https://www.faz.net/-gy9-xpzr

Motorola Flipout : Die Quadratur des Preises

Zippo-Effekt nur in der rechten Hand: Flipout von Motorola Bild: Hersteller

Motorola hat sich bei seinem neuen Smartphone abermals für Android als Betriebssystem entschieden. Das „Flipout“ ist ein Slider mit Tastatur. Sein Design ist sehr auffällig: Es ist quadratisch. Ob es praktisch und gut ist, musste es beweisen.

          3 Min.

          Motorolas Milestone war der Versuch, ein Spitzenprodukt auf dem Smartphonemarkt zu etablieren. Ein Erfolgsgarant sollte dabei das Betriebssystem Android sein. Weil diese Strategie ganz gut funktioniert, hält das Unternehmen an Android fest. Nun will Motorola zudem mit außergewöhnlichem Design auf sich aufmerksam machen und nimmt damit die jugendliche Zielgruppe ins Visier. Das „Flipout“ ist ein schicker Slider mit Tastatur. Die Größe von 67 × 67 × 17 Millimeter und das Gewicht von 120 Gramm machen das Gerät zu einem attraktiven Handschmeichler. Quadratisch ist das Flipout also. Ob es praktisch und gut ist, musste es beweisen.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Öffnungsmechanismus ist raffiniert: Der Nutzer verschiebt die obere Hälfte des Gehäuses im Uhrzeigersinn um 90 Grad. Aus der Quadratform wird somit die klassische Rechteckform, an deren unteren Ende die Tastatur sichtbar wird. Der coole Zippo-Effekt tritt allerdings nur dann ein, wenn man die rechte Hand nimmt. Mit der linken muss man noch einmal nachgreifen. Der Knopf zum Ein- und Ausschalten ist recht klein, schließt auf einer Ebene mit dem Gehäuse ab und wackelt etwas, so dass man ihn nicht immer „blind“ findet.

          Die quadratische Anordnung reduziert sowohl das Display als auch die Tastatur auf ein Minimum. Bei der vollständigen Quertz-Tastatur kann man dies noch akzeptieren. Die Tasten sind zwar sehr, aber nicht zu schmal. Menschen mit Durchschnittsdaumengröße können damit flott tippen. Beim Verfassen von Kurznachrichten helfen Wortvorschläge, die man auf dem Display komfortabel vervollständigen kann. Es ist sogar denkbar, den Bildschirm beim Tippen ganz zu umgehen. Dabei hilft neben den Tasten ein kleine Wippe zum Blättern und Auswählen.

          Die bunten Schalen zum Wechseln sollen wohl eher junge Leute ansprechen
          Die bunten Schalen zum Wechseln sollen wohl eher junge Leute ansprechen : Bild: Hersteller

          Flüssiges Lesen ist nahezu unmöglich

          Dafür hat Motorola beim Bildschirm die noch akzeptable Größe unterschritten. Mit einer Auflösung von 320 × 240 Pixel und einer Diagonalen von etwa 7 Zentimeter ist der berührungsempfindliche Bildschirm definitiv zu klein. Spätestens beim Betätigen des Rollbalkens, der bei längeren Liste an der rechten Seite dünn auftaucht, landet man häufig ungewollt auf den Listeneinträgen selbst. Die rote Karte gibt es für die Browserdarstellung von Internetseiten. Flüssiges Lesen ist nahezu unmöglich. Vergrößert man den Text, muss man die Zeilen nach links und rechts schieben, weil das Flipout sie nicht umbricht.

          Anstatt sich mit der Verbesserung dieser wichtigen Details zu beschäftigen, stülpt Motorola dem Android-Betriebssystem eine neue Verpackung über, das Stichwort heißt „Motoblur“. Sobald das Gerät hochgefahren ist, was recht lange dauert, heißt das Handy seinen Besitzer herzlich willkommen und fordert ihn auf, Name, E-Mail-Adresse und ein Kennwort einzugeben, um das Motoblur-Konto einzurichten. Motorola wirbt damit, dass Motoblur „perfekt“ auf das Leben und die sozialen Netzwerke wie My Space, Facebook und Twitter abgestimmt sei. Das ist es nicht.

