https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/digital/mit-kodak-ektar-h35-analog-fotografieren-fuer-50-euro-18244622.html

Analog Fotografieren mit Kodak : Erfrischend einfach

  • -Aktualisiert am

Wie damals: Kodak Ektar H 35 Bild: Peter Thomas

Nein, nicht jeder fotografiert digital. Eine kleine Fangemeinde pflegt das analoge Bild und schickt Filme noch zum Entwickeln. Geknipst wird zum Beispiel mit der Kodak Ektar für nur 50 Euro.

          2 Min.

          Sie braucht keine Elektronik, muss nicht fokussieren, verzichtet auf Belichtungsmessung – und rührt doch direkt ans Herz. Mitsamt Social-Media-verträglichem Hochformat reduziert die analoge Einfachkamera Kodak Ektar H 35 Aufnahmen auf ein technisches Minimum. Und erzielt ein emotionales Maximum. Der Fotoapparat im attraktiven Retrodesign mit Anleihen an den Stil der 1960er-Jahre ist für 50 Euro erhältlich und lädt zum kreativen Spiel mit dem Lichtbild ein.

          Die Kamera hat ein Objektiv aus zwei Linsen mit 22 Millimeter Festbrennweite, was im Halbformat (17 × 24 Millimeter statt 36 × 24 Millimeter) dem Bildwinkel eines 35-Millimeter-Objektivs an einer Vollformatkamera entspricht. Insbesondere die Pen F von Olympus stand von Mitte der 1960er-Jahre an für dieses Format, das die Anzahl der Aufnahmen je Filmrolle verdoppelt. An der Kodak Ektar H 35 sind Blende (f 9,5), Verschlusszeit (1/100 Sekunde) und Fokus fest eingestellt. Einen Schnellspannhebel hat man sich gespart, der Film wird mit einem Drehrad links unten an der Rückseite weitertransportiert. Immerhin zum Rückspulen des mit 72 Aufnahmen belichteten Films gibt es eine klassische Kurbel. Außerdem steht als einzige elektrische Anwendung ein Blitzlicht bereit.

          Die klassische Vorfreude auf das Ergebnis

          Damit folgt die von Reto aus Hongkong entwickelte H 35 dem Konzept der eigenen Weitwinkelkamera Ultra Wide & Slim. Die neue Point-and-Shoot-Kamera unter dem Kodak-Markennamen sieht allerdings deutlich schicker aus. Den Charakter als stilvolles Fotospielzeug unterstreicht auch die in vier verschiedenen Farben erhältliche Front mit Kunstlederzier. Ein reines Spielzeug dürfte diese Kamera dennoch nicht sein. Schließlich kommt sie nicht nur in einer Hochzeit der Renaissance analoger Fotografie auf den Markt, sondern steht auch in der Tradition einer die technischen Einschränkungen einfacher Fotoapparate bewusst aufgreifenden Arbeitsweise. Das Ganze hat einen Namen, an den die Älteren sich erinnern werden. Vor 30 Jahren wurde 1992 die internationale Lomografische Gesellschaft gegründet.

          Dass man für die Produktbezeichnung der Kodak Ektar H 35 auf einen Farbnegativfilm zurückgegriffen hat, der ursprünglich vom Ende der 1980er-Jahre bis in die späten 1990er produziert wurde (seit 2008 gibt es einen neuen Ektar 100), ist schlüssig. Schließlich verzeihen diese im C-41-Prozess entwickelten Emulsionen die mit einer solchen Kamera unweigerlich auftretenden Unter- und Überbelichtungen noch am besten. Wer sich an die Arbeit mit der neuen Kodak herantasten will, aber Schwarz-Weiß-Bilder schätzt, kann es daher mit Filmen wie dem Ilford XP 2 (ISO 400) probieren. Dieser arbeitet nicht auf Silberhalogenidbasis, sondern weist eine für Farbnegativfilme typische Emulsion auf und wird im C-41-Prozess entwickelt.

          Entscheidender Moment der Amateurfotografie

          Ob Straßenfotografie, Schnappschüsse von Freunden oder spontane Landschaftsbilder: Die meisten Nutzer der H 35 werden keine eigene Dunkelkammer besitzen. Ist der Film mit seinen 72 Bildern belichtet und an das Labor geschickt, beginnt daher die klassische Vorfreude auf das Ergebnis. In einer Ära der sofort verfügbaren und weltweit teilbaren Fotos und Videos ist dieser Moment vielleicht besonders wertvoll. Und während man wartet, dürfen schon die nächsten Filme gekauft werden. Denn im Gegensatz zu Einwegkameras ist die Kodak ein zwar simpler, aber immer wieder verwendbarer Fotoapparat.

          Mit einem ähnlichen Produkt begann 1888 die Geschichte von Kodak als Kamerahersteller. Diese ersten Box-Kameras wurden noch zusammen mit dem belichteten Film zum Hersteller geschickt, der Kunde erhielt die entwickelten Negative, Abzüge und die Kamera samt frischem Film zurück. Die Einführung der Kodak gilt als entscheidender Moment in der Entwicklung der Amateurfotografie. Legendär blieb der Werbeslogan dieser Zeit: „You press the button, we do the rest.“

          Weitere Themen

          Anziehend offen

          MRT ohne Röhre : Anziehend offen

          Ausgerechnet im beschaulichen Groß-Gerau steht ein technischer Leckerbissen der Radiologie. Gerät und Untersuchung sind teuer, aber die Angst vor der Röhre verfliegt.

          Vollblut für die Familie

          Ferrari Purosangue : Vollblut für die Familie

          Zum 75-jährigen Firmenjubiläum präsentiert Ferrari erstmals einen Viertürer. Der Purosangue beschwört mit einem V12-Motor gleichwohl klassische Sportwagentugenden.

          Topmeldungen

          Senioren in einem Pflegeheim essen zu Mittag.

          F.A.Z.-Exklusiv : Altenpflege vor dem Finanzkollaps

          Regierungsberater sehen die Pflegeversicherung vor einem Kollaps. Sie fordern eine Pflicht zu privater Zusatzvorsorge, um die Babyboomer stärker in die Pflicht zu nehmen.
          Dampf steigt aus den Kühltürmen des Kernkraftwerks hinter den Häusern in Dampierre-en-Burly auf.

          Atomkraft in Frankreich : Wo Habeck recht hat – und wo nicht

          Ein plötzlicher Mangel französischen Atomstroms? Habeck liegt daneben mit der Aussage, dass sich die Lage am französischen Strommarkt „in den letzten Wochen immer weiter nach unten entwickelt“ habe. Ein Fakten-Check.
          Angela Merkel (CDU), ehemalige Bundeskanzlerin, und Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender, begrüßen sich bei der Eröffnungsveranstaltung der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung.

          Merz und Merkel würdigen Kohl : Mit Kohl ein Verhältnis zu Russland denken?

          In Berlin lädt die jüngste Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung: Aber von den Schattenseiten des CDU-Politikers schwieg selbst Angela Merkel. Was sie von Kohl gelernt habe, könne auch Richtschnur im Umgang mit Russland sein.

          Betrugsvorwurf im Schach : Mensch oder Maschine?

          Spekulationen um Hans Niemanns rasanten Aufstieg gibt es seit langem. Weltmeister Magnus Carlsen wirft ihm nun auch offen Betrug vor. Kann es sein, dass er so gut wie ein Computer spielt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.