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Nokia Lumia 800 : Kein Gadget zum Knutschen

Informiert: Zu jedem Kontakt erscheinen automatisch die aktuellen Einträge von Facebook oder Twitter

Die Hardware des Lumia 800 folgt dem Nokia N9, allerdings fehlt dem Neuen die zweite Frontkamera für Videotelefonie. Das robust wirkende Kunststoffgehäuse ist aus einem Guss gefertigt. An der rechten Seite sind die mechanischen Tasten angebracht, ihre Anmutung lässt etwas zu wünschen übrig. Mit Maßen von 11,6×6,2×1,2 Zentimeter ist es etwas höher und dicker als ein iPhone, passt jedoch noch prima in die Hosentasche. Der Bildschirm löst auf einer Diagonale von 9,2 Zentimeter mit klassentypischen 800×480 Pixel auf. In geschlossenen Räumen ist das Amoled-Display mit kräftigen Farben überzeugend. 16 Gigabyte Speicher sind fest eingebaut, ein Schacht für Micro-SD-Karten fehlt. Der Akku lässt sich vom Anwender nicht wechseln, und wie im iPhone 4 und 4S benötigt man die kleine Micro-Sim-Karte, die an der Oberseite des Geräts eingesteckt wird. Man nimmt das Lumia gern in die Hand, auch hier ist das puristische Design ein Pluspunkt.

Kamera kann nicht mit der des iPhone 4S mithalten

Wie bei allen Windows-Phone-Geräten ist ein Zugriff auf Musik und Fotos im internen Gerätespeicher nicht an jedem PC möglich, auch nicht mit einem USB-Kabel. Für den Austausch von Medien benötigt man unter Windows die unbeliebte Zune-Software von Microsoft, für den Mac gibt es den Windows Phone Connector. Eine ärgerliche Einschränkung. Auch der Umweg über das Hotmail- oder Windows-Live-Konto führt nur einen kleinen Schritt weiter. Zwar erhält man üppige 25 Gigabyte Speicherplatz, und es lassen sich einzelne Fotos direkt in dieses „Sky Drive“ übertragen. Allerdings nur mit reduzierter und herunter gerechneter Auflösung.

Mitbringsel: Die Fahrzeug-Navigation mit Sprachkommandos und Gratis-Karten gehört beim Lumia dazu

Die Kamera mit 8 Megapixel ist schnell einsatzbereit und bietet gute Qualität, kann aber mit der des iPhone 4S nicht mithalten. Der Prozessor, ein Snapdragon 2 von Qualcomm mit 1,4 Gigahertz, sorgt für ein ordentliches Arbeitstempo. Dass es sich hier nicht um einen Zweikernprozessor handelt, ist jedenfalls kein Nachteil. W-Lan und Bluetooth 2.1 gehören ferner zur Serienausstattung, im UMTS-Betrieb sind Datenraten bis 14,4MBit/s erreichbar.

Alles in allem ein faszinierendes Smartphone

Die Bedienung des Lumia 800 ist kinderleicht und lässt kaum Fragen offen. Einwände und Probleme sind nur bei manchen Details aufzuzählen. Etwa, dass ein für fortgeschrittene Funktionen unabdingbares Hotmail- oder Windows-Live-Konto ungefragt und ohne jede Vorwarnung bei der Inbetriebnahme alles synchronisiert. Oder die feste und ebenfalls nicht änderbare Voreinstellung von Microsoft Bing als Suchmaschine für den Internet Explorer. Ferner die fehlende Wochenansicht des Kalenders in Verbindung mit einer Monatsansicht, die einzelne Einträge so winzig wiedergibt, dass man sie beim besten Willen nicht mehr lesen kann. Ein Push-System für neue Nachrichten und Ereignisse fehlt, aber diese werden teils auf dem Startbildschirm automatisch angezeigt oder sind manuell in bestimmten Kontexten abrufbar. In die rudimentär vorhandene Spracherkennung sollte man keine großen Hoffnungen setzen.

Rund um die Kacheln: Mit den großen Flächen startet man einzelne Apps, die Belegung ist frei konfigurierbar

Alles in allem ist das Lumia 800 ein faszinierendes Smartphone. Aber nicht für jedermann. Wer die Verknüpfung mit den großen marktbeherrschenden Ökosystemen sucht oder in die bunte Welt der Apps eintauchen will, wird beim Mainstream bleiben. Denn das Nokia zielt auf Leute, „die noch was anderes machen, als Gadgets zu knutschen“, schrieb Kollege Volker Weber, und dem ist nichts hinzuzufügen.

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