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Nach dem Hashtag-Crash : Börsenmanipulation mit gefälschten Twitter-Accounts?

Twitter wiederum versuche mit einigen Tricks, das massenhafte Anlegen von Fake-Accounts zu verhindern. Auch seien viele Konten der Mai-Aktion mittlerweile von Twitter gelöscht worden. Aber insgesamt wirkten die entsprechenden Schutzmaßnahmen nicht nachhaltig. Dass Zehntausende Accounts in weniger als zwei Wochen für den Amazon-Groupon-Tweet angelegt werden konnten, lässt sich nachweisen. Einzelne Schutzmaßnahmen von Twitter sollen dazu führen, dass nur Menschen (und keine Maschinen) neue Konten anlegen können. Dazu werden die unbeliebten Captchas verwendet, also bildbasierte Rätsel. Die Technik gilt jedoch als überholt. Captchas lassen sich mittlerweile maschinell in weniger als 30 Sekunden lösen. Selbst für das Einfügen von Mini-Fotos in das gefälschte Profil gibt es Internetdienste, die das automatisch erledigen. Dass man bei Twitter eine E-Mail-Adresse angeben muss, ist ebenfalls keine Hürde. Wer den Algorithmus entschlüsselt hat, mit dem die anzuklickenden Validierungs-Links generiert werden, der muss sich nicht einmal in einem Postfach einloggen. Wenn sich viele Accounts mit ein und derselben IP-Adresse anmelden, leitet Twitter gewisse Sicherheitsmaßnahmen ein. Aber die Betrüger kennen die Falle und wechseln mit Proxy-Servern schnell ihre digitale Identität.

Twitter-Manipulationen werden jetzt ein Thema für die Wissenschaft. Ulli Spankowski, der an einem von der EU geförderten Projekt zum „Social Media Monitoring“ mitgearbeitet und in Stuttgart als Spin-off die Sowa Labs gegründet hat, arbeitet wie Stockpulse an der Echtzeitanalyse von Social-Media-Daten. In Zusammenarbeit mit Universitäten setzt sein Unternehmen an erster Stelle auf selbstlernende Algorithmen, die nach der Idee neuronaler Netze verdächtige Statements automatisch erkennen und ausschließen sollen. Überwacht wird dieser automatisierte Prozess durch menschliche Expertise, die bei Manipulationsverdacht zu Rate gezogen wird.

Twitter müsste dubiose Vorgänge viel früher als Außenstehende sehen, meinen alle Insider. Aber auf die entsprechenden Hinweise von Stockpulse wurde nicht reagiert. Wir wollten dazu den deutschen Twitter-Chef Rowan Barnett befragen, er lehnte aber ein Gespräch ab. Über seine PR-Agentur ließ er mitteilen, dass Twitter klare Verhaltensregeln für die Plattform veröffentlicht habe, man könne Tweets oder Nutzer melden, die gegen diese Regeln verstoßen. Warum Twitter die Fakes in großer Zahl nicht energischer bekämpft: Darüber lässt sich also nur spekulieren. In der Vergangenheit wurde immer wieder das geringe Nutzerwachstum von Twitter kritisiert. Aber dass man deshalb beide Augen bei den falschen Freunden zudrückt, wäre wohl doch zu einfach gedacht. Jedoch fragt man sich natürlich sofort, ob es jenseits der Finanzwelt auch in anderen Bereichen des Twitter-Universums weitere ferngesteuerte Roboterarmeen gibt, die noch niemand entdeckt hat.

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