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Nokia Lumia 1020 und 1520 : Die erste Kompaktkamera, die telefonieren kann?

  • -Aktualisiert am

Verschwistert: Das Nokia Lumia 1020 (links im Kameragriff) und das „Phablet“ Lumia 1520 im Größenvergleich Bild: Pardey

Das erste Smartphone, bei der die Kamera im Fokus steht: Macht Nokia mit dem 1020 unsere kompakte Kamera überflüssig? Das wollen wir aber doch mal sehen.

          5 Min.

          Das erste Smartphone, bei der die Kamera im Fokus steht: So spricht Nokia, in diesem Weihnachtsgeschäft massiv für das Lumia 1020 trommelnd, in der Werbung ausdrücklich die „Smartphonefotografen“ an. Und genauso soll dieses Smartphone hier betrachtet werden: zusammen mit einem weißen Camera Grip, der aus dem an sich schön schlanken Handy ein dickliches Kunststoff-Unikum mit der Anmutung einer – allerdings nicht telefonierenden – Samsung Galaxy Camera macht, ausschließlich als Kamera. Daher – zunächst – kein Wort über das auf einen eingefleischten Androiden allenfalls putzig, vor allem aber eher umständlich wirkende Gekachel von Windows Phone 8. Stattdessen gleich zur fabelhaftesten Leistung dieser Kamera: 41 Megapixel!

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dieser Rekordwert kann allerdings nur solche Smartphonefotografen beeindrucken, denen ein eher sinnfreier Satz aus einem sogenannten Testbericht wie „Der Sensor lichtet Motive mit der enormen Auflösung von 41 Megapixel ab und übertrumpft damit sogar teure Vollformat-DSLRs wie die Nikon D800“ runter wie Öl geht. Die bloße Angabe der gerundete Gesamtzahl der Bildpunkte sagt bei dem 1/1,5-Zoll-Sensor des Lumia 1020 herzlich wenig. Der auch mit der Größenangabe 2/3 Zoll bezeichnete Sensor hat eine Bilddiagonale von rund 11 Millimeter und etwa 6,5 Prozent der Fläche eines Vollformatsensors. Das ist freilich wesentlich mehr als die meisten Handy-Kameras aufweisen können. Aber die in der Tat große Megapixel-Zahl macht offenbar selbst den Anbieter so trunken, dass sich gleich an mehreren Stellen des Nokia-Materials unter „technische Daten“ die spaßige Angabe „Sensorgröße: 41 Megapixel“ findet.

          Auch 33 MP ersetzen kein Zoom-Objektiv

          Weitere Daten der Optik, an der Carl Zeiss als Qualität verheißender Name prangt: Lichtstärke 1:2,2 bei einer Brennweite, die weitwinkligen 26 Millimeter beim Kleinbildformat entspricht. Minimale Aufnahmeentfernung: 15 Zentimeter. Vier Meter weit reicht der eingebaute Xenon-Blitz, der drei Betriebsarten kennt: zwingend an und aus sowie Automatik. Die Kamera zeichnet Jpegs auf, und zwar in mehreren verschiedenen Kamera-Modi. Wählt man die Kachel Kamera, dann erhält man ein 2592×1936 Bildpunkte oder rund 5 Megapixel (MP) großes Bild; wählt man hingegen die Nokia Pro Cam, dann werden zwei Aufnahmen gemacht: eine 5-MP-Aufnahme (3072×1728 Bildpunkte) sowie eine Version desselben Bildes in der Größe 7712×4352 Bildpunkte, also rund 33,6 Megapixel. Die Dateigrößen der Jpegs belaufen sich auf um die 2 und um die 11 Megabyte. Bei dem dritten, Nokia Smart Camera heißenden Modus wird eine Bildsequenz gemacht und zum Zweck der weiteren Bearbeitung mit etwa 20 Megabyte Größe abgespeichert sowie eine „Best shot“-Aufnahme des Motivs als 5-MP-Bild.

          Frontansicht der Rückseite des Smartphones, bei dem die Kamera im Fokus steht. Im Handgriff: ein zweiter Akku

          Um zu erläutern, was das „hochaufgelöste“ Bild von 33 MP Größe bedeutet, ein praktisches Beispiel: Die komplette Aufname eines langen Restauranttischs mit Salzstreuer, Besteck und Gläsern und einem Salatteller im Zentrum wird auf die Breite eines 19-Zoll-Bildschirms gebracht. Dann meldet ein Bildbetrachter und -bearbeiter wie Picasa oder der Photoshop Elements Editor, die Abbildung besitze nur 13 Prozent der tatsächlichen Größe des Bildes. Bringt man den Abbildungsmaßstab nun auf 100 Prozent, dann ist von dem Restauranttisch nichts mehr zu sehen, sondern weniger als ein Viertel des Salattellers des Sitznachbarn und ein riesiger Tomatenschnitz füllen den gesamten Bildschirm. Wer nun allerdings glaubt, solches digitale Herausvergrößern ersetze das Zoom-Objektiv einer Kompaktkamera gleichwertig, sieht sich getäuscht. In launigen Werbespots wird zwar so getan, als stecke im Lumia 1020 ein alles heranholender, noch dazu neu erfundener Zoom. Aber die Praxis sieht anders aus. (Ganz abgesehen davon, dass rechnerisches Zoomen ein alter Hut ist und Kompaktkameras in der Regel beides bieten: einen optischen Zoom durch Brennweitenverlängerung des Objektivs plus einen Digitalzoom.)

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