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Nokia-Smartphone Lumia 925 : Windows Phone für Erwachsene

Das Plus ist die exzellente Kamera: Nokia Lumia 925 Bild: Hersteller

Zurückhaltend, dezent, minimalistisch: Nokia bringt mit seinem Smartphone Lumia 925 ein Modell für die Businessklasse auf den Markt. Es überzeugt besonders im Multimedia-Bereich.

          3 Min.

          Nach einem Monat im täglichen Einsatz haben wir das Samsung-Flaggschiff Galaxy S4 gern aus der Hand gegeben. Zugegeben: Sein tolles Display begeisterte immer wieder. Aber im Alltagsgebrauch war Android in Verbindung mit der Samsung-Oberfläche Touch Wiz zu aufdringlich und zu neugierig. Eine nicht löschbare App beispielsweise meldet regelmäßig, dass sie die eigenen Fotos durchgesehen und Vorschläge für die Erstellung von Alben hat. Wer hat sie dazu autorisiert? Man ist fortwährend mit dem Gerät und seinen Hinweisen, Meldungen und Abfragen beschäftigt. Wer ein Smartphone-Betriebssystem für Erwachsene sucht, sollte einen Blick auf Windows Phone 8 von Microsoft werfen. Mit seiner Zurückhaltung, dezenten Fokussierung auf das Wesentliche und seinem minimalistischen Design ist es eine schöne Alternative.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Seit einiger Zeit begleitet uns nun das Nokia Lumia 925, das derzeitige Spitzengerät der Finnen. Die Unterschiede zum älteren Vorgänger Lumia 920 betreffen zunächst die Bauform: Das Neue hat fast 50 Gramm abgespeckt und wiegt nur noch klassentypische 140 Gramm. Das knallbunte Unibody-Kunststoffgehäuse wird ersetzt durch einen Business-Anzug mit Aluminiumrahmen, und statt einer LC-Anzeige kommt nun ein Amoled-Display zum Einsatz, das bei Bedarf die Uhrzeit im Ruhezustand einblendet.

          Schlankes Äußeres und viele Extras

          Wer Amoled mit schlechter Ablesbarkeit bei hellem Sonnenschein verbindet, muss hier umdenken: Die 11,4-Zentimeter-Anzeige (mit einer Auflösung von 1280 × 768Pixel) enttäuscht selbst bei prallem Sonnenlicht nicht und bietet die gewohnt kräftigen Farben. Mit diesen kleinen Maßnahmen hat das Flaggschiff deutlich gewonnen, meinen wir, es wirkt nicht mehr „moppelig“ wie das 920er. Indes geht die schlanke Bauform mit dem Verlust der Drahtlos-Ladetechnik einher, denn dafür braucht man eine zusätzliche Gehäuseschale.

          Soll das Smartphone die üblichen Standardaufgaben wie E-Mail, Kalender, Internet und Facebook erledigen, ist man mit Windows Phone bestens bedient. Wer sich für ein Nokia entscheidet, bekommt zudem einige Extras dazu, die kaufentscheidend sein können: Etwa Mix Radio, das aus Hunderten von Musikkanälen besteht. Jeder davon, zum Beispiel Piano Jazz, ist mit rund 100 aktuellen Titeln bestückt, die man unentgeltlich hören und zudem zur Offline-Nutzung im Gerät speichern kann. Oder die oft gelobte Nokia-Navigation, deren Karten sich ebenfalls im Gerät speichern lassen, so dass man im Ausland eine Routenführung ohne Roaminggebühren erhält. Vor dem Flug nach London lädt man das Kartenmaterial für Großbritannien, und mit der ebenfalls im Paket enthaltenen „Here Transit“-Reiseplanung für öffentliche Verkehrsmittel ist der fremden Großstadt gleich der Schrecken genommen.

          Atemberaubende Kamerafunktionen

          Auch in der Fotoabteilung wurden die Stärken des Vorgängers Lumia 920 übernommen: Die Kamera löst wie gehabt mit 8,7 Megapixel auf, zur Verbesserung der Randschärfe gibt es jedoch eine zusätzliche Linse. Wie beim 920er sind vor allem die Aufnahmen unter schlechten Lichtverhältnissen spektakulär, da kann kein Samsung Galaxy oder iPhone mithalten. Nicht weniger aufregend ist eine neue Bildbearbeitungs-App namens Smart Cam. Sie schießt zehn Fotos in reduzierter Auflösung in Folge und erlaubt dann schöne Effekte in der Nachbearbeitung, etwa einen Bewegungsfokus, der das Motiv knackscharf vor unscharfem Hintergrund freistellt, oder das Entfernen von bewegten Objekten. Die Resultate sind atemraubend, einige Beispiele gibt es hier.

          Zu den Minuspunkten von Gerät und Software gehören etliche Defizite der Ausstattung: Der Akku ist nicht wechselbar, bietet aber genug Ausdauer für anderthalb Tage; kein Vergleich mit Android. Das Lumia 925 ist mit 16 oder 32Gigabyte Speicherplatz erhältlich, eine Erweiterung mit Micro-SD-Karten ist jedoch nicht vorgesehen. Bluetooth bleibt bei Version 3 stehen, LTE wird hingegen unterstützt.

          Unser Testgerät hatte gelegentlich kurze Aussetzer beim Mobilfunkempfang, es gibt aber, wie die Labormessungen der Fachzeitschriften zeigen, kein „Antennagate“. Uns fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert. Ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Mit diesen kleinen Nachteilen kann man indes gut leben. Wer beim Smartphone-Kauf unvoreingenommen zur Sache geht und vor allem auf Kamera und Navigation achtet, wird das Lumia 925 in die engere Wahl nehmen. Der Straßenpreis von rund 600 Euro ist angesichts der Leistung und der Verarbeitungsqualität angemessen.

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