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Microsofts Suchmaschine : Die Maschine mit dem Bing

Heute schon gebingt? Bild: Reuters

Jetzt ist das Ding „Bing“ also da. Microsoft hat seinen vermeintlichen Google-Killer online gestellt. Die Suchmaschine wurde lange angekündigt und soll mit großem Aufwand beworben werden. Die Überraschung ist: Bing ist fast so gut wie Google. Aber nur fast.

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          Google ist ein beliebtes Objekt für Killer. Wer wollte in den letzten Monaten nicht alles Google umbringen? Vor knapp einem Jahr waren es Stanford-Professor Tom Costello und die beiden ehemaligen Google-Mitarbeiter Anna Petterson und Russell Power. Ihre Waffe war Cuil (gesprochen wie das englische Wort „cool“), eine Google-Kopie in schwarz. Sie haben ihr Ziel verfehlt. Kaum ein User erinnert sich an Cuil, noch weniger benutzen es.

          Den jüngsten Versuch unternahm der bekannte Mathematiker Stephen Wolfram. Er wählte seine Suchmaschine WolframAlpha für das Duell. Die Durchschlagskraft sollte aus dem semantischen Web kommen. Es war allerdings weniger Wolfram selbst, als vielmehr die Medien, die sich einen wirklichen Google-Killer erhofften. Doch die meisten Propheten surften bei vielen Themen auf WolframAlpha zwischen belanglosen Statistiken und unvollständigen Vorschlägen. Zu häufig erscheint „WolframAlpha isn't sure what to do with your input.“ Vielleicht hätten sich manche Nutzer vorher klar machen sollen, für welche Zwecke diese Suchmaschine geeignet ist, für naturwissenschaftliche Phänomene zum Beispiel oder geografische Vergleiche.

          „But it's not Google“

          Nun greift also Microsoft - mal wieder - Google an. Das Unternehmen ließ seinen vermeintlichen Killer, der ursprünglich Kumo heißen sollte, einen Tag früher von der Leine als geplant. Dass Microsofts Attacke direkt auf den Konkurrenten abzielt, ist klar. Deshalb gab es auch relativ schnell die erste ironische Interpretation, als Steve Ballmer vergangene Woche den Namen „Bing“ vorgestellt hatte: „But it's not Google“. Wie auch? Bei Suchabfragen in den Vereinigten Staaten erreicht Live Search, die bisherige Suchmaschine von Microsoft, nach jüngsten Daten von Comscore einen Anteil von 8,2 Prozent, verglichen mit 64,2 Prozent für Google und 20,4 Prozent für Yahoo. Microsoft-Chef Ballmer hatte auf der Konferenz „D: All Things Digital“ in Kalifornien versprochen: „Wir wollen es jetzt besser machen“.

          Welchen Gipfel will Microsoft eigentlich mit der neuen Suchmaschine erreichen?

          Nach einem ersten Blick auf Bing muss man Ballmer zunächst zustimmen. Bing ist besser als Live Search. Das allein dürfte dem Microsoft-Chef noch nicht genügen, der gerne mal öffentlich brüllt: „Ich werde Google verdammt noch mal umbringen!“ Vergleicht man Bing dann mit Google, wird man den Eindruck einfach nicht los, dass man da bis auf das täglich wechselnde Gewand etwas sehr Ähnliches vor sich hat. Das Hintergrundbild seiner neuen Suchmaschine tauscht Microsoft einmal pro Tag aus.

          Letztlich dominiert auf Bing - ebenso wie Google - die weiße, große Eingabeleiste. Das Suchwort lässt sich dann in den Kategorien Erkunden, Bilder, Videos, Shopping, News, Maps und Travel abschicken. Bei Google sind es die Kategorien Web, Bilder, Video, Maps, News, Shopping und E-Mail. Die beiden Suchmaschinen sind sich auch in der Funktionalität sehr nahe. Obligatorisch ist bei Suchmaschinen mittlerweile die Autovervollständigungsfunktion während der Eingabe. Hübsch ist bei Microsofts neuer Maschine die Einblendung von Textausschnitten der angezeigten Homepage per Mouse-Over-Funktion.

          Per Preview zur amerikanischen Version

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