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Surface Book 2 im Test : Microsoft zieht ganz schön ab

Hebt sich von anderen Notebooks ab: Microsoft Surface Book 2 Bild: Hersteller

Ausgerechnet von Microsoft kommen momentan die spannenden Hardware-Konzepte. Das Surface Book ist ein Verwandlungskünstler. Doch taugt das Laptop auch im Alltag?

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          Als die Macbooks von Apple noch Nischenprodukte waren, zogen ihre Besitzer zielsicher die Blicke anderer auf sich, wenn sie ihren Klappcomputer im Café, in der Bahn oder im Park öffneten und das Apfel-Logo auf dem Rücken des Bildschirms zu leuchten begann. Die Zeiten haben sich in einer Hinsicht geändert: Die Konkurrenz hat Notebooks im Angebot, die mindestens genauso gut sind wie die Macbooks. Nur beim coolen Image kommen die anderen nicht so hinterher. Ausgerechnet Microsoft versucht nun mit seinen Surface-Modellen Künstler, Kreative und Influencer zu gewinnen, die normalerweise reflexartig zu einen Macbook greifen würden.

          Doch es sind eher Geschäftsleute, die mit dem Surface Pro (Tablet) und Surface Book (Laptop) unterwegs sind. Dabei bieten die Geräte genügend Eigenschaften, die sie aufgrund ihrer Flexibilität für eine andere Klientel attraktiv machen. Das Surface Pro lässt sich zum Laptop erweitern, das Surface Book zum Tablet auseinanderbauen. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich und ist mit einem Stift bedienbar. Gerade mit dem Book konnte Microsoft bei der Vorstellung vor zwei Jahren in der Technikgemeinde Begeisterung auslösen.

          Mit einem kaum messbaren Marktanteil ist das Produkt allerdings noch nischiger, als es Apple mit seinen Macbooks vor langer Zeit war – mittlerweile ist Apple auf Platz vier der größten Notebookhersteller geklettert. Nun ist Microsoft ein kleiner Coup gelungen. Die Künstlergruppe Kraftwerk, die als Pioniere des Techno gelten und gerade mit ihrem Album „3D – Der Katalog“ auf Tour sind, werden ihre Musik live auf vier Surface Books mischen. Dort, wo die meisten Zuschauer ein Apple-Logo erwartet hätten, wird Microsoft zu sehen sein.

          Im Test sollte das Surface Book 2 im ganz unkünstlerischen Alltag beweisen, was es kann. Den Vorgänger hatten wir vor zwei Jahren in der Redaktion. Das Besondere an diesem Notebook ist weiterhin sein Gehäuse, das Funktionen eines Detachables und eines Convertibles vereint. Detachables lassen sich auseinandernehmen, indem der Bildschirm irgendwie vom Rest des Gehäuses gelöst werden kann. Und Convertibles zeichnen sich dadurch aus, dass sich der Bildschirm für einen Präsentationsmodus drehen lässt.

          Markantes Zeichen: Das Scharnier, das sich aufrollt, wenn man das Notebook aufklappt. Bilderstrecke
          Markantes Zeichen: Das Scharnier, das sich aufrollt, wenn man das Notebook aufklappt. :

          So funktioniert es beim Surface Book: Der Teil mit dem Bildschirm lässt sich elektrisch mit einer Taste entriegeln, so dass er einfach abgezogen werden kann. Er wandelt sich dann zum Tablet, ohne dass das Betriebssystem seine Abläufe unterbricht. Hin und wieder kam Windows mit der virtuellen Tastatur durcheinander. Diese musste man dann mit einem Tipp nachträglich hinzufügen. Der Abziehmechanismus der ersten Generation funktionierte nicht ganz so leichtgängig wie der am neuen Modell, weil man etwas kräftiger ziehen musste, um es aus der Verankerung zu lösen. Mit dieser Detachable-Funktion spielt das Notebook auch seine Convertible-Möglichkeiten aus. Steckt man nach einer 180-Grad-Bewegung den Bildschirm wieder auf, drückt dann den Bildschirm Richtung Tastatur und stellt es auf die Kanten, wird aus dem Notebook ein Monitor für Präsentationen oder ein Minifernseher zum Filmegucken.

