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MySpace-Chef im Interview : „Wir sind für das Verrückte und Wilde da“

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Wir haben weltweit fast 120 Millionen Nutzer - ob die besser oder schlechter ausgebildet sind: Sie kaufen im Supermarkt ein, tragen Nike-Schuhe oder trinken Coca-Cola. Sie haben Kontakt zu Marken. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Werbeleute sich für das Bildungsniveau unserer Nutzer interessieren. Sie interessieren sich für unsere junge, konsumfreudige Zielgruppe zwischen 13 und 34 Jahren. Und die, die jünger sind, haben noch keinen Schulabschluss gemacht - daher vielleicht der Eindruck der Bildungsferne.

Sie gehören der News Corporation von Rupert Murdoch. Der ist berüchtigt dafür, dass er nur Unternehmen mag, die viel Geld verdienen.

Ja, das sollte auch so sein. Das ist eine vernünftige Einstellung.

Sie verdienen aber nicht viel Geld.

Nun, wir geben nicht bekannt, welches Unternehmen innerhalb der News Corporation wie viel Geld verdient. Bei MySpace ist es keine so kleine Summe, glauben Sie mir. Rupert Murdoch sieht allerdings auch unsere Perspektiven. Es bringt ihm nichts, wenn wir für ihn eines von vielen Unternehmen sind, das nur Geld verdient. Er will mit MySpace auch Risiken eingehen. Und uns wieder zu einem großen Spieler im interaktiven Netz machen.

Facebook hat gerade große Imageprobleme, weil sich Nutzer um die Sicherheit ihrer Daten sorgen. Woher weiß ich, dass MySpace mein Profil nicht an Werbekunden weiterreicht?

Wir haben die Privatsphäre schon früh sehr ernst genommen. Wir haben Regeln, die wir mit dem Generalbundesanwalt der Vereinigten Staaten ausgearbeitet haben. Ich kann also nur sagen: Schauen Sie sich unsere Geschichte an. Außerdem interessiert es mich gar nicht so sehr, ob Ihre Daten bei MySpace auch stimmen. Nutzer können ihre eigene, kreative Identität schaffen. Die muss nichts mit ihrem richtigen Leben zu tun haben.

Ein Markt der Zukunft ist das mobile Internet. Wie wollen Sie sich ihr Stück vom Kuchen sichern?

Zwanzig bis dreißig Prozent unserer täglichen Nutzer gehen über das Handy auf MySpace. Ende 2011 werden das wohl mehr als die Hälfte aller Nutzer tun.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir haben natürlich bereits Applications für alle wichtigen Anbieter wie iPhone oder Blackberry. Was wir anders machen wollen: Wir konzentrieren uns nicht auf eine einzige App. Wir wollen eine für Musik auf dem iPhone, eine für Videos auf dem iPad und so weiter. Im nächsten halben Jahr werden wir etwa sechs dieser Programme an den Start bringen. Auch hier wird sich viel um das Konzept drehen, wie sich Inhalt durch die Nutzer im Netz ausbreitet, also um die sogenannten viralen Phänomene.

Wo sehen Sie MySpace in vier oder fünf Jahren?

Vier bis fünf Jahre sind im Internet eine Ewigkeit. Das Netz weitet sich aus, die Menschen werden noch mehr Zeit im Internet verbringen. Das Konzept des Entdeckens, das wir verfolgen, kann für Nutzer sehr lange wichtig bleiben. Wir werden darin deutlich besser werden. Und die Leute werden uns dafür lieben. Das ist eine echte Langzeitstrategie.

Die Führung von MySpace hat dagegen zuletzt extrem schnell gewechselt: Ihr Vorgänger musste nach nicht mal einem Jahr gehen, Ihren Co-Chef, Jason Hirschhorn, verlieren Sie jetzt nach ein paar Monaten. Was ist da los?

Nur so viel: Wir respektieren Jasons Entscheidung, uns zu verlassen und nach New York zurückzugehen. Sein Rückzug hat ausschließlich persönliche Gründe. Wir sind unglaublich dankbar für die Leidenschaft, die er in das Unternehmen gebracht hat.

Wird es einen Nachfolger geben?

Wir fühlen uns gut aufgestellt. Derzeit gibt es keine Pläne für neue Besetzungen im Management.

Was wird sich ändern, da Sie der nun neue, alleinige Präsident von MySpace sind?

Meine bisherigen 15 Monate hier waren unglaublich, und ich bin aufgeregter als jemals zuvor. Ich will MySpace in eine neue Phase des Wachstums führen. Ich glaube an unsere Mannschaft, unsere Führungskräfte und vor allem an die Strategie, die wir für das Unternehmen ausgearbeitet haben und umsetzen werden.

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