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Kopfhörer im Test : Ein weiter Weg zum Gipfel

Montblanc MB01 und Rosson Audio Design RAD-0 Bild: Hersteller

Aus dem Nichts einen kabellosen Kopfhörer mit Noise-Cancelling bauen? Das geht. Mit viel Geld und Expertise. Montblanc hat sich einen Fachmann aus Kalifornien an Bord geholt. Ist das Experiment gelungen?

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          Kabellose Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung liegen im Trend. Sowohl die ohrumschließende Variante als auch die In-Ear-Stöpsel verkaufen sich momentan prächtig. Fast monatlich landen Pressemitteilungen im Postfach und neue Produkte im Regal, weil ein Unternehmen nach dem anderen seinen Kopfhörer vorstellt. Als Montblanc einen „kabellosen Over-Ear-Kopfhörer für stilvolles Reisen mit perfektem Klang“ für knapp 600 Euro ankündigte, hielten wir inne. Montblanc? Der Hersteller von Schreib- und Lederwaren produziert jetzt auch Kopfhörer? Montblanc verlangt zudem 600 Euro für ein Produkt, das die Konkurrenz von Sony, Sennheiser, Bose, Beats, Denon oder Technics für durchschnittlich 400 Euro anbietet. Was macht den Kopfhörer besonders?

          Die Spurensuche führt von Hamburg, wo das Projekt in Montblancs Zentrale angestoßen wurde, nach Los Angeles in die Kopfhörer-Manufaktur von Alex Rosson. Dessen Dienste hat sich Montblanc für den MB 01 gesichert. Und schon wieder passt etwas nicht ins Bild. Alex Rosson? Der Kalifornier hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das amerikanische Unternehmen Audeze mit magnetostatischen Kopfhörern vor ein paar Jahren die Bestenlisten in den HiFi-Magazinen stürmte und unter Kopfhörerkennern noch immer ein großer Name ist.

          Solche Kopfhörer sind eher das Gegenteil von einem MB 01. Sie sind riesig, schwer, offen, kommen mit langem Kabel und ohne Digitalprozessor, brauchen einen guten Verstärker und gehören nach Hause, wo der Nutzer entspannt auf Sofa oder Sessel sitzt, um genussvoll seinen Alben zu lauschen.

          Montblanc setzt neben goldfarbenen Bügeln auf silberfarben und ... Bilderstrecke

          Rosson baut letztlich noch die gleichen Kopfhörer wie bei Audeze, nur jetzt unter der eigenen Marke Rosson Audio Design (RAD). Sie sind noch etwas besser, schicker und teurer geworden. Momentan gibt es nur eine Serie: den RAD-0 für 3300 Euro. Rosson bezeichnet jedes Exemplar als Unikat, weil jeder Kopfhörer in Los Angeles von seinen Händen oder von denen der drei anderen Mitarbeiter gefertigt wird. Er kann daher auf die Wünsche der Kunden individuell eingehen. Rosson bearbeitet gerade den Auftrag eines Kunden, „der die Asche seines Vaters in das Gehäuse einbringen will. Etwas morbider als sonst, aber mal etwas ganz anderes, und unser Kunde wird am Ende glücklich sein“, sagt er. Auch den Klang kann er in Grenzen individuell an den Geschmack anpassen. Ein Serienmodell des RAD-0 sei „unglaublich schnell, detailliert und neutral“. Aber es sei möglich, sagt Rosson, „einige Frequenzbereiche subtil anzuheben oder zu senken“.

          Eine kleine Korrektur wünschten wir uns auch, würden wir Kunde werden. Der Testkopfhörer zeigt zunächst alles, was einen Magnetostat auszeichnet. Sobald er auf den Ohren sitzt, packt einen der RAD-0 und prescht los. Die riesigen Membranen machen sofort Druck, werfen alles nach vorn, der Bass ist unschlagbar knackig, kennt keine Grenzen in der Tiefe. Dennoch hört man alles detailliert, was der Toningenieur auf die Spuren gepackt hat. Er schaufelt dabei eine ordentliche Bühne frei. Der RAD-0 ist nichts für sanfte Gemüter. Rock, Pop und Techno sind seine Genres. Dabei drückt dieser RAD-0 gelegentlich den Gesang ein wenig in den Hintergrund, so dass wir uns wünschen: Alex, heb an diesem Exemplar ein kleines bisschen die Mitten an!

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