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Mate 10 Pro von Huawei im Test : China gegen Cupertino

Hat etliche Pluspunkte: das neue Premiumgerät Mate 10 Pro von Huawei Bild: Hersteller

Das Mate 10 Pro von Huawei macht vieles gut und manches sogar besser als ein iPhone. Und es ist viel mehr als nur ein Smartphone.

          Für den steinigen Weg in die Oberklasse der Smartphone-Liga gibt der chinesische Hersteller Huawei seinem neuen Premiumgerät Mate 10 Pro etliche Pluspunkte mit auf den Weg. So will man sich nicht nur von der Masse der Mitbewerber, sondern auch von anderen Top-Produkten wie dem iPhone 8 und X, dem Galaxy S8 oder dem Pixel 2 absetzen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Kampf gegen Apple, Samsung und Google gefällt an erster Stelle die Dual-Sim-Unterstützung für zwei Mobilfunkkarten mit LTE. Beide Karten sind gleichberechtigt, lassen sich zur Telefonie nutzen, man ist unter zwei Rufnummern erreichbar, und man schaltet für Datendienste flink von O2 zu Vodafone um, wenn man in einem Funkloch gelandet sein sollte. Beide Karten eignen sich sodann für WiFi-Calling, also Telefonie über W-Lan bei schwacher oder fehlender Funkversorgung. An den Komfort dieses Duos gewöhnt man sich sofort; nicht nur während des Auslandsaufenthalts.

          Obwohl das neue Mate 10 Pro im Gehäuse eines 5,5-Zoll-Modells eine Displaydiagonale von 6 Zoll bietet, der Trick gelingt durch die Reduzierung der Ränder, und die Amoled-Anzeige mit 2160 × 1080 Pixel auflöst, hat das Huawei zweitens ein tolles Energie-Management: Selbst bei intensiver Nutzung sind abends noch üppige Reserven vorhanden, und wer etwas seltener zum Smartphone greift, kommt locker über zwei Tage. Verantwortlich dafür ist ein Akku mit 4000 Milliamperestunden, der bei uns sogar kontinuierliche Videowiedergaben bei voller Helligkeit über mehr als 13 Stunden schaffte. Ein Nachteil der kontrastreichen und exzellenten Anzeige: Sie ist nicht besonders hell, Labortests ergeben rund 420 Candela pro Quadratmeter, das ist gute Mittelklasse.

          Das neue Mate 10 Pro kommt im Gehäuse eines 5,5-Zoll-Modells und hat dennoch Displaydiagonale von 6 Zoll. Bilderstrecke

          Drittens ist das Mate 10 Pro viel mehr als nur ein Smartphone. Sobald man es mit einem Desktop-Monitor verbindet, wird es zu einem halbwegs brauchbaren Rechner mit großer Anzeige der Inhalte. Voraussetzung dafür ist nicht etwa ein Dock, wie es eine ähnliche Funktion von Samsung vorsieht, sondern nur ein Kabel, das auf der einen Seite in den USB-C-Anschluss des Mate 10 Pro gesteckt wird und auf der anderen in den HDMI-Eingang des Monitors. Auch ein Hub kann funktionieren. Anschließend startet „Easy Projection“ auf dem Monitor, man kann weitere Peripherie anschließen, etwa eine Bluetooth-Tastatur. Nötigenfalls dient das Huawei-Display als riesengroßes Touchpad zur Maussteuerung. Apps starten im Tablet-Modus, das funktioniert oft, aber nicht mit jeder. Indes: Browser, E-Mail, Dateizugriff und anderes Wichtige sind dabei, es ist faszinierend.

          Weiterhin soll das mit Kirin-970-Prozessor ohnehin superschnelle Gerät zusätzlich intelligent sein. Jedenfalls spricht Huawei davon, dass ein Zusatzprozessor für künstliche Intelligenz NPU, Neural Processing Unit, viele Prozesse, die sonst in der Cloud ausgeführt werden, nun direkt auf dem Smartphone erledige. Schnell ist das Mate 10 Pro in jedem Fall, grafisch aufwendige Spiele laufen ruckelfrei, und die Benchmarks zeigen ein Arbeitstempo, das auf Augenhöhe liegt mit dem Galaxy S8, dem Pixel 2 und dem iPhone 7. Nur das iPhone 8 und X sind noch deutlich schneller.

          Abermals zusammen mit Leica entwickelt

          Die NPU soll mit offenen Schnittstellen auch die Entwickler begeistern. Als Nutzer sieht man vorerst nicht viel davon. Die Zusatzeinheit kommt bei der Erkennung von Bildmotiven zum Einsatz und beim Dämpfen von Umgebungsgeräuschen während der Telefonie. Zu diesen vier Extras kommt als fünftes die wie gehabt sehr gute Kamera, sie wurde abermals zusammen mit Leica entwickelt. Die Optik auf der Rückseite ragt leider einen Millimeter aus dem Gehäuse heraus. Aber das Zusammenspiel aus 20-Megapixel-Monochromsensor plus 12 Megapixel für Farbe liefert bei gutem Licht exzellente Ergebnisse.

          Dank der NPU werden Szenen erkannt, zum Beispiel, dass man gerade Lebensmittel fotografiert, und die Bildparameter entsprechend gesetzt. Eine optische Bildstabilisierung ist ebenfalls an Bord. Im Test von DXO Mark erreichte das Mate 10 Pro Bestnoten, allerdings nur für die Fotoqualität, nicht für Videos. Schwach bleibt selbst die beste Smartphone-Optik bei schlechten Lichtverhältnissen. Fotos lassen sich nun in eine Huawei-Cloud hochladen, aber nur in reduzierter Auflösung und unentgeltlich maximal fünf Gigabyte.

          Weitere gravierende Minuspunkte sehen wir nicht. Die Verarbeitungsqualität des Boliden mit einem Gehäuserahmen aus Aluminium und Rückseite aus Glas ist tadellos, das Gerät ist gegen Spritzwasser und Staub nach IP 67 geschützt. Ein Klinkenstecker für Ohrhörer fehlt und Wireless-Charging zur induktiven Aufladung des Akkus ebenfalls. Der biometrische Fingerabdruckscanner liegt wie beim Vorgänger Mate 9 auf der Rückseite des Gehäuses und arbeitet perfekt wie seine Kollegen im iPhone. Er ist so plaziert, dass man beim Entsperren des Geräts nicht versehentlich auf die Kameraoptik tippt, Samsung kennt das Problem. Die üblichen Finessen rund um den empfindlichen Sensor sind ebenfalls dabei, also etwa die Option, mit einem sanften Fingerstreich von oben nach unten die letzten Push-Nachrichten zur Anzeige zu bringen.

          Verzichten muss man sodann auf die Erweiterung des Speichers durch Micro-SD-Karten. Sechs Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Arbeitsspeicher sollen reichen. Das aktuelle Android 8 wird ergänzt um den von Huawei entwickelten Betriebssystemaufsatz Emui, nun ebenfalls in der Version 8. Das Mate 10 Pro ist ein feines Gerät, es ist für 800 Euro seit Anfang November im Handel. Eine Variante ohne „Pro“ landet vorerst nicht in Deutschland, ein Mate 10 Lite soll unter 400 Euro kosten, hat allerdings weniger Speicher, einen schwächeren Prozessor und nur das ältere Betriebssystem Android 7.1.

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