https://www.faz.net/-gy9-9i2i0

Zwei Jahre Wiedergeburtstag : Nokias Weg vom Handy zum Smartphone

Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Nokias Mobira Talkman (links) und 8.1 (rechts) Bild: HMD Global / Nokia

Nokia? Ja, die Marke gibt es wieder. Seit zwei Jahren tragen mehr als zwanzig Handy-Modelle diesen Namen. Noch lebt Nokia gut vom alten Image. Doch wie lange?

          Als die Reise nach Espoo in Finnland nahte, um anlässlich eines Jubiläums von Nokia das Unternehmen zu besuchen, fragten viele Kollegen: „Sind die nicht pleite?“ oder „Gibt’s Nokia noch?“. Die Antwort ist nicht ganz einfach. Nokia, wie es viele Menschen noch von früher kennen, als ein Mobilfunktelefon noch ein Handy und kein Smartphone war, gibt es so nicht mehr. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs hatte dem finnischen Unternehmen, das 14 Jahre lang Weltmarktführer für Mobilfunkgeräte war, mit der Einführung des iPhone 2007 ungewollt den Todesstoß versetzt.

          In den folgenden Jahren wollte jeder nur noch wischen und surfen, weniger telefonieren und SMS verschicken. Als Microsoft 2014 Nokia für sechs Milliarden Dollar kaufte, war es schon zu spät – auch weil die Amerikaner keine geeigneten Rettungsmaßnahmen einleiten konnten oder wollten. 2016 war es vorbei, als die Amerikaner das finnische Unternehmen wieder verkauften. So endete zunächst die Nokia-Story.

          Nun geht sie aber weiter: 2017 wurden in der Welt rund 70 Millionen Mobilfunktelefone verkauft, auf denen der Name Nokia steht. Manche Statistiken listen die Finnen im ersten Quartal dieses Jahres an fünfter Stelle der absatzstärksten Smartphone-Hersteller. Nokia ist also noch am Leben. Das haben die Finnen den Chinesen zu verdanken. HMD Global heißt das Unternehmen, das Microsoft 350 Millionen Dollar überwiesen hat, um den Markennamen „Nokia“ verwenden zu dürfen. Dann haben die Chinesen noch ein paar ehemalige Mitarbeiter von Nokia eingestellt und damit angefangen, sogenannte „Feature Phones“ und Smartphones in Europa zu entwerfen, die dort produziert werden, wo fast alle Smartphones dieser Welt entstehen: in Shenzhen.

          Wer das neue Headquarter von HMD besucht, kommt an dieser Wand mit alten Nokia-Klassikern vorbei. Bilderstrecke

          Was die Finnen in Espoo bei Helsinki im Dezember feiern, ist also die zwei Jahre junge Wiedergeburt der Marke, mit dem HMD an die frühen Erfolge anknüpfen will. Dabei gilt es stets einen Spagat zu machen, bei dem der eine Fuß in die Vergangenheit und der andere in die Zukunft zeigt. „Keine Nostalgie,“ warnt immer wieder Pekka Rantala, Vizepräsident bei HMD, der zu Nokias besten Zeiten für das globale Marketing zuständig war. Er kann mittlerweile immerhin auf mehr als 20 neue Produkte verweisen, die in mehr als 100 Ländern verkauft und in 200 Ländern im Einsatz sind. Die beliebtesten unter den Handys sind Neuauflagen von Klassikern aus den 1990er-Jahren. HMD profitiert von den Kunden, die sich an vergangene Zeiten erinnern und deswegen ein Nokia kaufen.

          Mit zwei Jokern namens 3310 und 8110 ging HMD in die erste Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress (MWC) vor knapp zwei Jahren am 26.Februar 2017 in Barcelona. Sie präsentierten zwei Nokia-Handys mit Kultstatus, die neu aufgelegt wurden. Nur wegen dieser beiden Geräte galt die Aufmerksamkeit der Medien in jenen Tagen den Finnen - und nicht Samsung, Huawei oder anderen bekannten Marken, die den Kongress in Barcelona normalerweise für sich nutzen. Auf den Social-Media-Kanälen überschlugen sich Nutzer mit entsprechenden Hashtags. Auf vielen Nachrichtenportalen, die aus Barcelona berichteten, waren immer wieder Fotos des neuen, alten 3310 zu sehen.

          Feature Phone als Zweitgerät?

          Der Start war also vielversprechend – und hallt wirtschaftlich bis in dieses Jahr nach. Das liegt im Wesentlichen an den Verkäufen der „Feature Phones“. Das sind letztlich Handys, die für eine Sache gut sind: Telefonieren. Auf die Frage, warum sich jemand heutzutage noch solch ein Gerät kaufen sollte, wenn doch alle Welt ein Smartphone nutzt, gab es damals auf dem Mobile World Congress und gibt es fast zwei Jahre später in Espoo die gleiche Antwort: „Als Zweitgerät!“. Jon French, verantwortlich bei Nokia für Westeuropa, ist der festen Überzeugung, dass der Bedarf dafür da ist und seine Kunden deswegen ein solches Gerät gekauft haben. Die Verkäufe geben ihm zunächst Recht. Denn von den 70 Millionen verkaufter Produkte machen die Handys den größten Ab- und Umsatz aus. Dabei läge der größte Markt nicht in Schwellenländern in Afrika oder Asien, behauptet French. Dass man Zweifel an der Zweitgerät-These hat, akzeptiert der neue alte Nokia-Mann. French sucht nach keinen anderen Argumenten, weil die Zahlen für Nokia sprechen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.