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iPhone 3GS im Test : Der vorsichtige Fortschritt

Die Nutzer mussten auf diese Trivialfunktion lange warten: Copy&Paste Bild: Hersteller

Mit dem iPhone 3GS verzichtet Apple auf spektakuläre Neuerungen und setzt auf Verbesserungen im Detail. Der qualitative Vorsprung auf vermeintliche iPhone-Killer ist dadurch noch gewachsen. Apples neues „Jesusphone“ im Test.

          Als das neue iPhone 3GS in der Redaktion eintraf, hatten wir tags zuvor das ebenfalls neue Nokia N97 ausprobiert, das häufig als „iPhone-Killer“ beschrieben wird. Wir hatten das Nokia am Nachmittag in Betrieb genommen, und am Ende eines langen Abends lag vor uns eine zweiseitige Aufstellung mit offenen Fragen, mit ungelösten Problemen, mit Unstimmigkeiten und Mängeln. Vieles funktionierte nach etlichen Stunden noch immer nicht. Und dann das iPhone. Wir aktivierten es über iTunes am Mac, gaben unsere Daten für den Exchange-Server ein, und nach ein paar Minuten waren alle Kontakte, E-Mails und Termine geladen. Im Adressbuch die Sortierung nach dem Nachnamen einstellen: das was schon alles. Kein Stress.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Geht es um den Erfolg und die Magie von Apple, muss man damit anfangen, wie schwach die Mitbewerber geworden sind: funktionsüberladene Geräte, inkonsistent in der Bedienung, in den Details verwirrend und zum Produktionsstart voller Fehler. Apple macht es anders. Das iPhone kann nicht alles, es kann auch manches Sinnvolle nicht, aber was es kann, macht es nahezu perfekt. Das Gerät ist bis in die Verästelungen hinein ein logisches Ganzes, es wächst mit seinen Software-Updates (die auch für ältere Modelle zur Verfügung stehen) organisch und nachhaltig. Kein anderes Handy bietet eine so gute und schnelle Darstellung von Internetseiten und einen so gelungenen Auftritt bei Kalender, Adressverwaltung und E-Mail.

          Neues Funkmodem mit 7,2 statt 3,6 Megabit je Sekunde

          Das neue iPhone 3GS folgt diesen Prinzipien, es ist äußerlich und hinsichtlich der Display-Auflösung vom Vorgänger 3G nicht zu unterscheiden. Es wird nach wie vor mit dem Finger gesteuert, ein hochwertiges kapazitives Display (nun mit einer Beschichtung gegen Fingerabdrücke) erspart einem die Fummelei mit einem Stift. Texteingaben erfolgen mit einer virtuellen Tastatur, die jetzt bei gedrehtem Gerät auch im Querformat zur Verfügung steht. Das iPhone 3GS sei deutlich schneller geworden, heißt es allenthalben mit Verweis auf mehr Arbeitsspeicher und einen Prozessor mit höherer Taktfrequenz. Das ist richtig, aber der Vorgänger war eigentlich nie lahm, und der Gewinn durch ein neues Funkmodem mit maximal 7,2 statt 3,6 Megabit je Sekunde ist zunächst nur ein theoretischer. Man braucht dazu auch das entsprechende Netz. Wir sind mit dem 3G und dem 3GS durch Frankfurt gelaufen, haben gemessen, geprüft und die Zahlen verglichen: Bisweilen ist das 3GS schneller, aber nicht immer, manchmal ist es sogar langsamer. Im Praxiseinsatz erzielten wir ein Tempo von bis zu 2 Megabit in der Sekunde, ein guter Wert auf DSL-Niveau.

          Telefonieren kann man übrigens auch mit dem iPhone

          Auf dem Land indes, außerhalb der UMTS-Funkversorgung, ändert sich nichts am Datendurchsatz. Aber das zusätzliche „S“ für Speed bezieht sich nicht allein auf das Datentempo, denn im Vergleich von alt und neu ist die gesamte Vorstellung des iPhone 3GS besser. Programme starten eine Millisekunde schneller, und der Wechsel zwischen ihnen erfolgt spontaner. Bei sehr anspruchsvollen Spielen sind die Tempo-Unterschiede am deutlichsten sichtbar: Wo das Alte gegebenenfalls ruckelt, läuft das Neue flüssig. Zudem bietet der Akku des 3GS mehr Kapazität, er hält nun etwa anderthalb Tage durch, das iPhone 3G musste jeden Abend an die Steckdose.

          Verbesserte Kamera mit drei statt zwei Megapixel

          Die verbesserte Kamera bietet drei statt zwei Megapixel, sehr wenig im Vergleich zur Konkurrenz, die bei ihren Spitzengeräten mit 8 oder gar 12 Megapixel aufwartet. Aber die Qualität der Fotos hat ja nichts mit der Auflösung zu tun, und sie ist beim iPhone gut, zumindest bei Außenaufnahmen. In geschlossenen Räumen kämpft das Maschinchen indes gegen das Farbrauschen und andere Probleme. Die Kamera verzichtet übrigens auf Menüs und Optionen, man ist allein auf die Automatik angewiesen. Nur der (ebenfalls neue) Autofokus lässt sich mit einem Fingerdruck auf das Display an der passenden Stelle manuell setzen. Videos sind hinzugekommen, im VGA-Format mit 480 640 Pixel. Die Qualität überzeugt, und man kann Filmchen direkt vom iPhone an Youtube senden, ein schönes Extra für die junge Generation, die indes vergeblich nach einem Upload der Schnappschüsse zu Flickr oder Picasa sucht.

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