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Thinkpad X1 Fold im Test : Neue Viel-Falt

Das Thinkpad X1 Fold wiegt ein Kilogramm. Bild: Hersteller

Lenovo bringt das erste Notebook mit Klapp-Bildschirm in den Handel. Das Konzept des Thinkpad X1 Fold ist innovativ. Wird sich dergleichen durchsetzen?

          2 Min.

          Hier geht es ausnahmsweise mal nicht um die inneren Werte, sondern allein um Äußerlichkeiten. Vor uns liegt ein Gerät mit Ledereinfassung im Format eines Buchs, allerdings mit einem Kilogramm Gewicht. Es ist das erste Notebook mit klappbarem Display, eine Innovation, wie man sie bislang nur bei Smartphones gesehen hat. Also klappen wir das Thinkpad X1 Fold von Lenovo mal auf. Das Gerät lässt sich flexibel bis 180 Grad klappen, dann hält man ein Tablet mit einer durchgehenden Anzeige von 13,3 Zoll in der Hand. Der Lederbezug bewegt sich beim Auf- und Zuklappen mit, zwischen dem Gerät und dem Bezug ist Luft, und hier könnte Schmutz und Staub eindringen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Klappmechanik ist schwergängig, das Display zeigt den ungefähr einen Zentimeter breiten Bereich, in dem sich die Anzeige biegt. Auffällig ist die Falz nicht, aber man sieht sie. Die Auflösung des Oled-Displays beträgt 2048 × 1536 Pixel, seine Helligkeit ist gut, aber die Anzeige wird nur von Kunststoff geschützt, nicht von Glas. Rückseitig lässt sich ein Teil der Lederhülle ausklappen, um das Notebook im Querformat hinzustellen. Im Hochformat gelingt diese Übung nicht, dafür bietet Lenovo einen Ständer als Zubehör an.

          Arretiert man die Oberseite auf 90 bis etwa 120 Grad, ist das Display quasi zweigeteilt. Auf der oberen Hälfte kann man Inhalte anzeigen und die untere mit der virtuellen Bildschirmtastatur von Windows 10 belegen. Oder man legt eine Bluetooth-Tastatur vor die Einheit und arbeitet mit beiden Bildschirmhälften. Oder man dreht das Display ins Querformat, klappt es wie ein Buch auf und freut sich über den platzsparenden Einsatz. In diesem Szenario ähnelt das Thinkpad dem von Microsoft bis jetzt nur angekündigten Surface Neo mit zwei physisch getrennten Bildschirmen.

          Sieht fast aus wie ein normales Notebook. Bilderstrecke
          Im Test : Thinkpad X1 Fold

          Angesichts des Gewichts ist ein längeres Halten in Buchform jedoch kaum möglich. Da Windows Klappbildschirme noch nicht unterstützt, muss man mit einer Lenovo-App zwischen den unterschiedlichen Darstellungsweisen umschalten. Mitgeliefert wird sodann eine Fold-Mini-Tastatur, die nur wenige Millimeter dünn ist und magnetisch auf einer Displayhälfte andockt und dort induktiv beladen wird. Ihr größter Vorzug ist zugleich ihr größter Nachteil: Die Tasten haben Normalgröße für schnelles Schreiben. Aber die deutschen Umlaute und einige Sonderzeichen passten deshalb nicht mehr auf die verfügbare Fläche und sind nur mit einer besonderen Tastenkombination zu erreichen. Also nichts für flinke Zehn-Finger-Schreiber.

          Abermals trickreich gemacht: Das Notebook lässt sich auch mit aufliegender Tastatur zuklappen. Da die Anzeige berührungsempfindlich ist, kann auch ein Stift zum Einsatz kommen. Das Fold ist derzeit in drei Versionen zu Preisen zwischen 2700 und 3500 Euro erhältlich. Stets findet ein Core-i5-Prozessor der elften Generation Verwendung, und der Arbeitsspeicher hat acht Gigabyte. Die beiden günstigeren Varianten bringen eine SSD mit 256 Gigabyte mit, nur das Spitzenmodell erhält 512 Gigabyte. Der Stift und die Mini-Tastatur gehören zur Serienausstattung der beiden teureren Versionen. Der Akku mit 50 Wattstunden hält ungefähr sechs bis acht Stunden durch. Zwei USB-Typ-C-Anschlüsse ergänzen die Ausstattung. Für das Gerät musste ein neues Kühlsystem entwickelt werden: Lüfter, Kühlkörper und Wärmeverteiler umschließen das Motherboard, dankenswerterweise arbeitet das Thinkpad X1 Fold meist nahezu lautlos.

          Insgesamt ist das Konzept des Thinkpad X1 Fold innovativ. Der Gewinn sind hier die unterschiedlichen Einsatzszenarien, während es bei den Klapp-Smartphones um einen größeren Bildschirm geht. Wird sich dergleichen durchsetzen? Nach unserer Einschätzung nicht, es ist ein Nischenprodukt. Wie bei den Smartphones mit Klapp-Display bleibt die spannende Frage unbeantwortet, wie robust die Mechanik im Dauereinsatz ist und wie gut das Display geschützt ist, wenn man viel mit dem Stift auf ihm malt.

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