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Lautsprecher Echo im Test : Wer ist schlauer: Amazon oder Google?

Echo hat sieben Mikrofone unter dem Deckel.

Der Smarthome-Einsatz ist der eigentliche Clou. Um dem Licht Befehle geben zu können, hat Hue in der Wohnung Einzug erhalten. Das ist ein vernetztes Lampensystem von Philips, indem die farblich vielseitig einstellbaren Leuchtmittel über das heimische Netz gesteuert werden. Alexa und die Basis der Hue-Birnen reden nicht automatisch miteinander. Vorher muss auf Echo über die Alexa-App der entsprechende „Skill“ Hue aktiviert werden. Erst dann versteht Alexa Befehle wie „Licht aus im Wohnzimmer“ oder „Dimme Licht im Flur um 50 Prozent“.

Alexa kann sagen, wie das Wetter heute oder morgen wird, wenn man danach fragt. Wie alt Manuel Neuer ist, weiß sie auch. Wann der FC Bayern München und andere Bundesligamannschaften wieder spielen, ist ihr unbekannt. Nur das nächste Spiel von Borussia Dortmund kennt sie. Dass die Hauptstadt von Honduras Tegucigalpa ist, sagt sie sofort. Über Steve Jobs erfährt man lediglich, dass er ein „amerikanischer Unternehmer“ war, mehr nicht. Was 3840 mal 2160 ist, bekommt sie heraus, was die Auflösung von 4K ist, weiß sie nicht. Alexa kann den Timer ebenso wie den Wecker auf Zuruf stellen. Ein Eintrag im Kalender von Google ist auch schnell gemacht.

Käpt'n Kalle ist nicht Captain Kalle

Doch Alexa kann sehr vieles nicht. Die Sätze „Das weiß ich nicht“ oder „Ich habe die Frage nicht verstanden“ kommen zu häufig vor. Besonders ärgerlich ist der Fall „Käpt’n Kalle“. Das Hörbuch wurde zunächst bei Audible, einem Portal für Hörbücher, gekauft. Alexa sollte es wiedergeben, kann aber „Käpt’n Kalle“ angeblich nicht finden, obwohl Mann, Frau und Kind Dutzende Male nacheinander auf sie einreden. Alexa irrt. In der App ist Käpt’n Kalle gelistet und kann von dort aus abgespielt werden.

Was geht da schief? Bei allen Spracherkennungssystemen wird gesprochene Sprache zunächst transkribiert. Alexa versucht den Lautfolgen eine Bedeutung zuzuweisen. Dabei arbeitet das System unter anderem mit Wahrscheinlichkeiten. Ist das erste Wort ein Wie, Wer, Wo oder Was, folgt mit ziemlicher Sicherheit eine Frage. Diese muss nicht ausformuliert sein. Die Frage „Was Jaguar?“ führt zum gleichen Ergebnis wie „Was ist ein Jaguar?“. Um zu erfahren, wie das Wetter an diesem Tag wird, reichen sogar die Schlagworte „Wetter heute“. In all diesen Fällen gleicht Alexa die Frage oder Anweisung mit einer lexikalischen Datenbank ab. Im Fall des Jaguars wird Wikipedia zitiert, beim Wetter eine meteorologische Datenbank angezapft. Und so lässt sich das Problem mit Käpt’n Kalle erklären. Wenn man in die Alexa-App schaut, finden sich dort alle Fragen und Befehle, die man zuletzt gestellt hat. Dort steht, der Nutzer habe nach „Captain Kalle“ gefragt. Eine Wortkombination, die für Alexa Sinn hat, aber nicht gemeint war. Also gleicht sie mit Audible ab und stellt fest, dass das Hörbuch nicht vorhanden ist, was, ihrer Logik folgend, sogar richtig ist.

Der kleine Bruder von Alexa, seine Name ist Dot. Er kann das gleiche, nur spielt er nicht so wohlklingend Musik ab.

Alexa ist nicht so schlau, dass man sie - etwa in Form eines Dialogs - korrigieren könnte. Weder lässt sich die Güte der Spracherkennung wie bei einem Sprachprogramm von Nuance und anderen Anbietern trainieren, noch personalisiert Amazon die Kommunikation mit dem Nutzer. Wie Lautfolgen transkribiert werden und welche Bedeutung zugewiesen wird, entscheidet die Masse ebenso wie die Antwort auf bestimmte Fragen. Erst wenn sehr viele Nutzer mit Antworten nicht zufrieden sind, lernt Alexa und ändert das statistische Modell.

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