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Nokia Lumia 800 : Kein Gadget zum Knutschen

Die neue Schlichtheit: Nokias erstes Smartphone mit Windows-Betriebssystem, das Lumia 800 Bild: Hersteller

Das Smartphone-Betriebssystem von Microsoft soll Nokia den Weg aus der Krise weisen. Jetzt kommt das erste Handy aus Finnland mit Windows Phone 7.5. Wie gut ist das neue Nokia Lumia 800?

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          Man kann sich dem ersten Nokia-Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem auf zweierlei Weise nähern. Mit einem Seitenblick auf die Konkurrenz lässt es sich mühelos in den Boden stampfen. Microsoft Windows Phone gibt es seit einem Jahr. Es ist ein Flop. Der Marktanteil liegt bei unter zwei Prozent. Der bescheidenen Nachfrage der Kunden entspricht die Flaute bei den Apps. Entwickler und Content-Lieferanten konzentrieren sich auf Android und iPhone. Vieles Wichtige und Sinnvolle fehlt. Nerds, die sich aus dem Smartphone ein Schweizer Taschenmesser basteln, kommen mit ihrem Spieltrieb zu kurz.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Microsoft und Nokia sind schwach, wenn es um jenes Ökosystem geht, das bei modernen Geräten immer wichtiger wird und ein Netz der Verknüpfungen aufspannt, in dem alle Aspekte der digitalen Lebensführung eng miteinander verwoben sind. Stichworte: Musik, Cloud-Anbindung, soziale Netzwerke und die Verzahnung von Internetdiensten am PC mit dem Gerät in der Hand. Es gibt bei Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick kein Alleinstellungsmerkmal, das einen sofort in den Bann ziehen würde. Wer soll hier wen retten, fragt man sich. Ist es sinnvoll, dass Microsoft sein Windows Phone als „bestes Handy für Hotmail“ anpreist? Hotmail? Steht das nicht im Zumutbarkeitsindex für Leidenswillige ganz oben auf der Liste, gleich neben Web.de?

          Bei keinem anderen ist die Facebook-Integration so gelungen

          Lässt man sich jedoch nicht von Vorurteilen leiten, entdeckt man schnell den Charme und die Raffinesse des neuen Nokia Lumia 800, das Mitte November für 500 Euro in den Handel kommt. Es erinnert an das erste iPhone des Jahres 2007. Es kann nicht viel, aber was es kann, macht es mit Bravour und Leichtigkeit. Die Reduzierung auf das Wesentliche gefällt. Der Purismus wird hier noch einmal auf die Spitze getrieben. Üppig dimensionierte Weißräume stehen für Transparenz und Klarheit, die Menüs hingegen sind drastisch reduziert. Der zweite und dritte Blick bringen dann doch ein Alleinstellungsmerkmal ans Licht: Bei keinem anderen Smartphone ist die Integration der sozialen Netzwerke, insbesondere von Facebook, so gelungen wie hier. Daten werden selbsttätig und sicher zusammengeführt, egal, aus welcher Quelle sie stammen. Eins fließt und greift ins Andere. Zumindest, wenn es um Personen geht, bei Themen ist Windows Phone 7.5 eher schwach. Anders ausgedrückt: Wer kein Nerd ist und sich auf die wichtigen Dinge fokussiert, wird mit dem aktuellen Microsoft-Betriebssystem sehr zufrieden sein. Kontakte, Kalender, E-Mail, Facebook und Twitter sind die Stärken aus dem Hause Microsoft. Nokia wiederum spendiert seine Navigation, die Mobilfunkgebühren nur beim Start (zur Ortung und Zielsuche) anfallen lässt. Denn die Karten für alle Länder der Welt kann man vor Reiseantritt unentgeltlich mit Wireless-Lan aufs Gerät laden.

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