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Mobilfunktechnologie LTE : Hoffen auf das mobile Internet

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Bild: F.A.Z.

Mobilfunk ist ein hartes Geschäft geworden. Der Umsatz mit der Telefonie sinkt, und bevor das große Geld mit dem mobilen Internet verdient wird, müssen Milliarden investiert werden. Die Branche tut es trotzdem.

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          Das mobile Internet ist die Zukunft des Mobilfunks. „Aber ohne die vierte Mobilfunkgeneration LTE kann ein Unternehmen in diesem Markt nicht überleben“, sagte Vodafone-Deutschlandchef Fritz Joussen. Der Satz fasst die Lage im Mobilfunk gut zusammen: In den Handynetzen wird zwar immer mehr telefoniert, aber der damit erzielte Umsatz geht wegen des Wettbewerbs in Deutschland seit Jahren zurück. Für Wachstum soll nun das mobile Internet sorgen, das mit der vierten Mobilfunkgeneration LTE so richtig Spaß machen soll.

          Denn die neue Technik soll schon bald Übertragungsraten wie im Festnetz ermöglichen. Mehr noch: Das mobile Internet soll auch den Menschen in den sogenannten „weißen Flecken“ einen Breitbandanschluss nach Hause bringen, die bisher weder über DSL noch über das Fernsehkabel schnell ins Netz kommen. „In zwölf Monaten werden die ländlichen Regionen an das mobile Internet angeschlossen sein“, sagte Joussen. Das ist zwar sechs Monate später als von der Bundesregierung gewünscht, doch die späte Versteigerung der nötigen Handylizenzen hat auch den Zeitplan der Mobilfunker nach hinten geschoben.

          Die hohen Investitionen, die für das mobile Internet nötig sind, können die Spreu vom Weizen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt trennen. Schon im Vorfeld hatte die Bundesnetzagentur die Bewerber aussortiert, deren Finanzkraft nach ihrer Meinung nicht hoch genug war, um die Infrastruktur aufbauen zu können. Am Ende haben nur die Deutsche Telekom (38,5 Millionen Mobilfunkkunden), Vodafone (34,5 Millionen) und Telefónica-O2 (15,9 Millionen) in der Versteigerung genügend Geld für die attraktiven LTE-Frequenzen im 800-Megahertz-Band auf den Tisch der Bundesnetzagentur legen können.

          „Wir werden das Festnetz nicht vernachlässigen“

          Zwischen 1,3 und 1,42 Milliarden Euro hat jedes der drei Unternehmen in die Lizenzen investiert, nachdem sie schon in den Jahren zuvor kräftig Geld für den Ausbau ihrer UMTS-Netze der dritten Generation ausgegeben hatten. Eine Milliarde Euro im Jahr gibt zum Beispiel Vodafone für sein Netz aus und will das Investitionstempo weiter hochhalten. „Wir werden das Festnetz nicht vernachlässigen, aber wir konzentrieren unsere Mittel momentan stärker auf den Mobilfunk“, sagte Joussen. Dagegen hat E-Plus, der vierte Netzbetreiber, in der Versteigerung der LTE-Frequenzen im 800er Band, die vor allem für die Versorgung auf dem Land geeignet sind, am Ende nicht mehr mithalten können. Für 283 Millionen Euro sind dem Unternehmen nur die Frequenzen geblieben, die eine geringere Reichweite haben und damit für den Netzaufbau auf dem Land weniger geeignet sind. E-Plus muss so auf den Kooperationswillen der Konkurrenz hoffen. „Ich könnte mir vorstellen, dass in bestimmten Regionen der eine ausbaut und Konkurrenten auf das Netz lässt, in anderen der andere“, sagte E-Plus-Chef Thorsten Dirks.

