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Lichtwecker im Test : So werden Sie sanft geweckt

Ein Grinsen bekommt man in Wirklichkeit nicht ins Gesicht, aber man wacht viel entspannter auf als mit einem klassischen Wecker. Bild: Hersteller

Geweckt werden wollen die wenigsten – es sei denn auf die sanfte Tour. Zarter als mit einem Lichtwecker geht es kaum. Und dieser sammelt in der Nacht noch Informationen.

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          Weil nur wenige Auserwählte das Privileg genießen dürfen, so lange im Bett liegen zu können, wie sie wollen, brauchen die Menschen den Wecker. Obwohl ihn so viele brauchen, mag ihn keiner. Wohl deshalb gibt es seit einigen Jahren die Idee des lautlosen Weckers. Mit Licht wird über einen längeren Zeitraum ein Sonnenaufgang simuliert. Wenn die sanfte Tour nichts hilft, zwitschern danach noch die Vögel, oder andere Geräusche zupfen wie gewohnt am Ohr des Schlafenden.

          Philips hat sich des Themas Schlaf schon lange angenommen und bietet mehrere Lichtwecker an. (Ähnliche Produkte gibt es unter anderem von Withings.) Das Connected Wake-up-Light HF 3671/01 für knapp 200 Euro ist der jüngste und hat dafür gesorgt, dass wir rechtzeitig zur Arbeit kamen und das Wake-up-Light für Kids HF 3503/01 für zirka 65 Euro half dabei, das Kind sanft aus dem Schlaf zu zerren. Das Wake-Up-Light ist nicht nur ein Wecker, sondern bei Bedarf auch Nachttischlampe und Radio. Wer nicht „connected“ sein will, kann das Gerät trotzdem bedienen und benutzen – wenn auch eingeschränkt. Die Philips-App ist zunächst nicht nötig.

          Auf dem unteren Rand des Gehäuses befinden sich Symbole, mit denen man den Lichtwecker bedient. Tippt man das Haus-Symbol an, springt ein Menü mit fünf Symbolen auf. Damit lässt sich mit Hilfe von Plus- und Minus-Zeichen alles Notwendige regeln: die Weckzeit, wie lange der simulierte Sonnenaufgang dauern und wie hell er werden soll und welche Melodie ertönt, wenn das Licht am intensivsten ist. Wer Radio hören will, kann auf Sendersuche gehen, was etwas mühsam ist. Und schließlich kann das W-Lan an- und ausgeschaltet werden. Es erklärt sich alles von selbst, die Bedienungsanleitung kann eigentlich zugeklappt bleiben.

          Das Display des Wake-Up-Lights mit Weck- und Uhrzeit. Bilderstrecke

          Das erste Mal ging zu früh die Sonne auf. Dafür kann Philips nichts. Der Grund war ein Denkfehler. Die Weckzeit, die man einstellt, ist das Ende des Sonnenaufgangs und nicht der Anfang. Nach diesem Missverständnis blieb der Wecker für die nächsten Tage auf 7 Uhr stehen. Wie beim Smartphone genügt es, ihn auszustellen, damit er am nächsten Tag wieder zur gleichen Zeit angeht. Die Idee des sanften Weckens geht auf. Im Vergleich zur harten Variante mit Melodien oder Geräuschen beginnt der Tag angenehmer. Es ist gewissermaßen der freie Wille, der darüber entscheidet, wann der Schlafende innerhalb der halben Stunde die Augen öffnet, weil es keine definierte Lichtintensität gibt, die zwangsweise zum Aufwachen führen müsste. Das funktioniert jeden Morgen.

          Wie ausgeschlafen man aufwacht, hängt natürlich stärker vom Schlaf selbst ab. Philips kann mit dem Wake-up-Light zwar nicht aktiv dabei helfen, dass der Nutzer früh ins Bett geht und ordentlich schläft. Aber die Sleep-Mapper-App soll dem Nutzer wenigstens berichten, was in der Nacht nicht optimal gelaufen ist. Dafür nutzt sie die Daten eines Sensors, der über ein kurzes Kabel mit dem Lichtwecker verbunden ist. Dieser zeichnet vier Parameter auf: Temperatur, Feuchtigkeit, Licht und Lärm. Jeder Parameter wird als Kurve mit Angabe der Uhrzeit dargestellt. Philips zeigt Bereiche an, die optimal für den Schlaf gewesen wären; ferner, ob es in der Nacht zu laut, warm, hell oder feucht war. Die Lautstärke wird im Übrigen nur über den Schalldruckpegel gemessen, Philips hat kein Mikro verbaut. Obwohl das Tracking am Gerät oder in der App gezielt am Abend gestartet und am Morgen gestoppt wurde, zeichnete der Sensor auch tagsüber auf.

          Eine Nacht gleicht der anderen

          In den ersten Tagen ist es ganz spannend, nach dem Aufstehen nachzuschauen, was nachts im Schlafzimmer los war. Einfache Maßnahmen wie Fenster kippen, um das Zimmer mehr zu kühlen und die Feuchtigkeit entweichen zu lassen, können dann ergriffen werden. Lärm lässt sich schon schwieriger verhindern. Irgendwann lässt die Lust nach, auf die Daten der Sleep-Mapper-App zu schauen. Schließlich gleicht häufig eine Nacht der anderen.

          Um die Daten aufzeichnen zu können, muss das W-Lan am Lichtwecker eingeschaltet sein, weil diese Daten direkt auf das zuvor eingerichtete Konto des Philips-Servers geschickt werden. Die App auf dem Smartphone holt sie sich von dort. Philips erlaubt es übrigens nicht, dass man außerhalb des heimischen Netzwerks auf die aktuellen Daten zugreift.

          Mit dem Wake-up-Light kann man sich nicht nur wecken lassen und die Schlafumgebung tracken, sondern sich auch beim Einschlafen helfen lassen. Wegen dieser Funktion haben wir das Wake-up-Light HF 3503/01 für Kids getestet. Es ist eine Light-Version des Lichtweckers mit beiliegenden Aufklebern für die individuelle Gestaltung. Wichtiger als der simulierte Sonnenaufgang, dem der rötliche Verlauf fehlt, ist die Einschlaffunktion für die Kinder. Das Licht wird wahlweise nach 10, 20 oder 30 Minuten langsam dunkler.

          Das erspart in unserem Fall die oft lange Diskussion, ob die Lampe im Flur oder in der Küche eingeschaltet bleiben soll oder nicht. Bis dem Wake-up-Light die Lichter ausgegangen sind und die vom Kind gefürchtete Dunkelheit eintritt, ist es längst eingeschlafen.

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