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Notebook Yoga 910 im Test : Wenn nur die verflixte Shift-Taste nicht wäre

Im Kopfstand: Yoga 910 von Lenovo Bild: Hersteller

Fast wäre Lenovo das perfekte Notebook gelungen. Das Yoga 910 hat viele Talente. Über einen groben Schnitzer lässt sich jedoch nicht hinwegsehen.

          Und schon ist es wieder passiert: Buchstabensalat. Der Cursor hat sich eine Reihe hochgeschoben, neu eingegebener Text landet an der falschen Stelle, ein heilloses Durcheinander. Wie konnte es so weit kommen? Hatte sich doch dieses Notebook zunächst als eine der interessantesten Neuheiten des jungen Jahres gezeigt. Technische Daten, Design, Funktionalität und weitere Finessen schienen für eine erfolgreiche Karriere wie geschaffen. Doch dann machten Details den hervorragenden Eindruck zunichte.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Rede ist vom Yoga 910 des chinesischen Herstellers Lenovo. Wie der Name bereits andeutet, bietet sein Display größtmögliche Flexibilität. Tastatur und Anzeige verbindet ein Gliederscharnier, das eine mechanische Meisterleistung ist, an ein Uhrenarmband erinnert und jeden Neigungswinkel erlaubt. Man kann den Bildschirm zum Dach drehen, etwa für das Ansehen von Videos und Präsentationen, oder komplett umklappen und in den Tablet-Modus von Windows 10 umschalten. Dann regiert der Finger, die Anzeige ist berührungsempfindlich.

          Mit einem verwindungssteifen Unibody-Gehäuse aus Metall, einem Gewicht von 1,4 Kilogramm und Maßen von 32 × 22 ×1,4 Zentimeter wäre das Yoga 910 der ideale Partner für Menschen, die viel reisen und trotzdem auf einen leistungsfähigen PC nicht verzichten wollen. Dazu passen nämlich auch die technischen Daten mit Prozessoren vom Core i5 bis zum aktuellen Core-i7 7500U aus der Kaby-Lake-Familie, einer über PCIe angebundenen SSD von Samsung mit 512 Gigabyte oder ein Terabyte sowie 8 oder 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Als Grafikeinheit fungiert stets die Chipsatzgrafik Intel HD 620, die mangels eigenen Arbeitsspeichers auf den Systemarbeitsspeicher zugreift.

          Wie der Name bereits andeutet, bietet sein Display größtmögliche Flexibilität. Bilderstrecke

          Die berührungsempfindliche Anzeige löst in den kleineren Ausbaustufen wie bei unserem Testgerät mit 1920 × 1080 Pixel auf, alternativ sind auch 4K mit 3840 × 2160 Pixel lieferbar, stets bleibt es jedoch bei einer Diagonale von 13,9 Zoll. Die Darstellung gefällt, sieht man von Spiegelungen ab. Während der Rand nach oben hin und zur Seite millimeterdünn ist, bleibt unten eine geradezu riesige schwarze Fläche ungenutzt, in ihr ist dann originellerweise die Webcam untergebracht.

          Die Tastatur ist in mehreren Stufen hintergrundbeleuchtbar, hinterlässt einen guten Eindruck, hat aber jene oben beschriebene Macke, die das ganze Gerät für einen Zehnfingerschreiber unbrauchbar macht: Die rechte Shift-Taste liegt zu weit rechts, und vor ihr befindet sich die Cursor-Hoch-Taste so unglücklich, dass man beide immer wieder verwechselt, selbst nach mehrstündigem Schreiben mit dem Gerät, wie schade. Das große Touchpad bewährt sich als Mausersatz bestens, es arbeitet ungemein präzise, fast wie auf dem Mac. Im Tablet-Modus nimmt man den Finger zum Navigieren in Menüs, die physikalische Tastatur ist ausgeschaltet, man beachte allerdings, dass das Gerät für langes Halten - etwa zum Lesen eines E-Book - zu schwer ist.

          Akkulaufzeit zwischen 8 und 12 Stunden

          An Arbeitstempo ließ unser Testgerät mit den jüngsten Core-i7-Prozessoren erwartungsgemäß nichts zu wünschen übrig. Auch die Einrichtung verlief schneller denn je, weil sich Lenovo mittlerweile mit unerwünschten Werbe-Dreingaben (Crapware) zurückhält. So muss man nur noch jenen Murks deinstallieren, den Microsoft selbst mitliefert. Und man kann es nicht oft genug sagen: Man achte mit Windows 10 auf die Datenschutz- und Privatsphäreeinstellungen. Dass Windows nur in der Home-Version zum Einsatz kommt, erstaunt.

          Geht es um Anschlüsse und Konnektivität, ist das Lenovo auf der Höhe der Zeit: Wie bei den jüngsten Macbook-Pro-Modellen fehlt nämlich so gut wie alles. Man muss Adapter und Hubs dazukaufen. Links liegen zwei USB-Typ-C-Ports, von denen der hintere nach USB 2.0 arbeitet und zum Laden des Akkus genutzt werden kann. Der vordere gehorcht USB 3.1 und lässt sich auch via Displayport zum Anschluss eines externen Monitors verwenden. An der rechten Seite gibt es neben der 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss eines Headset immerhin noch einen herkömmlichen USB-3-Anschluss. HDMI, Kensington Lock und Kartenleser fehlen indes. Ein wenig entschädigt der Fingerabdruck-Scanner mit Biometrie, der klaglos seinen Dienst verrichtet. Die Akkulaufzeit des Yoga 910 lag bei uns im Praxiseinsatz zwischen 8 und 12 Stunden. Man kommt also gut über den Tag.

          Neben dem Tastenlayout gibt es einen zweiten Minuspunkt: Mit jeder Lüfteraktivität geht ein hochfrequentes Pfeifen einher, das unter hoher Last eine störende Intensität entwickelt. Der Lüfter läuft leider ziemlich oft, Lenovo hat das Problem erkannt und reichte während unseres Tests ein Bios-Update nach, das ein wenig Abhilfe bringt. Insgesamt meinen wir: Hardware, Anmutung, Ausstattung und Arbeitstempo überzeugen, es ist ein tolles Notebook. Der Preis liegt zwischen 1500 und 2000 Euro und ist ebenfalls angemessen. Ein leiserer Lüfter und ein besseres Tastaturlayout sind für eine Kaufempfehlung allerdings unabdingbar. Wir warten jetzt gespannt auf das Thinkpad X1 Yoga und auf das Thinkpad X1 Carbon.

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