https://www.faz.net/-gy9-79ubh

Neue Hard- und Software : Apples iOS 7 dürfte nur der Konkurrenz nicht gefallen

Das iRadio heißt also iTunesRadio Bild: AP

Apple musste auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz wahrhaft Innovatives zeigen. Mit der neuen Version des Betriebssystems iOS begeisterte Firmenchef Cook zwar die Fans. Aber eine technologische Revolution fand wie erwartet nicht statt.

          3 Min.

          Der Druck auf Apple war enorm groß. Und Tim Cook hat am Montag auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco sehr viel dafür getan, damit das Unternehmen weiterhin als einer der innovativsten Computerhersteller wahrgenommen wird.

          Der Apple-Chef präsentierte zwar im Grunde nur das, was in Blogs und Medien bereits vorab spekuliert worden war. Cook konnte also nicht mit unerwarteten neuen Produkten überraschen. Doch dafür gelang ihm dennoch, dass das Publikum bei einigen Details nicht nur obligatorisch, sondern begeistert klatschte.

          Weißer, transparenter, aufgeräumter: iOS 7 Bilderstrecke

          So kommt zum Beispiel die neue Version (10.9) des Betriebssystems Mac OS X. Apple hat es „Mavericks“ genannt (und weicht damit von der Lion-Serie ab) und ihm einige sinnvolle Neuerungen verpasst. Einzelne Fenster lassen sich als Tabs - also ähnlich wie im Browser - darstellen. Diese lassen sich individuell einrichten, sodass sich die Navigation im Finder auf ein Fenster beschränkt. Dokumente können mit „Tags“ gekennzeichnet und so gesucht werden. Mehrere Arbeitsplätze auf einem Bildschirm sind so angelegt, dass zwischen ihnen Programme verschoben werden können. Die Batteriedauer wird bei den Macbooks erheblich verlängert, indem die Prozessoren unter „Mavericks“ effizienter arbeiten.

          Zudem hat Apple seinen Browser Safari weiterentwickelt. Die Reader-Funktionalität etwa erleichtert das Speichern und Lesen von Artikeln im Netz. Der Browser schlägt im neuen Betriebssystem bei Anmeldungsformularen ein sicheres Passwort vor und speichert es. Diese werden dann via iCloud für andere Geräte wie iPhone und iPad automatisch zur Verfügung gestellt. Ähnliches gilt auch für das Ausfüllen von Kreditkartenformularen. In Zusammenhang mit der neuen Version des Betriebssystems hat Apple zudem die Karten-App von iPhone und iPad auf den Computer gepackt.

          Es ging alles sehr schnell, als die neuen Funktionen des Betriebssystems von Mac OS X Mavericks während der Veranstaltung vorgestellt wurden. Dennoch zeigten einige Funktionalitäten schon ihren praktischen Wert: wie zum Beispiel die Tabs. Andere wie die „Tags“ müssen sich im Alltag wohl noch beweisen. Bei den Vorgängerversionen gab es häufiger Funktionen, die selten ihre Anwendung erfuhren.

          iOS 7 ist die größte Veränderung

          Ebenso stellte Tim Cook mit iOS 7 die neue Version des iPhone-Betriebssystems vor. Ein Teil des Publikums stand auf und gab standing ovations. Cook nannte die Software die „größte Veränderung dieses Betriebssystems seit der Einführung des iPhones“. Die Reaktion des Publikums und das, was er vorstellte, geben ihm Recht. Das Design hat sich deutlich verändert gegenüber iOS 6. Die Handschrift des Chef-Designers Jonathan Ives ist unübersehbar. Apple hat den Bildschirm transparenter gestaltet, die Typographie verfeinert, neue Wisch-Funktionen eingeführt, (echtes) Multitasking eingesetzt und die Kamera-App verbessert. Die Neuerung, über die im Vorfeld am meisten geschrieben wurde, durfte auch nicht fehlen: iTunes-Radio. Sie ist in die neue Music-App von iOS 7 integriert. Dabei kann der Nutzer auf individualisierte Radiosender zugreifen, die auf den Musikkatalogen von iTunes basieren.

          Apple spielt dabei seinen Trumpf aus, mit dem iTunes-Store eine riesige Datenbank im Repertoire zu haben. Auch hier hat Apple das Rad nicht erfunden. So gibt es bereits Angebote wie Pandora oder Spotify, die mit ähnlichen Funktionen aufwarten. Verlockend für den Nutzer ist natürlich bei iTunes-Radio die Integration dieses Internetradio-Dienstes in seine Apple-Geräte.

          Mehr, schneller, kleiner, besser

          Neuigkeiten gibt’s auch bei der Hardware. So wurden die beliebten Macbook Airs verbessert. Ihre Akkus halten zum Teil eineinhalb Mal länger als bisher, nun also bis zu zwölf Stunden beim 13-Zoll-Modell. Ihre Arbeitsgeschwindigkeit ist schneller geworden und die Festplattengröße wurde bei gleichem Preis verdoppelt.

          Obwohl relativ klar war, dass Tim Cook einen neuen Mac Pro präsentieren würde, war das Gerät selbst dann doch eine große Überraschung. Außen und innen. Die neue Version des Desktop-Computers Mac Pro ist ein säulenartiger Rechner, der sich im Äußeren komplett von seinem Vorgänger unterscheidet. Beim Innenleben gilt wie bei jeder Keynote: mehr, schneller, kleiner, besser. So ist der Mac Pro nur 25 Zentimeter hoch. Phil Schiller kam beim Aufzählen der technischen Details kaum noch nach. Der Mac Pro wird übrigens in den Vereinigten Staaten hergestellt.

          Wenig Platz für Innovation

          Für Apple wird es aus zwei Gründen immer schwerer, mit echten Innovationen zu überraschen. Zum einen bildet sich im Vorfeld aus den zahlreichen Spekulationen in Blogs und Medien fortwährend Schnittmengen, die den Tatsachen am Abend des Events sehr nahe kommen.

          Und zum anderen ist die Konkurrenz nach wie vor bärenstark und verhindert durch eigene Produkte, dass der Spielraum für Innovationen sehr klein bleibt. Bei aller Faszination, die iOS 7 in diesen wenigen Minuten ausgeübt hat: Funktionen wie das neue Kontrollzentrum dürfte Android-Nutzern bekannt vorkommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

          Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.