          Ob die Konkurrenten mit Lizenz diese Idee auch gut finden, ist aber völlig offen. „Ohne Investitionen erzielt man kurzfristig schöne Margen, langfristig läuft man aber unweigerlich in Schwierigkeiten“, sagte Joussen in Richtung E-Plus. Denn E-Plus hatte zuvor schon das Wettrüsten der Konkurrenz nicht mitgemacht. Der drittgrößte deutsche Anbieter mit 19,3 Millionen Kunden hat seinen Schwerpunkt lange auf die Sprachtelefonie gelegt und erst dann ernsthaft in den Ausbau der Übertragungskapazität investiert, als das mobile Internet schon zum Megatrend avanciert war.

          Der technische Fortschritt hilft

          Investitionen sind nicht nur für den Aufbau der Netze notwendig. Dafür können bestehende Funkmasten aufgerüstet werden. Der technische Fortschritt hilft: Füllte die Technik früher ganze Schränke, kommt sie heute mit wesentlich weniger Platz aus. Der scharfe Wettbewerb unter den Netzwerkausrüstern wie Ericsson, Nokia Siemens Networks, Alcatel Lucent und Huawei drückt auf die Preise. Richtig teuer ist es aber, auch die Verbindungen zwischen den Mobilfunkmasten und den Hochgeschwindigkeitsnetzen (Backbones) mit Glasfaser aufzurüsten. Denn wenn die Netze schneller werden, wächst auch der Datendurchsatz.

          Heute stellen aber gerade diese Verbindungsstücke die Flaschenhälse für das mobile Internet dar. Soll das Netz die versprochene Übertragungsrate von bis zu 100 Megabit je Sekunde tatsächlich schaffen, dann muss auch die dahinterliegende Infrastruktur mitwachsen.

          Auf die Mobilfunker kommen Investitionen in Milliardenhöhe zu, die erst einmal verdient werden müssen. Dirks spricht von einem Investitionsdilemma: „Wir laufen in ein Szenario rein, dass der Umsatz durch Flatrates immer mehr gedeckelt wird, während wir weitere Investitionen brauchen. Dazwischen klafft eine Lücke.“ In der Branche wird daher nachgedacht, neue Tarifmodelle einzuführen, die einen Abschied vom Pauschaltarif (Flatrate) bedeuten könnten.

          Das große Geld im mobilen Internet verdienen Google und Apple

          An seine Stelle könnten dann wieder Volumentarife treten, verbunden mit Aufpreisen für datenintensive Anwendungen wie Youtube. Auf diese Weise könnten die Dauernutzer, die hohe Kosten verursachen, mehr zur Finanzierung der Investitionen beitragen. Erfahrungen aus Amerika zeigen, dass dort 6 Prozent der Smartphone-Nutzer die Hälfte des mobilen Datenverkehrs verursachen.

          Gerne würden die Netzbetreiber die Unternehmen an der Finanzierung der Investitionen beteiligen, die ihrer Meinung nach das große Geld im mobilen Internet verdienen: Google und Apple. Vor allem diese beiden Unternehmen entwickeln die Geräte und Dienste, die das mobile Internet überhaupt erst mit Leben füllen. Dazu gehören die Internet-Handys (Smartphones) wie das Apple iPhone ebenso wie die nötigen Betriebssysteme oder datenintensive Anwendungen wie Googles Navigationssoftware Maps.

          Der Erfolg macht die Netzbetreiber neidisch, die sich in die Rolle des „dummen Netzbetreibers“ degradiert sehen, der investieren soll, aber die Früchte der Arbeit nicht erntet. Nach Ansicht der Netzbetreiber könnte zum Beispiel die Youtube-Muttergesellschaft Google an die Netzbetreiber zahlen, weil die Nutzer beim Anschauen eines Videos große Datenmengen bewegen. Google findet die Idee erwartungsgemäß nicht gut. „Wegen unserer Produkte fragen die Nutzer Smartphones und Datentarife doch erst nach. Warum sollen wir dafür zahlen“, sagte der Google-Chef Eric Schmidt schon während der Mobilfunkmesse in Barcelona im Februar. Immerhin versuchen die Netzbetreiber nun, wieder eigene Dienste zu entwickeln, um das Geschäft nicht völlig den Apples und Googles zu überlassen.

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