          Das zeigt beispielhaft der Umgang mit Twitter: Selbst verfasste Tweets werden mit Foto und den ersten Worten als kleine Einblendung gezeigt. Wenigschreiber sehen also diesen tagelang auf dem Display. Tweets von Leuten, denen man folgt, werden ebenfalls einzeln eingeblendet. Die Aktualisierung hakt allerdings immer wieder. Über das Icon „Nachrichten“ oder (absurderweise) „E-Mails“ – gelangt man zu einer weiteren Twitterverzweigung. Dort sammelt das Handy alle Direktnachrichten. Unter „Kontakt-Feeds“ finden sich dann die eingehenden Tweets. Ähnlich verzweigt und unübersichtlich verwaltet Motorblur auch Facebook. Wer das Flipout wirklich „perfekt“ auf sein „Leben“ abstimmen will, sucht sich am besten im Android-Market die passenden Apps.

          „Und was kostet der Spaß?“

          Abgesehen von Motoblur bietet das Flipout die gängige Android-Architektur. Fünf Bildschirme können durch einen Fingerwisch gewechselt werden. Über drei berührungsempfindliche Tasten, die außerhalb des aktiven Display liegen und somit jederzeit erreichbar sind, wechselt man zum Beispiel zwischen der Programmübersicht und dem mittleren Bildschirm hin und her. Im aktiven Teil des Bildschirms gibt es noch einmal eine Leiste mit drei Tasten. Von dort aus gelangt man entweder zu Kontakten, die sich aus den Angaben aus Facebook, Google, Adressbuch und Twitter speisen. Oder man springt zu der Programmübersicht. Praktisch sind kleine vorinstallierte Verknüpfungen für den Flugzeugmodus, Bluetooth, GPS und Wireless-Lan.

          Die Hardware ist ordentlich ausgestattet. Über Mini-USB und Bluetooth fließen die Daten, gespeichert werden intern bis zu 512 Megabyte, die beiliegende Mini-SD-Karte kann noch einmal 2 Gigabyte aufnehmen und auf bis zu 32 Gigabyte erweitert werden. Dieser Platz sollte reichen für Musik-, Bild- und Videodateien. Neben einer schlicht gestalteten, aber gut funktionierenden Radiofunktion hat das Flipout auch eine „Musikbibliothek“, um MP3s zu verwalten und abzuspielen. Bilder und Videos produziert das Flipout mit einer 3,1-Megapixel-Kamera: Die Qualität der Bilder ist überraschend gut. Es ist doch einiges, was Motorola in diesen quadratischen Slider gepackt hat. Manches wie Motoblur ist überflüssig, die schlechte Qualität des Displays ist ärgerlich, die Zusätze wie Radio oder Kamera sind jedoch ordentlich. „Und was kostet der Spaß?“ dürften junge Leute mit Tendenz zu Twitter und Facebook fragen, die Motorola mit beiliegenden bunten Wechselschalen lockt. Die Antwort könnte passen: „Knapp über 250 Euro“. Das ist nicht viel.

          Weitere Themen

          Zeit für Sport

          Smartwatches im Test : Zeit für Sport

          Eine Sportuhr mit hochwertigem Gehäuse und langer Akkulaufzeit muss nicht teuer sein: Zwei Modelle für weniger als 200 Euro überraschen mit vielen Raffinessen.

          Topmeldungen

          Deutscher Sieg über Portugal : Ein Abend, an dem Funken sprühen

          Mit der überwältigenden Mischung aus Wucht und Wille erfüllt die DFB-Elf ihren Auftrag gegen Portugal. Auch die Konkurrenz in Fußballeuropa dürfte diese deutsche Verwandlung mit einigem Staunen gesehen haben.

          Deutsche Einzelkritik : Müller nervt Portugal, Gosens ragt heraus

          Beim Sieg über Portugal macht Robin Gosens wohl die Partie seines Lebens. Auch andere DFB-Akteure zeigen sich deutlich verbessert. Aber einer scheint nicht der Lieblingsspieler von Bundestrainer Joachim Löw zu sein.
          Kann Jens Spahn als von Corona genesen gelten?

          F.A.S. Exklusiv : Herr Spahn und die Genesenen

          Der Gesundheitsminister macht es Leuten schwer, die Corona schon überstanden haben. Wie viele Impfungen sie brauchen, ist umstritten. Hat Jens Spahn sich selbst vergessen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.