https://www.faz.net/-gy9-7ukpt

Neue Windows-Version : Microsoft setzt alles auf die Zehn

Das neue Startmenü: Windows 7 und 8 vereint Bild: Microsoft

Microsoft überspringt eine Versionsnummer und stellt Windows 10 vor. Was soll uns das sagen? Ist Microsoft ausnahmsweise mal seiner Zukunft voraus?

          Die These wurde schon kurz nach der Vorstellung von Windows 10 auf Twitter verbreitet. Microsoft habe die Version 9 seines Betriebssystems übersprungen, um mit Windows 10 mit Apple gleichzuziehen. Das Unternehmen aus Cupertino zählt schon seit dem Jahr 2001 nicht mehr weiter als zur römischen Zehn. Mac OS X erhält seit seiner Einführung immer nur Zusatznamen, aktuell sind wir bei Mavericks, Ende des Monats bei Yosemite.

          Dieser Vergleich ist nicht fair. Das Unternehmen aus Seattle hatte bereits mit Windows 7 ein Betriebssystem eingeführt hat, das selbst den größten Microsoft-Kritikern gefiel. Windows 8 war bezüglich Design und Funktionalität ein Quantensprung. Die Kacheloptik gab dem Betriebssystem einen völlig neuen Look. Das Gefühl, eine Oberfläche vor sich zu haben, die offensichtlich für Notebooks mit Touchdisplay optimiert war, gefiel wiederum nicht mehr so vielen.

          Die Kritik, die im Gegensatz zur großzügigen Kachoptik eher kleinkariert war, fokussierte sich auf den Startbutton. Der fehlte nämlich bei Windows 8. Und weil auch unter Computernutzern der Wille, sich neuen Gegebenheiten anzupassen, nicht immer da ist, knickte Microsoft ein und führte den Startbutton bei Windows 8 wieder ein.

          Bei Apple würde die Wohlgesonnenen solche Veränderungen positiv bewerten und als weiteres Beispiel dafür nennen, wie sehr sich das Unternehmen um seine Nutzer kümmert und demütig reagiert. Microsoft hat es da schon schwerer. Die Urteile gehen dann eher in die Richtung: Gott sei Dank habt ihr eingesehen, dass ihr Quatsch gemacht habt. Und Gott sei Dank habt ihr endlich den Unsinn wieder weggemacht.

          Wie auch immer: Das neue Windows 10, soweit wir seit der Präsentation durch Microsoft-Chef Satya Nadella am Dienstag davon wissen, besteht gleichermaßen aus Rück- und Fortschritten. Dabei sind manche Rückschritte durchaus praktisch. Das Startmenü enthält nicht nur die klassische Windows-7-Ansicht, in der man Programme aus einer Liste auswählen kann. Sondern auch auch frei definierbare Apps, die in der Kacheloptik angezeigt werden. Optisch ist das eine Katastrophe, weil sich Microsoft von seinem ästhetisch (fast) konsistenten Windows 8 weiter entfernt.

          Eigentlich hatte man diesbezüglich genau die gegenteilige Entwicklung erwartet: Denn in Windows 8 stört nach wie vor der Wechsel zur Windows-7-Oberfläche. Wer nun hoffte, dass das neue Windows konsequenter daherkommt, wird enttäuscht. Einen Spagat versucht Microsoft auch bei der Touch-Funktionalität. Weil die Verbreitung von Notebooks mit berührungsempfindlichen Bildschirmen nicht wirklich vorangeht, bindet Microsoft die Tastatur von vornherein wieder stärker ein. So soll dank „Continuum“ zukünftig das Notebook in Abhängigkeit des Einsatzes von Tastatur und Touchoberfläche entscheiden, in welcher Darstellung Windows gezeigt wird.

          Eine Ankündigung weist in die Zukunft - ist aber unumgänglich und wurde bei der Einführung von Windows 8 schon propagiert. Das neue Betriebssystem soll gleichermaßen die Grundlage für Computer, Tablet und Smartphone sein, auf denen Windows als Betriebssystem läuft. Apple ist hier einen Schritt weiter. Mit Mac OS X Yosemite wird es möglich sein, Aktionen auf dem iPad oder iPhone zu beginnen und sie auf dem iMac oder MacBook weiterzuführen, wie etwa das Schreiben einer Mail. Apple nennt dies „Continuity“ und bindet damit die Nutzer noch stärker an die eigenen Produkte.

          Dies muss Microsoft ebenso tun. Auch um seine Smartphone-Sparte weiter zu stärken. Den ersten Schritt wollten die Nutzer nicht mitgehen. So sind die Verkaufszahlen von Windows 8 eher mäßig. Viele verharren noch bei ihrer Version 7. Ob sich Microsoft mit dem neuen Windows bei diesen Kunden nun anbiedert oder selbst eingesehen hat, dass man mit Windows 8 möglicherweise die meisten Nutzer überfordert hat, wird nicht zu klären sein. Der Erfolg von Windows 10 schon. Denn der wird sich in der Verkaufszahlen ausdrücken.

          Weitere Themen

          Eine Reise durch das Ökosystem der Kunst Video-Seite öffnen

          Kunstwelt in der Krise : Eine Reise durch das Ökosystem der Kunst

          Kunst hat mehr Publikum denn je – und steckt in ihrer tiefsten Krise. Die Konzentration von Kaufkraft in immer weniger Händen sorgt für eine Machtkonzentration wie einst in Hollywood. Was wird Kunst in Zukunft sein: Investment? Schönheit? Widerstand?

          Topmeldungen

          Der tschechische Milliardär Daniel Křetínský will den Handelskonzern Metro komplett übernehmen.

          Tschechischer Investor : Der Mann, der Metro kaufen will

          Der tschechische Milliardär Daniel Křetínský präsentiert sich als leiser Unternehmer. Er kann aber auch anders – jetzt greift er nach dem Handelskonzern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.