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iPad im Praxistest : Faszination oder Fingerakrobatik?

Die Darstellung der einschlägigen WWW-Seiten im eingebauten Safari-Browser so gut und gelungen Bild: Hersteller

Das iPad ist da. Wir haben das Objekt der Begierde im Einsatz. Ist es wirklich eine Revolution in der Computerwelt? Das iPad wird auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte schreiben und gehört bald zur typischen Ausstattung des gehobenen Haushalts.

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          Wird es die Welt verändern, oder bescheidener gefragt: was ändert sich bei seinem stolzen Besitzer? Das iPad ist da, und wir haben seit einigen Tagen das Objekt der Begierde im Einsatz. Ist es eine Revolution im Umgang mit dem Computer oder dem Internet? Ist es ein Paradigma für die nächste Generation besonders einfach zu bedienender PCs, die man mit sanften Fingerbewegungen auf einem berührungsempfindlichen Display steuert? Schon ist die Rede von einer neuen Ära des Berührens, der Intuition und von einem natürlichen Umgang mit der Technik. Das alles verspricht die „Magie“ des iPad -- oder zumindest die überbordende Begeisterung in den Feuilletons.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Vieles davon bleibt Wunschdenken auf dem Hintergrund einer tief sitzenden Technikskepsis und des Nicht-Verstehens der Netzwelt. Wir meinen: Das iPad setzt sich durch, es wird eine Erfolgsgeschichte schreiben und in zwei, drei Jahren gehört eine Art iPad, von welchem Hersteller auch immer, zur typischen Ausstattung des gehobenen Haushalts. Es wird bei den Zeitschriften im Wohnzimmer liegen und gegebenenfalls findet man ein zweites Gerät in der Küche oder im Esszimmer. Man wird zu diesem kleinen Tablett greifen, um flink die aktuellen Nachrichten im Netz sowie die E-Mail zu lesen oder um Youtube-Fernsehen zu gucken. Es wird ein Gadget wie die Fernbedienung des Fernsehgeräts sein und keine 200 Euro kosten.

          Alle weiteren Erwartungen, die mit dem Erscheinen dieses wunderbaren Geräts aufgekommen sind, werden nicht erfüllt. Das Betriebssystem des iPad zeigt nicht die Zukunft des Computers, und die auf einem handlichen Smartphone überaus sinnvolle Finger- und Gestensteuerung ist nicht die Zukunft einer einfacheren PC-Bedienung. Und noch eine bittere Enttäuschung: Das iPad destruiert genau jene Hoffnung, die es den angeschlagenen Verlagen selbst gemacht hatte, dass man nämlich mit ihm kostenpflichtige Nachrichten-Apps an den Leser bringen könnte. Indes ist die Darstellung der einschlägigen WWW-Seiten im eingebauten Safari-Browser so gut und gelungen, dass kein Bedarf für zusätzlichen Apps entsteht. Was auf dem iPhone mit seinem kleinen Bildschirm sinnvoll sein mag, hat hier keine Existenzberechtigung. Es sei denn, es ist ganz anders als eine Internetseite.

          Zwei Lautsprecher und ein Mikrofon sind eingebaut

          Doch zunächst ein Blick auf die Hardware: Wie jedes Apple-Produkt ist das iPad ein Gerät aus einem Guss, das mit seiner hochwertigen Verarbeitungsqualität und wunderbaren Anmutung fasziniert. Mit Maßen von 24 x 19 x 1,4 Zentimeter ist es etwas kleiner als eine DIN-A4-Seite, und seine farbige Multitouch-Anzeige erreicht bei einer Diagonale von fast 25 Zentimeter eine Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixel. Vorn schützt eine Glasabdeckung mit fettabweisender Beschichtung das Display (trotzdem sieht man schnell erste Spuren), die gesamte Rückseite mitsamt einfassendem Rahmen besteht aus Aluminium, das Gerät wiegt 700 Gramm. Wie beim iPhone gibt es nur eine Bedienungstaste, den Home-Button am unteren Rand, ferner eine Wippe für die Einstellung der Lautstärke seitlich. Neu hinzugekommen ist ein Mini-Schalter, mit dem man die automatische Drehung des Display-Inhalts je nach Lage des Geräts ein- und ausschalten kann.

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