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Lenovo Ideapad Duet : Glanzleistung für die Google-Fans

Gutes Verhältnis von Preis und Leistung: Lenovo Chromebook Bild: Hersteller

Lenovo setzt aufs Chromebook. Das neue Ideapad Duet ist ein Rivale für manche Notebooks und fast alle Android-Tablets. Google ist allerdings stets an Bord.

          3 Min.

          Lieber ein Chromebook statt ein Notebook? Die meisten Menschen wissen mit dem Begriff Chromebook nichts anzufangen. Dahinter steckt die Idee, das Google-Betriebssystem Chrome OS mit den Google-Diensten, dem Google-Konto und der Google Cloud zu verbinden. Die geballte Packung Google landet in der Hardware eines Notebooks oder Tablets, das sich auf den ersten Blick kaum von herkömmlichen Geräten unterscheidet. Ohne Google geht es also nicht, das muss man wissen, und das wird nicht jeder mögen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Indes sind Chromebooks zu kleinen Preisen erhältlich, weil das Betriebssystem genügsam mit vorhandenen Ressourcen umgeht und alle Daten ohnehin in der Cloud landen. Die meisten Programme laufen als Web-Anwendung im Browser, es muss keine Software installiert werden. Updates erfolgen automatisch, und das Anlegen von Sicherheitskopien entfällt, weil eben alles in den Google-Wolken schwebt. Man muss Google vertrauen, sie haben die totale Kontrolle über jedes einzelne Chromebook.

          Seit einigen Jahren laufen sogar Android-Apps auf den Chromebooks, aber sie sind weit davon entfernt, alle nur denkbaren Anwendungsszenarien abzudecken, und viel Freude kommt bei der Skalierung der Apps auf einen großen Monitor nicht auf. Zu den Vorteilen wiederum gehören die kurze Hochfahrzeit des Chromebooks von meist nur zehn Sekunden und die lange Akkulaufzeit von zehn Stunden und mehr.

          Das spiegelnde Display erreicht eine Auflösung von 1920 × 1200 Pixel. Bilderstrecke

          Am Chromebook meldet man sich mit seinem Google-Konto an und findet gleich die komplette Arbeitsumgebung inklusive der Google-Textverarbeitung Docs und der Tabellen vor. Jenseits der im Google-Konto angelegten Dateien in Google Drive gibt es auf dem Gerät selbst kein zusätzliches Dateisystem, wenngleich man auf externe Speichermedien und Daten in anderen Cloud-Diensten durchaus zugreifen kann. Das alles hört sich nachteilig an, hat aber den Vorteil, dass das komplette Google-Ökosystem mit der Anmeldung sofort vorhanden ist und man den Rechner nach dem Abmelden problemlos an jemand anderen weitergeben kann.

          Chromebooks sind zwar nicht die Zukunft, wohl aber eine interessante Nische. Derzeit tummeln sich in ihr einige Dutzend Geräte. Leider sind die Referenzgeräte von Google, Pixelbook genannt, in Deutschland nicht erhältlich. Doch nun gibt es ein Chromebook, das wir uneingeschränkt empfehlen können und das zudem mit seinem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis alle anderen Produkte in den Schatten stellt: Das Ideapad Duet Chromebook von Lenovo kostet mitsamt Tastatur gerade mal 329 Euro und greift damit auch die Tablet-Androiden frontal an.

          Denn die Maße von 23,4 × 15,4 × 0,73 Zentimeter entsprechen einem typischen Tablet, und wie bei diesen liegt auch hier die Bildschirmdiagonale bei 10,1 Zoll. Das spiegelnde Display erreicht eine Auflösung von 1920 × 1200 Pixel, und das Gewicht des Ideapad Duet liegt bei 450 Gramm. Hier muss man gleich ein wenig aufpassen. Wer den Flachrechner aufstellen will, muss die magnetisch andockende Rückseite mit integriertem Kickstand befestigen. Sie wiegt rund 240 Gramm, und dazu kommt, wenn man mit dem Kleingerät schnell schreiben will, die Tastatur mit weiteren 270 Gramm. So gesehen landet also in Vollausstattung fast ein Kilogramm im Reisegepäck, da sind andere Tablets und manche Notebooks leichter.

          Nichtsdestotrotz: Das Ideapad Duet ist gut verarbeitet, das Aluminiumgehäuse wirkt robust, und die Rückseite hat einen markantes blaues Kunststoffband, hinter dem sich die Antennen verbergen. Die Ränder rund um das Display sind noch hinnehmbar. Das Gerät hat einen USB-Typ-C-Anschluss zum Laden und für den Datenaustausch, bringt W-Lan und ein älteres Bluetooth 4.2 mit, hat zwei Lautsprecher eingebaut, aber es gibt keine Mobilfunk-Modellvariante. Die rückseitige Kamera löst mit acht Megapixel auf, die Frontkamera bietet zwei Megapixel. Beide taugen nicht für ernsthafte Fotografie, wohl aber für Videotelefonie. Wer für diese gern ein Headset verwendet, muss einen beiliegenden Adapter bemühen oder sich auf die eingebauten Stereomikrofone verlassen.

          Viele Android-Apps stehen zur Verfügung

          Wer einen Blick auf die technischen Daten wirft, mag gegenüber dem Ideapad Duet gewisse Vorbehalte haben: Vier Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 oder 128 Gigabyte als Datenspeicher steht parat. Der Prozessor ist ein ARM-System der oberen Mittelklasse, das in Smartphones zum Einsatz kommt, der Mediatek Helio P60. Was darf man hier erwarten? Das Gerät ist nicht schnell, aber man kann ordentlich damit arbeiten. Wir staunten, wie viele Android-Apps mittlerweile für Chromebooks zur Verfügung stehen, und installierten unter anderem die Microsoft-Produkte. Mit Onedrive und Word hatten wir Zugriff auf unsere Dokumente. Man kann wie mit einem Android-Tablet der Mittelklasse arbeiten, und im Vergleich hat man hier den Pluspunkt, dass Google Betriebssystem-Updates bis 2028 verspricht. Ungemein praktisch ist der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Nutzern mit der Sicherheit, dass die unterschiedlichen Sphären tatsächlich getrennt bleiben.

          Die mit fünf Pogo-Pins angedockte Tastatur muss mit sehr schmalen Tasten für die Umlaute auskommen und ist ein Kompromiss. Immerhin gibt es am unteren Rand noch ein Touchpad, wie es neuerdings auch das Magic Keyboard für das iPad Pro mitbringt.

          Insgesamt macht das Gerät viel Spaß. Es ist ein Rivale zu den meisten günstigen Android-Tablets, aber kein Gegner eines deutlich schnelleren iPad, das zudem mit besserer und hochwertigerer Software für Kreative glänzen kann. Das liegt am begrenzten Ökosystem der Chromebooks, indes hat Lenovo als Hersteller der Hardware alles richtig gemacht.

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