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Notebook von Asus : Erstklassiges Zweitdisplay

Asus Zenbook Pro 15 Bild: Wiesinger, Ricardo

Zwei Anzeigen in einem Notebook: Asus macht aus dem Touchpad einen Monitor mit hoher Auflösung. Darauf läuft nicht nur der Taschenrechner.

          Was ist der Unterschied? Im Kräftemessen der Notebook-Hersteller ist Differenzierung eine der wichtigsten Herausforderungen für das Marketing. So kommen edle oder besonders robuste Materialien zum Einsatz, der Rechner ist verblüffend leicht oder superschnell, oder er lässt sich ohne Tastatur als Tablet verwenden. Nicht alles, was Tüftler und Techniker auf den Markt bringen, ist tatsächlich ein Erfolg. Lenovo hatte vor einigen Jahren die Idee, die Feststelltaste, Caps Lock, einzusparen, weil ihre versehentliche Betätigung zu falschen Kennworteingaben und vielen Hotline-Anrufen führe. Mit dieser kleinen Maßnahme sollten sich große Spareffekte für die IT-Abteilungen in aller Welt ergeben. Das Ganze durfte sich für den Thinkpad X1 Carbon genau eine Generation lang bewähren, dann verschwand die Idee wieder in der Mottenkiste.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Apple stattet seit 2016 seine gehobenen Macbook-Pro-Notebooks mit einer Touchbar aus: Eine virtuelle Tastenreihe über der konventionellen Tastatur zum Aufruf von Kommandos im Kontext der jeweiligen Anwendung. Die Touchbar soll flexibler als die gewohnte Funktionstastenreihe sein. Sie besteht aus einem langgezogenen schmalen Oled-Panel mitsamt berührungsempfindlicher Oberfläche. Die Touchbar ist perfekt implementiert, sagen die meisten Fachleute. Ob sie genutzt wird, sei dahingestellt.

          Nun startet Asus einen ähnlichen Anlauf: Das Touchpad wird zum Screenpad. Der Mausersatz unterhalb der Tastatur sieht bei einem ausgeschalteten Zenbook Pro 15 vollkommen unspektakulär aus. Erst nach dem Hochfahren zeigt sich eine beleuchtete Displayfläche mit einer Diagonale von 5,5 Zoll. Die Auflösung beträgt 1920 × 1080 Pixel, also Full HD, man staunt. Was kann man damit machen? Zunächst wird das Screenpad wie ein Touchpad bedient, man steuert also die Maus mit einem oder mehreren Fingern. Dass die Fläche dabei leicht beleuchtet ist, mag in dunkler Umgebung nicht jedem gefallen.

          Taschenrechner Bilderstrecke

          Mit einem Fingerstreich von oben nach unten zeigt das Screenpad ein erstes Menü inklusive Taschenrechner, Microsoft-Anwendungen wie Kalender, Mail und Store, und man kann dann tatsächlich auf der kleinen Fläche unterhalb der Tastatur Monatskalender und Tagesagenda unabhängig vom Hauptdisplay sehen. Sehr fein! Aber dann ist das Touchpad futsch, erst wenn man unten das Display schließt, kann man oben weiterarbeiten.

          Wer auf der Zweitanzeige weitere Apps sehen oder sie in andere Programme einbinden will, kann das ebenfalls tun. Word, Excel und Powerpoint seien bereits kompatibel, sagt Asus, und mit dem Screenpad Youtube-Player für Google Chrome lässt sich die Wiedergabesteuerung für laufende Youtube-Filmchen auf das Touchpad legen. Die Krönung besteht darin, das Touchpad als Zweitdisplay für Windows zu verwenden, auch das funktioniert. Nur hat man dann kein Touchpad mehr. Entwickler können mit einer Schnittstelle eigene Anwendungen programmieren, und ähnlich wie bei Apple deutet die Idee des Zweitdisplays an, dass der Notebook-Nomade der Zukunft mehr als ein Display benötigt. In welcher Art und Weise sich eine solche Zusatzanzeige durchsetzen wird, sei dahingestellt. Derzeit ist das Screenpad nett, aber keine Revolution.

          Eher begeistert der Rechner an sich. Mit 15,6 Zoll in der Diagonale ist es kein Gerät für den Reisenden, sondern denjenigen, der anspruchsvolle Foto- und Videobearbeitung auf einem tragbaren PC vornehmen will. Dafür bringt der Asus beste Voraussetzungen mit: Eine UHD-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixel, die Anzeige ist berührungsempfindlich, liefert eine mittelmäßige Helligkeit und spiegelt leider sehr stark. Asus gibt an, dass das Display den Adobe-RGB-Farbraum zu 100 Prozent wiedergibt. Als eigenständige Grafikkarte kommt die Nvidia Geforce GTX 1050 Ti aus der oberen Mittelklasse dazu. Sie hat 4 Gigabyte GDDR5-Videospeicher und eignet sich selbst für anspruchsvolle Spiele. Zum Speicher der Grafikkarte kommen 16 Gigabyte RAM im DDR4-Format und eine ein Terabyte fassende SSD als Speichermedium, es handelt sich um eine M.2-Platine, die über Sata angebunden ist, also nicht ganz so schnell ist.

          Ein Leckerbissen ist wiederum der Prozessor: Das Zenbook Pro 15 ist eines der ersten Modelle mit Core-i9 8950 HK, ein Sechskernsystem für Notebooks, welches auf der Coffee-Lake-Architektur basiert und bis maximal 4,3 Gigahertz taktet. Im Turboboost werden kurzzeitig bis 4,8 Gigahertz erreicht, sofern die Prozessortemperatur nicht dagegenspricht. Das Gerät kommt mit einem Unibody-Aluminiumgehäuse mit Rändern in Roségold. Links findet man zwei USB-Typ-C-Buchsen mit Thunderbolt 3, einen HDMI-Ausgang sowie einen Anschluss (in proprietärem Format) für das sehr große und klobige Netzteil. Auf der rechten Seite liegen neben einem Audioausgang mit Klinkenbuchse zwei USB-3.1-Anschlüsse sowie ein Micro-SD-Kartenlaufwerk. Ein biometrischer Fingerabdruckscanner sitzt rechts unter der Tastatur.

          Eher für den stationären Einsatz gedacht, wiegt das Zenbook Pro 15 1,9 Kilogramm und misst 36,5 × 25 × 1,9 Zentimeter. Der Akku hielt bei uns bis zu sechs Stunden durch, Asus gibt neuneinhalb an. Im Leerlauf ist von Lüftern nichts zu hören, aber schon bei durchschnittlicher Belastung ist das Zenbook deutlich lauter als andere Mitstreiter, und wenn Spiele laufen, steigt die Lärmbelastung noch einmal. Der Preis von 1600 Euro ist angesichts der Ausstattung als günstig zu bezeichnen.

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