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Mobilfunkstandard LTE : Was kann der UMTS-Nachfolger wirklich?

Die Bundesregierung will jedem Haushalt mindestens 1 MBit/s zur Verfügung zu stellen - LTE könnte da helfen Bild: dpa

UMTS sollte dem Mobilfunk revolutionäre Datenraten verschaffen. Doch der derzeitige Standard schleppt sich so dahin. Nun startet die neue Technik LTE. Wird mit der vierten Mobilfunkgeneration alles besser? Der Aufbau des Netzes wird jedenfalls ein Kraftakt.

          Als vor genau zehn Jahren das Zauberwort UMTS die Runde machte und das „Universal Mobile Telecommunications System“ zur dritten Generation des Mobilfunks gekürt wurde, waren die Erwartungen groß: UMTS sollte vor allem ein hohes Datentempo in die mobilen Netze bringen, anfangs war von zwei Megabit je Sekunde die Rede. Das entspricht ungefähr dem Tempo eines DSL-Anschlusses im Festnetz. Wir waren damals sehr skeptisch und schrieben im Mai 2001, wenige Monate nach der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland: „Beim Datentransport hat sich mittlerweile Ernüchterung eingestellt. Das im vergangenen Jahr versprochene Tempo von zwei Megabit in der Sekunde entpuppt sich als Traumtänzerei. Dieser Wert ist zwar theoretisch zu erreichen, aber nur dann, wenn man das Handy an die Wand nagelt und sich direkt darüber eine Basisstation befindet. Realistisch sind 128 bis 384 Kilobit in der Sekunde.“

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Diese Prognose war voll und ganz richtig. Zum Marktstart 2003 fehlten vor allem die passenden Endgeräte, und als sie dann endlich kamen, dümpelte UMTS jahrelang mit 384 Kilobit je Sekunde dahin. Die Anlaufprobleme des neuen Netzes waren immens, die Technik sei nicht ausgereift, hieß es hinter den Kulissen, und einer schob die Schuld auf den anderen. Der schleppende Start war aber vor allem der Tatsache geschuldet, dass pfiffige Ideen für den neuen Dienst fehlten. Jahrelang wurde eine ominöse „Killerapplikation“ beschworen, die konkreten Vorstellungen blieben jedoch diffus. Warum sollte man mit einem Handy ins Internet gehen, zumal UMTS verflixt teuer war? So profitierten von der dritten Generation (3G) zunächst Geschäftsreisende, die mit einer Datenkarte für das Notebook ins Netz gingen.

          Wie bei UMTS profitieren anfangs nur die Geschäftskunden von LTE

          Seinen Siegeszug trat der breitbandige Mobilfunk erst mit den Smartphones der aktuellen Generation an, und hier ist vor allem das iPhone von Apple zu nennen, das seit 2007 auf dem Markt ist. E-Mail und Internet hatte es auf dem Handy schon lange gegeben, aber das iPhone mit großem Bildschirm und einfacher Bedienung war der Durchbruch im Massenmarkt. Und „Killerapplikationen“, die viel Datenvolumen generieren, sind neben der E-Mail vor allem die mobile Navigation, Youtube-Filmchen und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter.

          Heute arbeitet UMTS schneller denn je. Zwar kann noch keine Rede von einem flächendeckenden Ausbau sein, aber mit der Erweiterung HSDPA werden in vielen Ballungsräumen 3,6 oder 7,2 Megabit in der Sekunde (MBit/s) erreicht, und an manchen öffentlichen Plätzen sind es schon 14,4 MBit/s. Trotz dieser guten Nachrichten gilt UMTS in der Rückschau als Fehlschlag, weil zu teuer, zu störanfällig, zu kompliziert und zu starr. Nun soll eine neue Zukunft noch mehr Tempo bringen, aber nicht nur das. „Long Term Evolution“ (LTE) ist ein Paradigmenwechsel, es ist die vierte Mobilfunkgeneration, die alles besser machen soll: mehr Kapazität, höhere Bandbreiten, bessere Funkabdeckung - und das alles zu geringeren Kosten.

          100 MBit/s in einem 20 Megahertz breiten Funkkanal

          LTE bietet sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeiten - die Rede ist von mehr als 100 MBit/s in einem 20 Megahertz breiten Funkkanal - in Verbindung mit sehr kurzen Antwortzeiten. Diese Ping- oder Latenzzeiten sind nicht nur bei Internetspielen wichtig, sondern auch für den Abruf aufwendiger Websites. Derzeit sind mit HSDPA Latenzzeiten um die 65 Millisekunden typisch, im Festnetz mit DSL etwa 20 Millisekunden. LTE will mit nur 10 Millisekunden aufwarten, und das ist ein völlig neues „Surfgefühl“, weil sich die Seiten aberwitzig schnell aufbauen.

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