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Oliver Kaltner von Microsoft : „Wir sind selbstkritisch“

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Große Geste für jeden: Microsoft will mit Kinect ein breites Publikum erreichen Bild: REUTERS

Der Chef der Konsumelektroniksparte von Microsoft in Deutschland spricht über den neuen Bewegungssensor Kinect, die Konkurrenz zu Billigangeboten und die neue Mentalität des Softwareriesen im Verbrauchergeschäft.

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          Herr Kaltner, Microsoft ist in Deutschland mit der Videospielekonsole Xbox die Nummer drei auf dem Markt. Werden Sie mit dem Bewegungssteuerungssystem Kinect den Rückstand zu Nintendo und Sony verkürzen?

          Davon gehen wir aus. Wir haben im Moment 25 Prozent des deutschen Marktes, Sony und Nintendo liegen beide etwa 8 bis 10 Punkte vor uns. Wir nehmen uns vor, in zwölf Monaten die Nummer zwei zu sein.

          Das wäre ein ziemlich großer Sprung in kurzer Zeit ...

          ...aber wir haben mit Kinect eine ganz neue Zielgruppe: Die Xbox ist bisher vor allem eine Sache für eingefleischte Videospielefans, Kinect ist etwas für jeden. Also im Prinzip sprechen wir in Deutschland jetzt alle 82 Millionen Menschen an, Sie müssen da höchstens den Babyanteil herausrechnen. Damit sind wir nicht mehr nur an erster Stelle im Wettbewerb mit Sony, sondern auch mit Nintendo, die ebenfalls auf die breite Masse abzielen.

          Bei der breiten Masse haben Sie aber noch ganz andere Konkurrenz: Kostenlose oder sehr billige Spiele in sozialen Netzwerken wie Facebook oder als Applikationen für Mobiltelefone werden immer populärer . . .

          Das sehe ich nicht unbedingt als Bedrohung. Wir müssen dem Verbraucher schlicht etwas Einzigartiges bieten, das seinen Preis wert ist, und das tun wir mit Kinect. Wettbewerb mit billigeren Angeboten ist nun einmal Realität und nichts Neues. Das ist auch in anderen Märkten so: Zum Beispiel hat das Kino bis heute trotz aller Konkurrenz nichts an Relevanz verloren.

          Und doch kämpft der Videospielemarkt im Moment mit erheblichen Umsatzrückgängen . . .

          Die Ursache dafür liegt aber vor allem darin, dass dem Markt Innovationen gefehlt haben, und Produkte wie Kinect werden für Impulse sorgen. Sie müssen auch bedenken, dass der Videospielemarkt erst vergleichsweise spät von der Wirtschaftskrise erfasst worden ist.

          Was kostet Kinect?

          Die Preise werden wir spätestens bis zur Kölner Messe Gamescom im August bekannt geben. Bis dahin können wir auch sagen, wann Kinect genau in Deutschland auf den Markt kommt. Gehen Sie davon aus, dass es rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft so weit sein wird.

          Microsoft wird oft vorgeworfen, keinen Draht zum Verbraucher zu haben. Konsumeletronikchef Robbie Bach hat gerade seinen Rückzug angekündigt, und Vorstandschef Steve Ballmer nimmt die Zügel selbst fester in die Hand. Das sieht nach viel Unruhe im Konzern aus...

          Ich sehe das positiv: Steve Ballmer zeigt damit, wie ernst er es mit dem Endverbrauchermarkt meint. Microsoft hat in den letzten ein bis zwei Jahren seine Einstellung zum Verbraucher geändert: Wir haben gelernt, dem Verbraucher zuzuhören und ihm relevante Produktangebote zu liefern, anstatt ihm das aufzudrängen, was wir für richtig halten. Ich gebe zu, bei uns gab es klassische Konzerndefizite. Aber wir sind selbstkritisch und lernwillig.

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