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XF10 von Fujifilm ausprobiert : Keine Wachablösung

Fujifilm XF10 Bild: Hans-Heinrich Pardey

Die XF10 von Fujifilm ist eine konventionell zu bedienende, schlichte Rundum-Sorglos-Kamera. Sie kostet etwa 480 Euro. Doch nicht nur eine Funktion vermissen wir wirklich.

          Wer sich über die XF10, eine Kompaktkamera von Fujifilm, zu informieren versucht, stößt, weil das Internet in seiner Sturheit auch grobe Missverständnisse nicht so schnell vergisst, auf die Behauptung, sie sei das verspätete Nachfolgemodell der X70 von Fuji. Verspätet insofern, als die X70 schon rund ein Jahr lang nicht mehr neu zu bekommen war, als die XF10 auf den Markt kam. Aber abgesehen davon, dass beide Kameras für die Sensorgröße des APS-C-Formats (23,5 × 15,7 Millimeter) sehr kleine und leichte Modelle (XF10: 280 Gramm betriebsbereit) mit einer festen Brennweite von 18,5 Millimeter sind, haben sie eher wenig Gemeinsamkeiten. Die 18,5 entsprechen einem 28-mm-Weitwinkel in einer Kleinbildkamera.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die X70 war als Hosentaschenkamera innerhalb der Welt der X-Systeme von Fuji für alle konzipiert worden, denen auch eine X100 als Zweit- und Immer-dabei-Kamera noch entschieden zu groß war. Dementsprechend hatte die X70 zwar keinen eingebauten elektronischen Sucher, wohl aber einen aufsteckbaren optischen, und sie fügte sich durch ihre sozusagen klassische Bedienungsoberfläche mit Zeitenrad und Blendenring nahtlos hinter ihren größeren Geschwistern der spiegellosen Systemkameras von Fuji ein. Gerade diese grundsätzlichen Gemeinsamkeiten und dazu gleich auch noch der Blitzschuh und das Kippdisplay sind bei der XF10 gestrichen worden. Übrig blieb eine vergleichsweise konventionell zu bedienende, schlichte Rundum-Sorglos-Kamera, deren Activa vor allem anderen der 24-Megapixel-Sensor und der gute Siebenlinser (in fünf Gruppen mit zwei Asphären gebaut, Anfangslichtstärke 1:2,8) sind.

          In dezentem Schwarz oder in dem zu ihrem Charakter noch besser passenden Goldmetallic mit braunen ledernarbigen Applikationen kostet die XF10 etwa 480 Euro. Für den gleichen Preis bieten andere in vergleichbarem Gehäuseformat ein Safari-taugliches Riesenzoom, allerdings für einen wesentlich kleineren Sensor. In der kleinen Fuji kann man lediglich einen „digitalen Telekonverter“ zuschalten, der den Bildwinkel einem 35- oder einem 50-mm-Kleinbildobjektiv entsprechend verengt. Weil aber der Sensor groß genug ist und die Abbildungsleistung des Objektivs mithalten kann, lässt sich mit diesem „Herausvergrößern“ durchaus arbeiten. Das gleich von der Kamera besorgen zu lassen ist eher eine Frage der Bequemlichkeit. Wenn man es selbst später daheim am Rechner unter Verwendung von Rohdaten erledigt, lässt sich der manchmal als gravierend betrachtete Nachteil, nur eine reale Brennweite zur Verfügung zu haben, leicht verschmerzen. Dass die Beschränkung auf eine Festbrennweite der Kreativität ganz im Gegenteil aber eher förderlich als abträglich sein kann, muss man vielleicht erlebt haben, um es zu glauben. Die Bildqualität ist gut bis sehr gut.

          Wirklich vermissen kann man eine Verstellmöglichkeit des Dreizoll-Monitors, der selbstverständlich berührungsempfindlich ist, wenn man das will. Und noch mehr fehlte im grellen Winterlicht ein Sucher. Dass der fest in der Front verbaute Miniblitz nicht viel zustande bringt, versteht sich. Im Übrigen aber ist die XF10 üppiger ausgestattet, als man vermuten möchte. Dass manches, was als besondere Neuheit wie etwa der Square- oder der Schnappschuss-Modus annonciert wird, einen nicht gerade umhaut, liegt einfach daran, dass etwa mit festen Voreinstellungen bei Weitwinkelobjektiven schon in der guten Analogfotografie gearbeitet wurde. Derlei vermag nicht völlig zu kaschieren, dass der Hybridautofokus (Phasendetektion auf dem Sensor plus Kontrastmessung) nicht zu den schnellsten seiner Art zählt, wenn das Objektiv zu pumpen anfängt.

          Doch ist weder an den Globaleinstellungen der bei Fuji so genannten Filmsimulationen noch an Motivprogrammen und Filtern gespart worden und auch nicht bei den Videofunktionen und Verbindungsmöglichkeiten. Die 4K-Videos (bis zu 30 Minuten mit 3840 × 2160 Bildpunkten) ruckeln zwar mit 15 Bildern je Sekunde, die Verbindung zum Smartphone mit Bildübertragung und Fernsteuerung aber klappte anstandslos. Dass die XF10 im Vergleich zur X70 die modernere Kamera ist, keine Frage. Aber sie wird die Fujifilm X70 gewiss nicht ablösen.

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