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Lenovo Thinkpad Tablet : Stiften gehen und Hände weglassen

Spiegeldisplay mit Fingerabdrücken: Der Lenovo Thinkpad Tablet will ständig geputzt werden Bild: Hans-Heinrich Pardey

Ein Androide mit Handschrifterkennung: Lenovo zeigt sein Thinkpad Tablet. Gehobene Ansprüche erfüllt es nicht, am Display hat der Hersteller gespart.

          Zufrieden ist mit der Lage auf dem Tablet-Markt wohl nur einer, nämlich Apple. Das iPad dominiert den Markt in einem geradezu beunruhigenden Maße. Es ist ein Objekt der Begierde und steht in den Wochen vor Weihnachten ganz oben auf den Wunschzetteln der jüngeren Generation. Die Mitbewerber bekommen einfach keinen Fuß auf den Boden. Während das Android-Betriebssystem bei den Smartphones die Führungsrolle übernommen hat, sind die Tablets mit der Google-Oberfläche ein Flop.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zwar orientieren sich die Androiden geradezu sklavisch am Vorbild aus Cupertino, sie übernehmen die Bauform, den Zweikernprozessor und die Bedienung mit leichten Fingerbewegungen auf einem berührungsempfindlichen Display. Aber es fehlt an Tablet-Apps, das ist die Crux. Nur einige hundert Programme sind bislang an die höhere Bildschirmauflösung der Android-Tablets angepasst, und die Smartphone-Apps laufen lediglich hochskaliert, was unschön aussieht. Jedoch: Wer einen Tablet allein für das Surfen im Internet und die Bearbeitung der E-Mail einsetzt, kann mit einem Androiden durchaus glücklich werden.

          Flotter Prozessor, zwei Kameras

          Der chinesische Hersteller Lenovo will nun neue Akzente setzen und ergänzt seinen Idea Pad K1, der sich an Privatkunden richtet, um ein Business-Modell, das Thinkpad Tablet für den geschäftlichen Einsatz. Dieser Flachcomputer folgt bei der Hardware den typischen Standards: 25,6 Zentimeter Bildschirmdiagonale bei einer Auflösung von 1280 × 800 Pixel und ein flotter Zweikernprozessor Nvidia Tegra mit 1 Gigahertz sind an Bord. Wireless-Lan, GPS und Bluetooth gehören zur Serienausstattung, und ein UMTS-Modul ist ebenfalls eingebaut.

          Die beiden Kameras für Videotelefonie lösen mit 2 und 5 Megapixel auf, und der Speicherplatz beträgt wahlweise 32 oder 64 Gigabyte. Das feine Extra ist die Vielzahl der Optionen bei der Peripherie: nicht nur, dass sich SD-Karten in Normalgröße einsetzen lassen. Es gibt auch einen Micro-HDMI-Anschluss, einen Docking-Port, eine USB- und eine Micro-USB-Schnittstelle, wobei sich Letztere sogar zum Laden des fest installierten Akkus nutzen lässt.

          Der rote Punkt von Lenovo steht für Qualität. Aber nicht bei diesem Gerät. Die Handschrifterkennung ist nur ein Notbehelf

          Das Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen Android-Tablets ist die bei Bedarf einsetzbare Stifteingabe. Der mitgelieferte kleine Griffel lässt sich bequem im Gerät verstauen und arbeitet im Zusammenspiel mit einer Handschrifterkennung. Dazu später mehr. Der erste Eindruck beim Auspacken: Das Lenovo sieht schick aus, erreicht aber hinsichtlich Verarbeitungsqualität und Anmutung nicht das Niveau der Konkurrenz. Das Thinkpad wirkt überhaupt nicht wie ein Business-Gerät, und zu diesem unbefriedigenden Bild trägt an erster Stelle die glänzende und spiegelnde Glasabdeckung bei, die Fingerfett geradezu magisch anzieht. Andere Hersteller versehen ihr Glas mit fettabweisenden Beschichtungen, daran wurde hier wohl gespart. Dankenswerterweise ist wenigstens die Rückseite in einem matten Plastik gehalten.

          Der zweite Minuspunkt: Mit einem Gewicht von 750 Gramm ist das Thinkpad Tablet noch schwerer als das Motorola Xoom, und vom wunderbar leichten iPad 2 (600 Gramm) wollen wir gar nicht reden. Einen Tablet-PC hält man in der Hand, oft stundenlang, und das macht hier keinen Spaß. Auch das klobige Format (26 × 18 × 1,3 Zentimeter) gibt Abzüge bei der Wertung. Im Unterschied zu anderen Androiden ergänzen vier reale Tasten an der rechten Seite die permanent eingeblendeten Softkeys auf dem Bildschirm. Ein Gewinn sind sie freilich nicht.

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