          Hauptelement dieser Funktionalität ist das bewegliche Scharnier, das sich beim Aufklappen nach hinten entrollt. Dieses sorgt für die außergewöhnliche Form des Surface Book: Es ist keilförmig. Zum Transport macht sich diese Form ganz gut, weil sich die runde Seite in die Hand schmiegt. In geöffnetem Zustand könnte das Scharnier manchmal etwas steifer sein. Bei unruhigen Fahrten im Zug wackelt der Bildschirm etwas. Ob der Winkel des Scharniers größer sein sollte und damit noch mehr nach hinten gekippt werden könnte, ist Geschmacksache. Ebenso der Einsatz des Surface Book als Tablet oder Monitor. Auch wenn der Umbau schnell und reibungslos vonstattengeht, nutzten wir das Gerät die meiste Zeit als Notebook. Möglicherweise muss man sich erst an diese Option gewöhnen. Vielleicht braucht man sie aber auch nur selten.

          Was mittlerweile im Alltag unverzichtbar ist und von allen Herstellern eingesetzt werden sollte, ist ein berührungsempfindlicher Bildschirm. Allein das Scrollen per Wischgeste erleichtert die Bedienung des Browsers ungemein. Überhaupt ist das 13,5 Zoll große Display, das mittlerweile auch in 15 Zoll erhältlich ist, eines der Highlights dieses Notebooks. Mit der Auflösung von 3000 mal 2000 Pixeln, den feinen Farben und dem 3:2-Verhältnis macht das Arbeiten mit dem Surface Book sehr viel Spaß. Einziger Wermutstropfen wie bei vielen Displays: Es spiegelt sehr stark bei Sonnenlicht.

          Auch die anderen Eigenschaften überzeugen. Das Trackpad hat üppige Maße und reagiert zuverlässig auf die Fingergesten. Auf der Tastatur schreibt es sich sehr gut, die Tasten könnten allerdings noch ein bisschen leiser sein. Außer diesen Geräuschen gibt es nichts zu hören. Der Lüfter verhielt sich ruhig. Die Geräte mit i5-Prozessoren kommen sogar ganz ohne aktive Kühlung aus. Der Akku befreit den Nutzer für viele Stunden von der Steckdosennutzung. Der i7-Prozessor der neuesten Generation macht genügend Tempo für alle im Test eingesetzten Anwendungen und ist auch für Videoschnitt und anderes geeignet.

          Dass das etwas mehr als eineinhalb Kilogramm schwere Surface Book außerordentlich gut ausgestattet und verarbeitet ist, steht außer Frage. Das ergibt sich schon durch einen Blick auf den Preis. 3450 Euro werden für das Surface Book fällig, so wie es für uns konfiguriert war: i7-Prozessor, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 1 Terabyte Festplatte. Die günstigste Variante mit i5, 8 Gigabyte Ram und 256 Gigabyte SSD-Speicher kostet 1750 Euro.

          Kaufen oder nicht kaufen?

          Die Frage, die sich stellt: Wer soll es kaufen? Preislich bewegt sich das Surface Book auf dem Niveau von Apples Macbook Pro oder Lenovos Thinkpad X1 Carbon. Letzteres wird vom Unternehmen als „Geschäftslaptop“ beworben. Aufgrund der Marktanteile von Apple dürften auch dessen Produkte für diesen Zweck häufig zum Einsatz kommen. Microsoft versucht mit dem Surface Book den Spagat. Einerseits profitieren Geschäftsleute von den Convertible- und Detachable-Funktionen. Andererseits lockt das Notebook mit dem Einsatz des Stiftes und in der High-End-Ausstattung mit i7-Prozessor und einer 1 Terabyte großen Festplatte Kreative, die mit Video und 3D-Anwendungen zu tun haben. Der hohe Preis lohnt sich für alle, welche die Multifunktionalität nutzen.

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