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Nokia 9 Pureview im Test : Fünf Kameras für ein Bild

Nokia 9 Pureview Bild: Hersteller

Nokia sucht den Anschluss nach oben. Das 9 Pureview ist das neue Flaggschiff der Finnen. Seine Besonderheit: Fünf Kameras auf dem Rücken. Was bringt das?

          Nokia will mit seinem neuen Smartphone 9 Pureview ganz nach oben. Damit ändern die Finnen ihre Strategie, die Einsteiger- und Mittelklasse mit günstigen Smartphones zu besetzen. Das Nokia 9 wird als Flaggschiff beworben, obwohl es nur 650 Euro kostet. Um in den Kreis der Oberklasse aufgenommen zu werden, wo sich Samsung, Huawei und Apple tummeln, müsste nicht nur der Preis einen großen Sprung machen. Dort oben gehört Nokia mit dem 9 Pureview noch nicht hin.

          Das Smartphone fühlt sich gut, aber nur nach Mittelklasse an. Hübsches Design reicht nicht mehr aus, um oben mitzuspielen. Samsung, Huawei und Apple haben die Gehäuse ihrer Smartphones perfektioniert, da reicht Nokias Design nicht heran. Die Übergänge vom Rahmen zum Bildschirm und zur Rückseite sind zu kantig und bieten Staubfallen. Wo andere das Display nahezu über die komplette Vorderseite ziehen, lässt Nokia unten und oben einen deutlichen Rand. Die Bildschirmoberfläche wirkt nicht so schön glatt und hart wie bei der Konkurrenz. Mit 1440 × 2880 Pixel ist die Auflösung scharf genug.

          Doch all das erscheint weniger wichtig, wenn der Blick auf die Kamera fällt. Auf dem Rücken befindet sich eine kreisförmige Anordnung mit sechs runden Elementen und einem weiteren in der Mitte des Kreises. Fünf davon sind Kameraobjektive, die mit 27 Millimeter, f/1,8 und 12 Megapixel alle die gleiche Brennweite, Blende und Auflösung haben. Zwei Sensoren nehmen Informationen in Farbe auf, die drei anderen in Schwarzweiß. Monochrome Sensoren sind lichtdurchlässiger, weil kein Filter davor sitzt. Jedes Mitglied dieses eingespielten Teams aus fünf Kameramodulen sammelt Informationen, sobald die App zum Fotografieren geöffnet wird, und gibt sie schon mal an die Software weiter. Diese verteilt bei Bedarf unterschiedliche Aufgaben an die Sensoren, bevor ausgelöst wird. Jedes Bild wird also aus 60 Megapixel Informationen gebaut.

          Das Besondere am Nokia 9: das Kameraset auf dem Rücken

          Das macht viel Arbeit. Selbst der recht flotte Prozessor Snapdragon 845 mit 6 Gigabyte Arbeitsspeicher kommt an seine Grenzen. Nimmt man ein Bild auf, um es sich danach direkt anzuschauen, dauert es ein paar Sekunden, weil die „Verarbeitung läuft“. Die App stellt jedes Mal mehr Informationen zur Verfügung als nötig. Denn sobald in den Einstellungen „Tiefe“ ausgewählt ist, erstellt die Software eine Tiefenkarte. So lässt sich im Nachhinein die Schärfentiefe positionieren. Man wählt einen Punkt im Bild und bestimmt mit einem Schieberegler, wie stark das Foto als solches und der Vordergrund weichgezeichnet sein soll.

          Dank der fünf Module, die fleißig Informationen gesammelt haben, kann das Nokia 9 alle Objekte auf einer Ebene mit Schärfe isolieren, die mindestens sieben Zentimeter und höchstens 40 Meter entfernt waren. Dabei kann die Software zwischen 1200 Tiefenebenen unterschieden.

          Das Nokia 9 kostet 650 Euro.

          Dieses Spiel mit der Tiefenschärfe ist nicht neu. Die Flexibilität des Nokia 9 fasziniert allerdings. Wenn es klappt, ist es ein toller Effekt. Wenn es misslingt, bilden sich Artefakte, oder die Software verrutscht in der Tiefenebene. Was der Fünferverbund auf Nokias Rücken ebenfalls besser machen soll, ist die Qualität der Bilder. Sie sollen detailreicher sein, weniger rauschen in dunkler Umgebung und einen Dynamikumfang über 12 Blendenstufen haben. Letzteres ist das eigentliche Pfund des Nokia 9. Bilder, die im Freien bei gutem Wetter aufgenommen wurden, bekommen eine enorm knackige, kontrastreiche, farbintensive Anmutung. Natürlichkeit geht dabei etwas verloren, weil die Kamera die Farben etwas überzieht. Die Kamera zeigt allerdings immer wieder Schwächen. Eine bunte Pflanze, in leichter Dämmerung und etwas Zoom aufgenommen, verlor ihre Eleganz und Feinheit. Der Zoom ist im Übrigen rein digital.

          Das Nokia 9 hatte während des Tests einen harten Gegner. Wir haben jedes Motiv zusätzlich mit dem P30 Pro fotografiert. In der Summe hat das Smartphone von Huawei gewonnen, weil es durch seinen fünffachen optischen Zoom sowie dem Zusammenspiel der beiden anderen Sensoren nie eine Schwäche zeigt. Diese Souveränität fehlt dem Nokia 9 noch. Dafür gelingen hin und wieder Bilder, die man sich am liebsten im Großformat ausdrucken lassen möchte.

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