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iPad-Konkurrent Smartpad : Die lahme Ente aus dem Westerwald

Leichter, aber dicker als das iPad: Das Smartpad in der Freilufthaltung Bild: foto-schepers.de

Das Smartpad von 1&1 kann es mit dem iPad nicht im Mindesten aufnehmen. Es ist in erster Linie billig. Durch das schlechte Display und sein behäbiges Arbeitstempo verhaspeln sich Benutzer und Software gleichermaßen. Und zwar ständig.

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          Flachmänner fürs Sofa-Surfen: Nach dem Erfolg des iPad von Apple will plötzlich jeder so ein Ding haben. Die Ankündigungen namhafter Hersteller überschlagen sich geradezu, aber noch sind ernstzunehmende Konkurrenzprodukte Mangelware. Nun prescht der Internetprovider 1&1 vor und präsentiert sein Smartpad, das Neukunden des DSL-16.000-Tarifs gratis zum Vertragsabschluss bekommen. Zu welchen Konditionen alle anderen Interessierten zuschlagen können und dürfen, steht noch nicht fest. Gerüchteweise soll ein Smartpad ohne Vertrag um die 300 Euro kosten. Wir haben eines der ersten Modelle ausprobiert.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit Abmessungen von 20 x 13 x 2,2 Zentimeter und einem Gewicht von 470 Gramm ist es deutlich kleiner und leichter als das iPad, allerdings dicker. Das Display erreicht eine Auflösung von 800 x 480 Pixel und misst 18 Zentimeter in der Diagonale. Das Plastikgehäuse wirkt ordentlich verarbeitet, allein die Taste für die Lautstärkeeinstellung an der Oberseite wackelte. Apples iPad spielt indes in einer ganz anderen Liga. An der Rückseite lässt sich ein Ständer ausklappen, so dass das Smartpad bei Bedarf wie ein Bilderrahmen auf dem Schreibtisch steht. Sein Akku hält leider nur 4 Stunden durch.

          Ein Instrument der Kundenbindung

          Die Systemkonzeption des Smartpad ist schnell beschrieben: Es ist mit dem älteren Android-Betriebssystem 1.6 aus der Handy-Welt ausgerüstet, man kann allerdings mit dem Gerät nicht telefonieren, und eine ganze Reihe von Besonderheiten sind zu beachten: Es gibt keinen direkten Zugriff auf den Android-Market mit seinen etwa 50.000 zusätzlichen Apps, sondern es lassen sich nur von 1&1 ausgesuchte Zusatzprogramme aus einem „1&1 Store“ installieren. Vergeblich sucht man darin Apps für Internettelefonie (etwa Sipdroid oder Fring), Apps für den Zugriff aufs Dateisystem (etwa Astro), kostenpflichtige Apps und vieles andere mehr. Weiterhin fehlen auch manche Programme, die Android 1.6 von Hause aus mitbringt, beispielsweise Google Chat.

          Das Gerät verfügt über einen Standfuß

          Als kleine Entschädigung hat 1&1 dem Smartpad etliche Eigenentwicklungen spendiert. Darunter ein W-Lan-Assistent, Apps für den schnellen Zugriff auf die E-Mail-Konten der Konzerntöchter Web.de und GMX und zudem alles Erdenkliche rund um Multimedia sowie ein E-Book-Leser. Wird eine SD-Speicherkarte in den oberen Laufwerksschacht eingeschoben, fragt das Gerät gleich, ob es darauf befindliche Medien abspielen oder importieren soll. Ferner lässt sich das smarte Pad als Infrarot-Fernbedienung einsetzen, und im Zusammenspiel mit anderen 1&1-Komponenten entfaltet es seine Talente als Steuerungszentrale für Home Net und Media Center. Also ein schöner Zusatznutzen für vorhandene Infrastruktur - und gewiss auch ein Instrument der Kundenbindung. Sodann kann man es mit einem UMTS-Stick auch jenseits des heimischen W-Lan-Netzes unterwegs betreiben, und für 30 Euro Aufpreis ist eine Docking-Station mit Subwoofer für die Musikwiedergabe erhältlich.

          Hoffentlich passiert nichts Ungewolltes

          Mit den Einschränkungen des älteren Android 1.6 kann man durchaus leben, und zudem soll sich das Betriebssystem des Smartpad schon bald auf die aktuelle Android-Version 2.2 aktualisieren lassen. Dass manches Gewohnte nicht läuft, dürfte indes die Android-begeisterten Tüftler abschrecken, aber beim iPad von Apple sind ja die Grenzen noch viel enger gesetzt. Was dem Smartpad aber den Todesstoß versetzt, ist die Kombination aus lahmer Hardware in Verbindung mit einem mangelhaften, unempfindlichen Display: Obwohl die Prozessorleistung (500 Megahertz) prinzipiell ausreichend sein sollte, reagiert der Apparat auf alle Finger-Gesten träge und unpräzise, was der billigen resistiven Displaytechnik geschuldet ist. Schon das Öffnen des Android-Hauptmenüs dauert gut drei Sekunden, und man ist stets am Warten und Aufpassen, dass man im Eifer des Gefechts nicht zu schnell oder unbedacht irgendwelche Aktionen auslöst.

          Reicht beim iPad eine präzise Geste, verhaspeln sich beim Smartpad Benutzer und Software gleichermaßen. Und zwar ständig. Wenn man auf einer Internetseite mit einer sanften Fingerbewegung nach unten rollen will, ruckelt die Anzeige tatsächlich ein bisschen in der Vertikalen - und dann wird plötzlich ein Link aktiviert, obwohl man nichts gedrückt hat. Die Anzeige selbst wird nicht von einer Glasfront, sondern von Plastik geschützt, sie wirkt blass, die Buchstaben sind ausgefressen, und der beste Betrachtungswinkel ist kurioserweise der von oben auf ein schräg nach unten gehaltenes Pad. Wir haben das Smartpad nach wenigen Stunden enttäuscht aus der Hand gelegt. Zwar ist die Idee eines übergroßen Androiden ohne Mobilfunkmodul bestechend. Das könnte eine schöne Surfstation für Menschen sein, die kein Smartphone einsetzen wollen. Aber dieses Produkt überzeugt nicht, wir raten ab.

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