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Olympus E-M1X ausprobiert : Der Spezialfall

  • -Aktualisiert am

Olympus E-M1X Bild: Hersteller

Olympus bringt die neue E-M1X mit Hires-Fotos. Und die schafft die neue Kamera auch beim freihändigen Fotografieren und bei bewegten Motiven.

          Schon vor der offiziellen Präsentation der neuen Kamera wurde der ganze Stolz von Olympus im Netz ziemlich hämisch niedergemacht: Diese OM-D E-M1X sei viel zu groß und schwer, die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt habe. Und tatsächlich scheint der japanische Hersteller, der dieses Jahr sein Bestehen seit hundert Jahren feiert, mit dem neuen Spitzenmodell seiner Spiegellosen geradewegs in die entgegengesetzte Richtung zu marschieren, wenn man sich ansieht, wohin Nikon und Canon zur Photokina aufgebrochen sind.

          Nikon und Canon waren und sind mit Spiegelreflexkameras (DSLR) die Platzhirsche im Profimarkt. Der ist zwar ziemlich klein, aber sehr entscheidend für das, wovon die viel zahlreicheren ambitionierten Fotoliebhaber träumen. Mit Nikons Z-Modellen und der Canon Eos R wurde um den hohen Preis, dass man bis hin zum Bajonett komplett neue Systeme einführen musste, in zwei Punkten die Entwicklungsrichtung aufs deutlichste festgeschrieben: Erstens wollen die wirklichen und die Möchtegern-Profis mehr Megapixel dank Vollformatsensor. Trotzdem sollen zweitens die Kameras und Objektive handlicher werden.

          Im Grunde genommen, waren Canon und Nikon mit ihren Neuheiten im Herbst die Nachzügler. Denn Olympus hatte schon immer beim zweiten Punkt sehr gute Karten, sprich kompakte und vergleichsweise preisgünstige, gleichwohl ausgesprochen leistungsstarke Objektive und mit den Baureihen Pen und OM-D handliche Gehäuse.

          Sport-, Natur- und Tierfotografie sind die Gebiete, für die Olympus die E-M1X konzipiert hat.

          Zudem hatte man versucht, mit einem technisch raffinierten Hochauflösungsmodus dem Vollformatsensor Paroli zu bieten. Die OM-D E-M5 Mk. II nahm schon 2015 als Erste mehrere um Pixelbreite verschobene Bilder auf und rechnete sie zu einem Hires-Bild zusammen. Das funktioniert mit sehr ansehnlichem Ergebnis allerdings nur bei statischen Motiven und wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Dass die neue OM-D E-M1X das nun auch beim freihändigen Fotografieren und bei bewegten Motiven kann, ist die herausragende Funktion, mit der sie sich vom bisherigen Flaggschiff, der OM-D E-M1 Mk. II, unterscheidet. Die soll jedoch als zweite Kamera für professionelle Ansprüche im Programm bleiben, wenn die Neue Ende Februar zum Gehäusepreis von satten 3000 Euro lieferbar sein wird. Einzige Einschränkung: Freihändig liefert der Hochauflösungsmodus in der E-M1X lediglich 50 statt 80 Megapixel große Bilder.

          Während der Hochauflösungsmodus der E-M5 mit einem programmierten Versatz und einer festen Zahl von Bildern arbeitete, gibt es in der E-M1X zwei Modi: Der eine ist wie gehabt für die Aufnahmen mit Stativ gedacht. Wählt man den anderen für eine Freihandaufnahme, ermittelt die Kamera selbsttätig, wie viele Bilder mit welchem Versatz sie für ein hochaufgelöstes Bild verarbeitet. Einige wenige praktische Versuche zeigten, dass das klappt – oder auch nicht. Nach der Aufnahme brauchte die Kamera stets einige Sekunden zur Verarbeitung, mal mehr, mal weniger, und in manchen Fällen meldete sie sich auch mit dem Hinweis, das Zusammenrechnen der Einzelaufnahmen sei misslungen. Dass Olympus beim kompensierenden Bewegen des Sensors die Nase vorn hat, zeigt sich auch bei der Bildstabilisierung, die in der E-M1X bis zu sieben EV-Stufen ausgleichen kann. Gestochen scharfe Aufnahmen mit vier Sekunden Belichtungszeit ohne Stativ und beeindruckende Landschafts- und Tierfotos im Großformat sollten bei der Präsentation die Leistungsfähigkeit der neuen Kamera belegen: Sport-, Natur- und Tierfotografie sind die Gebiete, für die Olympus die E-M1X konzipiert hat.

          Das schließt eine robuste Gestaltung des Gehäuses ein. Die E-M1X mit ihrem fest ans Gehäuse angeformten Batterie- und Hochformatgriff ist entschieden größer als eine E-M5 oder die E-M1 Mk. II – wenigstens so lange, wie man bei der den Batteriegriff weglässt. Dann nämlich geben sich beide Profimodelle wenig, die E-M1X aber hat den eindeutig markanteren Auftritt, was die Zielgruppe sicher zu schätzen weiß: Am professionellen Anspruch dieser Kamera wird kaum jemand zu zweifeln wagen. Ihre Komplexität erfordert, sich noch ausführlicher mit dieser Kamera auseinanderzusetzen.

          Für alle, denen die etwas zierlichere OM-D E-M1 Mk. II immer noch lieber ist, legt Olympus eine Sonderserie von 2000 Stück in Silber auf – zu wenig mehr als dem halben Preis des neuen Schlachtschiffs.

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