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MySpace-Chef im Interview : „Wir sind für das Verrückte und Wilde da“

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„Ich will die rebellische Jugend der ganzen Welt zu uns holen”, sagt Mike Jones, Chef von MySpace Bild: Marcus Kaufhold

Die Konkurrenz unter sozialen Netzwerken ist groß. MySpace-Chef Mike Jones über den Kampf gegen Facebook, die Angst um die eigenen Daten, wie er Musikbands groß macht und warum seine Website überladen und schwer zu bedienen ist.

          Herr Jones, warum sollte ich meine Zeit bei MySpace statt bei Facebook verbringen?

          Unsere Hoffnung ist, dass vor allem die jungen Menschen sagen: Ich gehe zu MySpace, weil ich dort schnell neue Musik finden und hören kann, Leute kennenlernen, vielleicht ein spannendes Video schauen oder ein Spiel spielen kann. MySpace soll ihnen Dinge zeigen, mit denen sie vorher nichts zu tun hatten. Es ist mir nicht so wichtig, dass sie zu uns kommen, um mit ihren Eltern oder ihren Freunden in Kontakt zu bleiben.

          Und wie soll sich der Nutzer bei Ihnen orientieren? Allein fünf Millionen Künstler weltweit haben auf Ihrer Seite ein Profil.

          Nach dem Motto: „Du magst diese Band? Dann hör dir doch die hier mal an. Die wirst du lieben!“ Das ist nicht neu, aber darin werden wir bald sehr gut sein. Unsere Nutzer müssen die Seite nicht jeden Tag besuchen. Aber wenn sie kommen, bleiben sie länger und verbringen hier eine aufregende Zeit.

          Müssen Sie sich stärker von Facebook abgrenzen?

          MySpace hat bislang nicht gut erklärt, warum das zwei verschiedene Systeme sind. Wir wollen relevante Inhalte bieten. Das können Personen sein, etwa wenn ein Nutzer in eine neue Stadt zieht und Kontakt sucht. Das kann Musik sein. Oder aber der Kontakt zu Prominenten. Es geht weniger um das echte Leben. MySpace ist nicht der Ort, wo man Babyfotos mit seiner Mutter teilt.

          Das überlassen Sie Facebook?

          Bei Facebook geht es um Kontakte als echte Person, vielleicht auch um Karriere. Bei Twitter geht es um die Verbreitung von Neuigkeiten. Bei MySpace geht es um kreative Arten, sich auszudrücken. Es geht um Entdeckungen - und darum, entdeckt zu werden. Wir sind für das Wilde, Verrückte und den Spaß da. Ich will die rebellische Jugend der ganzen Welt zu uns holen.

          Dafür müsste MySpace aber vor allem einfacher zu bedienen sein.

          Ja. Die Website ist wirklich überladen und schwer zu bedienen. Im Moment funktioniert alle Kommunikation nur zwischen dem eigenen Profil und Millionen von anderen. Hin und her, vor und zurück. Es ist ein Irrgarten. Aber überlegen Sie mal: Rund 120 Millionen Menschen nutzen das Produkt jetzt, obwohl es so kompliziert ist. Wie viele werden es wohl nutzen, wenn es viel einfacher ist?

          In Europa wurde MySpace vor allem bekannt, weil Sie Bands wie die Arctic Monkeys berühmt gemacht haben - aber das war vor vier Jahren. Hat die Seite schon ihre 15 Minuten Ruhm gehabt?

          Das war die ursprüngliche, erfolgreiche Strategie von MySpace. Aber irgendwann haben wir versucht, ein Portal für alles zu werden und Eigenschaften der Konkurrenz zu kopieren. Da ging der Fokus verloren für das, was schon früh großartig war. Dahin wollen wir zurück. Wir haben etwa eine Million Nutzer, die mehr als 5000 Freunde haben. Für Künstler bedeutet das ein Publikum, mit dem sie interagieren können. Wir werden also künftig eher Dinge weglassen, als noch mehr Neues zu erfinden. Und in Deutschland wachsen wir auch wieder - hier haben wir fünf Millionen monatliche Nutzer und gerade StudiVZ überholt. Deutschland ist nach Amerika unser zweitgrößter Markt.

          Wie wollen Sie Geld verdienen? Weiter nur mit Werbung oder auch mit kostenpflichtigen Inhalten?

          Wir bleiben bei der Werbung. Wir experimentieren zwar mit virtuellen Gütern und Währungen. Aber MySpace ist eine äußerst gute Plattform für Marken und Kampagnen. Ich mache mir keine Sorgen über die Finanzen. Eher darüber, ob das Produkt MySpace am Ende wirklich mit unseren Visionen mithalten kann. Am Beispiel Musik sieht man es ganz gut: Bands haben wegen unserer Internetseite schon ihren Tourplan geändert, weil sie gesehen haben, wo viele ihrer Fans sind. Das wollen wir auch für andere Künstler und die Industrie leisten.

          Studien belegen, dass ihre Nutzer eher aus bildungsfernen Schichten kommen. Das mögen Werbeleute nicht so gern.

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