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iPhone 3G : Das Kulthandy im Test

Schick aber teuer Bild: Auf Surftour mit dem neuen iPhone

Von Freitag an ist das neue iPhone 3G im Handel. Was Steve Jobs beim ersten Mal vergaß, ist diesmal dabei: UMTS und GPS. Wir haben Apples Kulthandy getestet. Ein Telefon mit Charme, Charakter und Ausstrahlung. Aber für das, was es leistet, noch immer ein allzu teurer Spaß.

          5 Min.

          Seit einem Jahr ist Apples erstes Mobiltelefon in Amerika im Handel, und nun steht das iPhone 3G als Nachfolger bereit, in Deutschland abermals exklusiv bei T-Mobile. Blickt man auf die vergangenen Monate zurück, ist das iPhone zwar kein Massenprodukt (1,7 Millionen Geräte wurden im ersten Quartal in aller Welt verkauft), wohl aber ein Handy, das in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt und die Mobilfunkwelt verändert hat. Der Zugriff aufs Internet ist mit ihm schnell und einfach wie nie, und wer das iPhone besitzt, nutzt diese Möglichkeit häufig und intensiv. Das Geheimnis dieses Erfolgs ist zum einen das große Display und zum anderen die intuitive Bedienung mit den Fingern. Ein technisches Kleingerät mit Gesten steuern: die Idee kopieren nun viele andere Hersteller, das hat sich durchgesetzt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das iPhone begeistert mit seiner durchgängig konsistenten und klaren Bedienung. Es bleiben nur selten Fragen offen, es gibt kein Menüwirrwarr wie bei der Konkurrenz. Mit dieser Fokussierung auf das Wesentliche geht jedoch eine drastische Beschränkung der Möglichkeiten und Funktionen einher. Vieles, was bei einem Nokia- oder Motorola-Telefon selbstverständlich ist, gibt es bei Apple nicht. Der Nutzer bleibt in einen goldenen Käfig eingesperrt. Das mögen Technikfreaks kritisieren, die meisten iPhone-Käufer hingegen merken es nicht einmal.

          Auf den ersten Blick kaum vom alten zu unterscheiden

          Das neue iPhone 3G wahrt zunächst die Kontinuität hochwertiger Hardware: Auf den ersten Blick ist es kaum vom alten zu unterscheiden. Die Vorderfront mit dem Display besteht durchgängig aus Glas, unten ist die eine Taste eingelassen (es gibt an der Seite noch einen Schalter für den Vibrationsalarm und zwei Tasten für die Lautstärkeeinstellung, mehr aber nicht).

          Das neue iPhone 3G
          Das neue iPhone 3G : Bild: Peter Thomas - F.A.Z.

          Die Rückseite ist beim neuen iPhone nicht mehr aus Aluminium gefertigt, sondern aus Plastik, wobei für das teurere Modell mit 16 Gigabyte Speicher eine weiße Variante erhältlich ist. Nach wie vor lässt sich der Akku vom Käufer nicht wechseln, er hält selbst bei intensiver Nutzung einen Tag. Größe und Gewicht (11,5 x 6,2 x 1,2 Zentimeter, 135 Gramm) entsprechen dem Vorgängermodell, es ist kein Kandidat für die Hosentasche.

          Hermetisch geschlossenes System

          Mit dem iPhone bekommt man mehrere Dinge in einem: einen vollwertigen iPod, der über die iTunes-Software mit Audio und Video bestückt wird. Die Musikabteilung nutzt die eingebauten, nicht mit Speicherkarten erweiterbaren 8 oder 16 Gigabyte. Spektakulär ist die Wiedergabe von Filmen auf dem gedrehten Bildschirm (320 x 480 Pixel). Es werden aber nur die von Apple zugelassenen Audio- und Videoformate unterstützt. Das System ist hermetisch geschlossen. Man kann zwar CDs in die iTunes-Software importieren, aber keine Filme von DVD. Gängige Internetformate wie DivX oder MPEG 1 und 2 lassen sich nicht abspielen, Flash, Realvideo und Windows-Media bleiben ebenfalls außen vor. Inhalte lassen sich weder mit Bluetooth noch mit einem USB-Kabel, sondern nur via iTunes auf das Gerät bringen.

          Für unterwegs gibt es eine abgespeckte Version, um nach aktuellen Titeln zu fahnden, sie probezuhören und zu kaufen. Das Aktualisieren von Podcasts oder im Internet angebotenen Fernsehsendungen via Wireless-Lan oder Mobilfunk ist nicht vorgesehen. Kurzum: Von den drahtlosen Datenverbindungen profitiert die Musik- und Videoabteilung kaum. Hier hat sich also nichts geändert, und das gilt ebenfalls für die 2-Megapixel-Kamera, die Fotos, aber keine Videos aufnimmt und keine Bildübertragung mit Bluetooth erlaubt.

          Flinker Prozessor

          Die Mobilfunkabteilung beherrscht nun rasante Datenverbindungen mit UMTS und HSDPA, das wird von allen Experten als wichtiger Vorzug herausgestellt. Berücksichtigt man allerdings, dass schon das alte iPhone dank flinkem Prozessor beim Internet-Surfen unter Edge (bis zu 220 KBit/s) deutlich schneller als die meisten Konkurrenzprodukte ist, relativiert sich das.

          Die Unterschiede sind bemerkbar und messbar (bei uns bis zu 1400 KBit/s), aber sie fallen in der subjektiven Wahrnehmung nicht dramatisch aus. Es kommt eben nicht nur auf das Tempo an, das die Mobilfunknetze vorgeben, sondern auch auf die Verarbeitung der Daten im Endgerät. Hier war und ist das iPhone klasse. Weiterhin sollte man berücksichtigen, dass weder das alte noch das neue Gerät als Modem am Notebook arbeiten, wo sich dann Geschwindigkeitsunterschiede deutlicher zeigen würden.

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