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iPad in Europa : Das Fenster in die Medienzukunft

Zeitung auf dem iPad: „Ein Forschungsprojekt am lebenden Objekt” Bild:

Apples Tablet-Computer iPad avanciert zum Hoffnungsträger der Verlagsbranche und kommt jetzt auch nach Europa. Doch was wir auf der elektronischen Schreibtafel lesen werden, weiß noch niemand so richtig. Das iPad ist bisher ein großes Experiment.

          Er sieht aus wie ein Bilderrahmen, kostet bis zu 800 Euro und ist etwas kleiner als eine DINA-4-Seite: Am Freitag bringt Apple seinen neuen Tablet-Computer iPad in Deutschland und anderen europäischen Ländern in die Läden, ein Zwischending zwischen einem Multimedia-Handy und einem Notebook. Ein erfolgreicher Elektronikkonzern führt ein neuartiges Gerät in den Markt ein, das gibt es öfter – und andererseits auch wieder nicht. Im Erfolgsfall, so hoffen Optimisten, könnte der Flachbildschirm des iPad zugleich zum Fenster in die Medienzukunft werden. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Zeitungshaus Axel Springer („Bild“, „Die Welt“), ging kürzlich vor dem Apple-Chef gar verbal auf die Knie: „Jeder Verleger sollte täglich Gott danken, dass Steve Jobs mit dem iPad die Verlagsindustrie rettet.“

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hysterie oder Zeitenwende? In der Berliner Springer-Zentrale haben sie jedenfalls monatelang getüftelt, um rechtzeitig zum Marktstart des iPad den Apple-Kunden Medieninhalte anbieten zu können, mit denen sie das neue Technikwunder füttern können. Herausgekommen sind Tablet-Versionen traditioneller Zeitungen, eine Applikation der „Welt“, die mehrmals täglich aktualisiert wird, sowie ein neues Hochglanz-Magazin, das Springer eigens für das iPad entworfen und „The Iconist“ getauft hat.

          Das iPad könnte der Kostenlos-Kultur im Netz ein Ende bereiten

          Glaubt man den Beteuerungen aus dem Hause Springer, dann ist „The Iconist“ der Aufbruch in ein neues, interaktives und multimediales Zeitschriften-Erlebnis. „Den Apple-Kunden erwarten 15 Geschichten, Videos und viele andere, spielerische Elemente“, sagt ein Unternehmenssprecher. Das wichtigste für Axel-Springer: iPad-Kunden müssen für „The Iconist“ einen Preis zwischen 3,99 und 5,99 Euro bezahlen, also so viel wie für gedruckte Lifestyle-Magazine am Kiosk.

          Die Erwartungen bei Springer und vielen anderen deutschen und internationalen Verlagen sind groß: Die Medienmanager hoffen darauf, dass ihnen Tablet-Computer eine neue Chance bieten, ihre bröckelnden Geschäftsmodelle an die digitale Medienwelt anzupassen. Bislang offerieren die meisten Zeitungen und Zeitschriften ihre Inhalte den Lesern im Netz kostenlos und versuchen diese allein über Werbung zu finanzieren. Doch die Zweifel wachsen, dass dies jemals gelingt. Das iPad, so die Hoffnung, könnte der Kostenlos-Kultur im Internet ein Ende bereiten und zum digitalen Kassenhäuschen für die Medienbranche werden.

          Aber warum sollen Mediennutzer für Inhalte auf dem iPad Geld bezahlen, wenn die meisten Medien-Websites zumindest vorerst weiter kostenlos bleiben? „Wenn auf dem iPad die gleichen Inhalte nur für ein anderes Gerät angeboten werden, wird das kaum funktionieren“, warnt Adam Bird, der das Medien-Team der Unternehmensberatung McKinsey in Europa leitet. „Aber, wenn die Möglichkeiten des Geräts genutzt werden, um Inhalte anders und spannend zu präsentieren, kann es gelingen.“

          Heute weiß noch niemand, was die Kunden wollen

          Erste Beispiele gibt es: Zwei britische Informatiker haben für das iPad eine interaktive Version des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ gebastelt. Es sorgte international für Aufsehen, weil es mehr ist als ein herkömmliches E-Book, das nur ein gedrucktes Buch nachahmt.

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