Fortschritte gibt es auch bei der Telefonie übers Internet, mit LTE und W-Lan. Der jeweilige Netzbetreiber muss allerdings die neuen Dienste unterstützen.

          Für rund 600 Euro ist das P10 nicht billig, aber ein attraktiver Rivale der teureren Oberklasse-Modelle von Apple und Samsung. Wer es gern ein bisschen größer hätte, werfe einen Blick auf das P10 Plus, das mit seinem 5,5-Zoll-Display eine Auflösung von 2560 × 1440 Pixel bietet, sechs Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Arbeitsspeicher hat und einen Akku mit 3750 Milliamperestunden. Ferner ist es besser gegen Nässe geschützt und hat eine etwas lichtstärkere Kamera. Das P10 Plus kommt erst im April und wird um die 750 Euro kosten.

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