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Ohne Vertragsbindung : Apple hat endlich das iPhone befreit

Jetzt auch simlock-frei bei O2, Vodafone und Apple zu haben Bild: dapd

So soll es sein: Rein in den Apple Store, raus mit einem „freien“ iPhone4. Keine Schlangen, keine Drängelei. Drei Jahre hat es gedauert hat, bis dieser Gang in Deutschland möglich wurde. Doch warum rannten heute angeblich alle zu O2 und Vodafone?

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          Es ging alles schnell und unkompliziert. Ich habe heute morgen um halb elf den Frankfurter Apple-Store betreten und ihn mit einem simlock-freien iPhone4 verlassen. Die Visa-Karte ist mit 629 Euro belastet, weil ich mich für das 16-Gigabyte-Modell entschieden habe. Mein Mobilfunkanbieter ist weiterhin Klarmobil, ich muss nur noch meine Datenflatrate für 9,95 Euro (Drosselung nach 500 Megabyte) freischalten lassen. Gespräche und SMS werden 9 Cent pro Minute kosten. Das iPhone ist frei von Sim-Lock, Vertragsbindung und Volumentarif-Abhängigkeiten. Genau das, was ich wollte!

          Auf diesen Moment warte ich seit etwa drei Jahren. Der Erwerb eines Smartphones sollte eigentlich genauso normal sein wie der Kauf eines Lutschers. Doch in Sachen iPhone ist alles anders, das zeigt auch die aktuelle Verwirrung um Apples neue Verkaufspolitik. Die Telekom hat ihr Monopol verloren, die Konkurrenz darf ab heute auch die Apple-Fans locken. Das sollte bekannt sein. O2 und Vodafone haben in den letzten Wochen bereits kräftig geworben. Die Blauen bieten das iPhone ohne SIM-Lock an. Kunden können es bei O2 über zwei Jahre abstottern. Subventionierte Geräte gibt es mit verschiedenen Vertragsmodellen. Vodafone bietet nur die „gefesselte“ Version an.

          Grob zusammengefasst kann man festhalten: Telekom, Vodafone und O2 unterscheiden sich nicht groß voneinander. Die einen drosseln die Datenflatrate nach 200 Megabyte, die anderen nach 250. Es gibt je nach Vertrag Wochenend-Tarife, Inklusiv-SMS, freie Gespräche ins deutsche Festnetz und so weiter. Transparenz sieht anders aus. Da bei fast allen Anbietern mit Volumentarifen gearbeitet wird, weiß kein Kunde, wie viel er etwa für eine Minute Gespräch bezahlt. Es sei denn, er telefoniert monatlich exakt 100, 200 oder 1000 Minuten.

          „Kein Kommentar!“

          Daher ist es schon verblüffend, dass sich die Schlangen nicht vor dem Apple-Store bilden, sondern vor einigen O2- und Vodafone-Läden. Im Frankfurter Store hat Apple lediglich einen Mitarbeiter bereit gestellt, der vor sich zwei Stapel mit iPhones aufgebaut hat: Links das Modell mit 16 Gigabyte, rechts mit 32 Gigabyte. Heute morgen ging es ruhig und gepflegt zu. „Wie viele haben sie denn heute morgen schon verkauft?“, fragte ich den jungen Mann im blauen Polohemd. „Kein Kommentar!“ gab er mir zusammen mit meiner Quittung zurück. Dass kein großes Andrang sichtbar war, mag auch daran liegen, dass die Kunden schnell abgefertigt werden können, weil kein Vertrag geschlossen werden muss.

          Bei O2 twittert man schon, dass sich lange Schlangen in München und Berlin bilden und stellt entsprechende Fotos dazu. Wollen die Menschen wirklich zwanzig oder dreißig Euro mehr für das iPhone bezahlen (bei O2 kostet es in der freien 16 GB-Version 649 Euro und 769 Euro mit 32 Gigabyte Speicher)? Oder wollen sie nur das Angebot nutzen, das Gerät für monatlich 25/30 Euro mit einer Anfangszahlung von 49 Euro in Raten zahlen zu können? Eine einheitliche Antwort wird es nicht geben. Eine mögliche Antwort sind die missverständlichen Meldungen von gestern, dass es das iPhone nur online bei Apple vertragsfrei gibt. Diese Information ist falsch. In Frankfurt, Hamburg, Oberhausen und München ist der Kauf eines freien iPhones in den Apple Stores möglich - und in der Regel wohl auch schneller. Vodafone wird sicherlich auch bald vermelden, dass der Ansturm auf das iPhone riesengroß und der Verkaufsstart ein voller Erfolg war.

          Eben hat mich eine Mail eines Kollegen erreicht, der fragte, ob wir uns gemeinsam ein iPhone4 aus der Schweiz besorgen wollen. Es wird Zeit, für Transparenz zu sorgen.

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