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Netz-Software : Textverarbeitung im Internet

  • -Aktualisiert am

Das Büro kann abbrennen: Alle Dateien sind online verfügbar Bild: AFP

Die Verbreitung der Breitband-Internetzugänge hat das Arbeiten im Internet verändert. Mit der Netzsoftware Writely können Nutzer bequem im Internet-Browser Texte schreiben und von überall her auf ihre Dateien zugreifen.

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          Angefangen hat das Internet als Urwald - jedenfalls aus Sicht des Alleinreisenden, Endkunde genannt. Dann kamen die Suchmaschinen. Seitdem ist das Netz eine riesige Bücherei mit Index, respekteinflößend bis atemraubend. Inzwischen ist „man“ mit seinem Rechner breitbandig online, ist „drin“, möglichst „flat“ und damit ohne Zeitdruck. Folgerichtig gehen immer mehr Anwendungen dazu über, halb im Rechner und halb im Netz zu arbeiten, statt immer nur da oder dort zu rotieren. Ob diese „zweibeinigen Programme“ nun für den einzelnen, für die gesamte Menschheit oder speziell für eine Gruppe Zusammenarbeitender tätig sind, das mag sie noch unterscheiden. Die Technik ihrer verzahnten Online-Arbeit ist ähnlich und unter dem Stichwort „Ajax“ nachzulesen, ein Akronym für Asynchrones Javascript and XML.

          Bekanntestes Beispiel einer derart dauernd in beiden Welten fußenden Anwendung - dem heimischen PC und dem Internet - ist das Lexikon Wikipedia, wenn man nicht bloß liest, sondern darin korrigiert - was jedermann möglich ist. Ein Ajax-Programm, das nur einem einzigen Beschauer dienen will, ist Google Earth.

          „Luftiges“ Layout kaum möglich

          Ein drittes Programm dieser Art haben wir uns diesmal näher angesehen, eine Textbearbeitung ganz im Netz, bekannt geworden als Writely. Ajaxwrite und andere arbeiten ähnlich, scheinen aber schwächer. Texte direkt ins Netz zu schreiben dient zunächst dem Autor. Ohne sich um eine Sicherungskopie kümmern zu müssen, hat er von jedem onlinefähigen Rechner der Welt her Zugriff auf seine Texte, kann korrigieren und weiterschreiben, kann bebildern und versenden - fast so, als tippe er offline in seinen eigenen Laptop oder PC. Bevor er verreist, braucht er nichts vom „großen“ Bürorechner auf den Laptop zu ziehen, er geht einfach unterwegs online. Der Laptop kann einem gestohlen werden, die Platte crashen, das ganze Büro abbrennen: die Datei mit dem aktuellen Text ist immer noch da, im Web.

          Aufs Wesentliche beschränkt: Schreiben im Netz
          Aufs Wesentliche beschränkt: Schreiben im Netz : Bild: Google

          In der Praxis kommt man mit www.Writely.com zur Anmeldemaske, die allerdings schon „Google Docs & Spreadsheets“ heißt. In der eigentlichen Textverarbeitung ist die Kommandozeile einfach und gut; die Maus drüber, und die Symbole entfalten und erklären sich. Für den Text sind 18 Schriften in 7 Größen zu haben, Farben natürlich, Markierung, Formatierung, nur keine schmale Laufweite oder mehrere Spalten. Das gibt das dahinterliegende HTML-Format nicht her. Schade: Einen Geschäftsbrief mit „luftigem“ Layout bekommt man so nicht hin, und selbst über „Edit HTML“ sind Tricks kaum möglich. Besonders praktisch sind Kommentare, zumal es ein wenig mühsam ist, „Revisions“ zurückzuverfolgen - in Word ist der Korrekturmodus ja auch nicht jedermanns Sache.

          Buchhaltung in höheren Sphären

          Sogar viele Tastenkürzel klappen und Einkopieren. Nur Bilder müssen direkt von der Quelle im eigenen Rechner oder aus dem Netz geholt werden. Und doch fehlen einem liebgewordenen Word-Spezialitäten, angefangen von der laufenden Rechtschreibprüfung mit den roten Wellenlinien über Fußnoten (Endnoten sind möglich) bis vielleicht zu selbstgebastelten Tastenmakros für Anführungszeichen oder Sprachkorrekturumstellung, von Silbentrennung ganz zu schweigen. Auch das jahrzehntelang eingeübte nervöse Zwischenspeichern, Strg-S oder Alt-D und S, es ruhe. Umgekehrt mag gerade diese Beschränkung aufs Wesentliche viele Schreiber positiv einnehmen. Writely, 2004 von Claudia Carpenter, Steve Newman und Sam Schillace im Portola Valley in Nordkalifornien entwickelt und seit Oktober 2006 zu „Google Docs“ mutiert, ist einfach einfach. Eine einzigartige Besonderheit kommt dazu, die man mit seinem Offline-PC nie wird erreichen können: Es dürfen zugleich bis zu fünfzig Leute am selben Dokument arbeiten, sagen wir, der Autor am Nürburgring und ein korrigierender Querleser in Passau. Ein Hin- und Herschicken mit Mail erübrigt sich.

          Noch futuristischer wird es, klickt man „Publish“ an. Dann erscheint ein Hinweis, daß man - ebenfalls gratis - seinen Text im Internet öffentlich machen kann. Sogar an die nächsthöhere Stufe der Veröffentlichung hat Writely gedacht, an Blogs. Aus Writely kann man sie direkt füttern. Umgekehrt lassen sich natürlich lokale Textdateien in Formaten wie Word, RTF, TXT, PDF oder Open Office (ODT und SXW) von der Festplatte zur (gemeinsamen) Onlinebearbeitung in den Writely-Himmel heben. Google bietet neben der Internet-Textbearbeitung noch einen Online-Tabellengenerator, beides sowie das Picasa-Web-Album für Fotos einstweilen nur englisch. Bilder, Blogs und Buchhaltung können damit in höheren Sphären abgewickelt werden.

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