https://www.faz.net/-gy9-12tx6

iPhone 3GS im Test : Der vorsichtige Fortschritt

Die neue Software OS 3.0, die es unentgeltlich auch für die beiden älteren Modelle gibt, bringt Hunderte von Detailverbesserungen, darunter auch das oft zitierte Markieren, Ausschneiden und Einsetzen von Text. Am wichtigsten scheint uns die hinzugekommene geräteübergreifende Suchfunktion zu sein. Sie arbeitet deutlich schneller als die Suche bei den Business-Handys von Nokia, sie findet einen Namen auch im zugehörigen Kalendereintrag - oder den Komponisten eines Musikstücks in der Musikbibliothek.

Wie gehabt ein vollwertiger MP3-Spieler

Das mit 16 oder 32 Gigabyte Speicher lieferbare iPhone 3GS ist wie gehabt ein vollwertiger MP3-Spieler mit allen Finessen. Musikstücke lassen sich jetzt mit einer Sprachsteuerung aufrufen, Sprachwahl gibt es ebenso in der Abteilung Telefon. Nur ist die Erkennungsleistung derzeit deutlich geringer als bei anderen Oberklasse-Handys. „Voice Control“ orientiert sich vor allem an den Vornamen, bei den zugehörigen Nachnamen hapert es, bisweilen sind mehrere Anläufe erforderlich. Geradezu genial ist aber die Displaydarstellung während der Bedienung: Hier laufen die möglichen Kommandos durchs Bild und geben dezent einen Anhaltspunkt, was man alles sagen kann. Die Sprachsteuerung arbeitet nicht mit Headsets zusammen, sie kann nur mit längerem Drücken der einen Gerätetaste aktiviert werden. Internettelefonie probierten wir mit Skype aus, allerdings ist man - wegen mangelnder Multitaskingfähigkeiten des Betriebssystems - für ankommende Gespräche nur erreichbar, wenn die Anwendung im Vordergrund läuft.

Ein digitaler Kompass ergänzt jetzt die Ortungsfunktion des GPS-Empfängers, und ein verlorengegangenes iPhone lässt sich mit dem Mobile-Me-Onlinedienst von Apple orten. Seit dem vergangenen Wochenende gibt es zudem die erste Fahrzeugnavigation fürs iPhone. Es ist der Mobile Navigator von Navigon und nicht ein Tom Tom, das seit Jahr und Tag angekündigt wird. Das Programm lässt sich zum Einführungspreis von 75 Euro aus dem Online-Shop laden, und dabei wird eine 1,6 Gigabyte große Datei ins Gerät übertragen. Und damit sind wir gleich bei den Minuspunkten des älteren wie auch des neuen iPhone: So gut und schön alles läuft, ist man doch in einen goldenen Käfig eingeschlossen. Weder gibt es Platz für eine Speicherkarte, mit der man Inhalte flink auf den PC übertragen könnte, noch lassen sich Word-Dateien aus der E-Mail heraus speichern oder bearbeiten, und das Laden von Zusatzprogrammen außerhalb des Apple „App Store“ ist nicht erlaubt, es sei denn, man „hackt“ das Betriebssystem. Eine reale statt der virtuellen Tastatur wird sich der Business-Kunde wünschen und natürlich auch das Sim-Access-Profil für Bluetooth, das die hochwertigen Auto-Freisprechanlagen verwenden. Immerhin ist jetzt die drahtlose Musikübertragung mit dem Profil A2DP möglich.

Exklusiv von T-Mobile mit einem Sim-Lock

Das iPhone 3GS wird in Deutschland exklusiv von T-Mobile mit einem Sim-Lock vertrieben. Waren die zugehörigen Tarifpakete vor zwei Jahren noch fair, sind sie inzwischen mit Minutenpreisen von bis zu 29 Cent zu teuer. Die Idee von T-Mobile, für die Anbindung des Handys als Datenmodem am Notebook ebenso eine Zusatzgebühr zu verlangen wie für die Internettelefonie, ist dreist. Denn im Grunde genommen bezahlt man damit die schon gekauften Datenvolumina noch ein zweites und drittes Mal.

Ohne Vertrag und Sperre kostet das iPhone 3GS im europäischen Ausland zwischen 600 und 800 Euro, bei T-Mobile mit den genannten Einschränkungen zwischen 1 und 250 Euro plus monatliche Gebühren von 25 bis 120 Euro. Attraktiv ist das neue iPhone für jene, die es einfach, schnell und perfekt mögen, die gern ein bisschen mehr Geld für das gelungene Design ausgeben, die nicht basteln wollen, sondern ein Internet-Handy suchen, das sofort und erstklassig funktioniert.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ashton Applewhite

Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.