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Lautsprecher Echo im Test : Wer ist schlauer: Amazon oder Google?

Home ist der materialisierte Google Assisent

Google hat ein ähnliches Produkt wie Amazon. „Home“ ist ebenfalls ein Lautsprecher, der Sprache versteht, Antworten gibt und Kommandos befolgt. Doch das Konzept unterscheidet sich von Echo. Obwohl das Produkt momentan nur Englisch spricht, lässt sich seine Funktionsweise auch für das Deutsche gut erklären. Home ist nichts anderes als Googles „Assistent“ im Gewand eines Lautsprechers mit Mikrofonen. Google hatte diese Software mit der App „Allo“ eingeführt, sie ist zudem im hauseigenen Smartphone Pixel integriert. Der Assistent hört auf „Okay., Google“ und beantwortet Fragen.

Der funktionelle Kern des Assistenten ist seine Lernfähigkeit aufgrund seiner künstlichen Intelligenz. Dafür braucht Google eine große, auswertbare, empirische Datenbasis. Und die hat es. Google analysiert so ziemlich alles, was ein Nutzer hinterlässt: Mails, Suchmaschinenabfragen, Google-Now-Daten, Kalendereinträge und Nachrichten. Da der Home-Nutzer mit seinem Google-Konto angemeldet ist, schneidet der Assistent seine Erkenntnisse auf den Nutzer zu. Dies geschieht geräteübergreifend. Die Dialoge, die auf dem Smartphone stattfinden, fließen ebenso ein wie jene mit dem Lautsprecher Home. Lernt der Assistent auf dem Pixel, ist er auch auf Home schlauer. Der Assistent ist die Plattform, die Geräte sind seine materielle Umgebung.

Google Home kommt erst im Jahr 2017 nach Deutschland

Die große Stärke von Google im Vergleich zu Amazon ist die Erfolgsrate bei der Spracherkennung. Nach Aussagen des Unternehmens liegt diese bei 92 Prozent, was der tägliche Einsatz des Assistenten dem Gefühl nach bestätigt. Die Erfolgsrate bei den Antworten von Home ist niedriger als beim Smartphone. Home hält Antworten zurück. Weil der Lautsprecher nur sprechen kann, fällt zum Beispiel die Antwort „Das habe ich im Internet gefunden“ aus. Auch Fotos kann Home natürlich nicht zeigen.

Googles Lautsprecher kann ebenso als sprachliche Smarthome-Steuerung eingesetzt werden. So ist Philips Hue ebenso an Bord wie auch Geräte des Unternehmens Nest, das mittlerweile Google gehört. Neben dem Einsatz als Jukebox mit der Einbindung von Spotify oder Google Music verzahnt Google seinen Lautsprecher natürlich mit seinen eigenen Diensten wie Kalender, Übersetzung oder Flugsuche. Und es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis Home das Kinoprogramm des Abends vorspricht und im Saal der Wahl Karten bucht. Das Gleiche gilt für den Besuch im Restaurant. Wann das nächste Spiel des FC Bayern München ist, wird Home ebenso wissen wie die Tabelle der Fußball-Bundesliga.

All das kann Echo nicht. Und intelligent ist Alexa noch lange nicht. Das Produkt wird mit der Anzahl der Skills jedoch besser werden. In Amerika, wo Echo schon seit zwei Jahren verkauft wird, hat ihre Zahl die 3000 überschritten. In Deutschland gibt es gerade mal ein Prozent davon. Amazon hat auch für deutsche Entwickler das „Alexa Skills Kit“ bereitgestellt und hofft darauf, dass diese dadurch schnell mehr werden. Doch Google Home dürfte auf lange Sicht überlegen sein. Das Unternehmen hat jahrelange Erfahrung und einen zu großen Vorsprung, was die Spracherkennung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz betrifft. Zudem kann kein anderes Unternehmen so viele Daten sammeln wie Google, weil allein die Zahl der Androidnutzer stetig zunimmt.

Wenn der Computer sich selbständig macht: Szene aus Stanley Kubricks „2001 - Odyssee im Weltraum“

Damit wächst natürlich auch die Angst der Kritiker, die in dem Unternehmen eine Datenkrake und in den Lautsprechern wie Home oder Echo den Spion im Wohnzimmer sehen. Wie es ausgehen kann, wenn der Computer überall zuhört und sehr intelligent ist, zeigt Stanley Kubricks Film „2001 - Odyssee im Weltraum“ sehr anschaulich. Doch keine Angst, von HAL sind Echo und Home noch Lichtjahre entfernt.

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