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TV-Plattform Diveo : Flexibel fernsehen via Schüssel und Router

  • -Aktualisiert am

TV-Plattform Diveo Bild: Diveo

Seit ein paar Monaten kombiniert die TV-Plattform Diveo Satelliten-Übertragung mit der interaktiven Online-Verbreitung. Höchste Zeit, den Kombi-Dienst näher anzuschauen.

          Fernsehen über Satellit, Kabel, Antenne oder Internet – vier getrennte Welten? Das war einmal: Seit ein paar Monaten kombiniert die TV-Plattform Diveo Satelliten-Übertragung mit der interaktiven Online-Verbreitung – höchste Zeit, den Kombi-Dienst näher anzuschauen: Was bringt die Fusionsidee, was braucht man für den Empfang, und wie schlägt sich Diveo im Vergleich zu anderen Plattformen? Dass die Termine von „Tagesschau“ und „Tatort“ nicht mehr so recht als verbindliche, sofagebundene Landmarken im alltäglichen Zeitmanagement taugen, ist heute eine wohlfeile Erkenntnis. Gerade für die Generation Netflix sind solche Medien-Usancen nur noch ein museales Relikt aus einem verflossenen Jahrhundert.

          Dienste wie Waipu.tv, die Fernsehen ausschließlich über das Internet verbreiten, haben daraus die Konsequenz gezogen: Online muss alles funktionieren, sämtliche Bildschirme, auch die mobilen, müssen als Empfänger taugen, ein Tipp aufs Display muss genügen, um eine Sendung in der Cloud aufzuzeichnen, zu unterbrechen oder bruchlos vom kleinen auf den großen Bildschirm zu transferieren. Diveo mochte nicht ganz so weit gehen. Der Satelliten-Übertragungsweg hat gegenüber dem World Wide Web sichtbare Vorteile. Astra liefert bessere Bildqualität als alle anderen Verbreitungswege, fast 18 Millionen Haushalte in Deutschland sind deshalb mit einer Schüssel verbunden, und unter diesem Aspekt wäre es schade, das Antennenkabel einfach zu kappen.

          Das erklärt das Konzept, und ein Vermarktungsgedanke kam hinzu: Wer über Astra auch die privaten Sender in HD-Auflösung sehen will, muss ohnehin bei einem kostenpflichtigen Dienstleister andocken. HD+, ein Tochter-Unternehmen von Astra, bündelt private HD-Kanäle, verschlüsselt sie und bietet ihre Entschlüsselung zu monatlichen Gebühren von 5,75 Euro an. Ebendiesen Entschlüsselungsdienst und die Kombination privater Programmpakete leistet nun auch Diveo, bietet aber dank der Web-Anbindung noch etliche Zusatzfunktionen an und schreibt für alles zusammen 7,90 Euro auf die monatliche Rechnung.

          Im Detail funktioniert die Sache so: Ein gewöhnlicher Fernseher mit Satelliten-Empfangsteil und einem CI+-Schacht kann an diese Schnittstelle ein Diveo-Modul anstecken, das die Entschlüsselung der privaten HD-Programme übernimmt. Sollen auch die Online-Funktionen auf den großen Schirm, muss der Fernseher dazu eine spezielle Diveo-App laden. Leider können das bisher nur neuere Fernseher von Samsung. Weitere Fabrikate sollen zwar bald folgen, aber wer jetzt schon in Diveos Online-Komfortzone einsteigen will, muss sich erst einmal eine zusätzliche Settop-Box für 100 Euro zulegen, die ebenfalls die App-Funktionen an Bord hat, dann auch gleich den Satellitenempfang übernimmt. Gleichzeitig kann man mit vier weiteren Geräten Diveo schauen: Apps für Tablets und Smartphones aus der iOS- und der Android-Welt verwandeln die Mobilgeräte in Fernsehempfänger, angebunden ans W-Lan-Heimnetz.

          Wir haben zunächst mit der Settop-Box ausprobiert, was online so alles geht. Tatsächlich ist das Aufnehmen von Sendungen auf Festplattenspeichern im Internet denkbar einfach; ein Tipp auf einen schon begonnenen Film löst die komplette Archivierung der Sendung aus, die dort ein ganzes Jahr lang verfügbar bleibt – natürlich auch zum Anschauen auf einem der mobilen Geräte. Zehn Stunden Aufnahmezeit sind im monatlichen Preis inbegriffen. Wer 100 Stunden braucht, zahlt zwei Euro im Monat mehr. Praktisch ist auch die Restart-Funktion. Hat der Krimi schon begonnen, startet man ihn einfach erneut – dann natürlich über das Internet statt über die Astra-Strecke. Ähnlich funktioniert die Pausenfunktion: Soll der unterbrochene Film weiterlaufen, holt der Receiver sich die Signale einfach aus dem Netz, ohne dass der Wechsel des Übertragungswegs sonderlich auffällt – von vielleicht etwas flauerer Bildqualität abgesehen. Ein paar Schwächen hat das Empfangsgerät allerdings. So unterstützt es nicht die HbbTV-Funktion, die laufende Fernsehprogramme mit Inhalten aus den Mediatheken verbindet.

          Im Mediathekenangebot fehlen zudem die wichtigsten von ARD und ZDF. Sie sollen bald folgen, sagt Diveo. Eine andere Merkwürdigkeit: Diveo empfiehlt für die Online-Funktionen eine Mindestbandbreite von zehn Megabit je Sekunde. Unserer Testbox aber waren selbst 16 Megabit je Sekunde zu langsam. Erst an einem schnelleren Anschluss spielte das Kästchen mit. Umso reibungsloser arbeiteten die Apps. Alle beschriebenen Online-Funktionen wie Pause und Restart gibt es natürlich auch hier, Aufnehmen klappt ebenso einfach. Die Android-Version unterstützt außerdem Chromecast, die iOS-Variante Airplay. Wer mag, kann also vom Tablet aus über den Chromecast- oder den Apple-TV-Adapter auf den großen Bildschirm funken. Dies alles ist nicht ohne Reiz, auch wenn manches Diveo-Detail noch nicht so ganz ausgereift ist. Dass es zudem bei den Aufzeichnungen und auch bei der Restart-Funktion die eine oder andere lästige Restriktion gibt, etwa eine Vorspul-Sperre bei den RTL-Aufnahmen, liegt an der Politik der Privatsender. Diese uncharmanten Einschränkungen müssen auch die Nutzer anderer Plattformen akzeptieren.

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