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Interview mit StudiVZ-Chef : „Umsatz liegt nicht im Fokus“

  • Aktualisiert am

„Wir arbeiten natürlich an Produkten, um Umsatz zu erzielen”: Markus Berger-de León Bild: StudiVZ

Das soziale Netzwerk StudiVZ setzt trotz Wirtschaftskrise weiter konsequent auf Wachstum. Profitabel wird die Holtzbrinck-Gesellschaft auch in diesem Jahr nicht. Holger Schmidt im Gespräch mit dem StudiVZ-Chef Markus Berger-de León.

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          Das soziale Netzwerk StudiVZ setzt trotz Wirtschaftskrise weiter konsequent auf Wachstum. Profitabel wird die Holtzbrinck-Gesellschaft auch in diesem Jahr nicht.

          Herr Berger-de León, ist Ihr Gesellschafter Holtzbrinck noch glücklich mit seinem Engagement in StudiVZ?

          Der Gesellschafter hätte mich nicht geholt, wenn er nicht an das Unternehmen glauben würde. Der Gesellschafter freut sich sehr über die aktuellen Zahlen, die er sieht. Und er freut sich, dass das Weblog Techcrunch schreibt, dass StudiVZ aufgrund seiner Mitgliederzahl 397 Millionen Dollar wert ist.

          Eine Bewertung auf Nutzerbasis - wie realistisch sie auch immer ist - bringt aber wenig. Wie sieht es mit dem Umsatz aus? Warum ist es so schwer, im Web 2.0 trotz der hohen Popularität Geld zu verdienen?

          Wer sagt denn, dass das schwer ist? Ich widerspreche Ihnen in diesem Punkt. Für StudiVZ liegt Umsatz nur nicht im Fokus. Wenn ich die Wahl habe, ob sich ein Entwickler um ein Produkt kümmert, das mehr Nutzer bringt, oder um eine Funktion, die beim Geldverdienen hilft, dann treffe ich immer die Entscheidung, dass er sich um die Nutzer kümmert. Monetarisierung machen wir mit, ist aber nicht unser primäres Ziel. Wenn Umsatz unser primäres Ziel wäre, könnten wir ganz andere Umsätze erzielen.

          Das bedeutet, dass StudiVZ ist diesem Jahr abermals nicht profitabel ist und dass dies auch gar nicht Ihr Ziel ist?

          Richtig. Für den Entwicklungspfad, den StudiVZ nehmen wird, hat die Erzielung von Umsätzen im Moment nicht oberste Priorität.

          Die Antwort hat man auch schon 2008 und 2007 gehört. Wäre es nicht mal an der Zeit, gerade in der aktuellen Krise, mehr Wert auf Umsatz zu legen? Wann wird Umsatz denn Ihr Fokus sein?

          Wir arbeiten natürlich an Produkten, um Umsatz zu erzielen. Aber wann das sein wird, kann ich jetzt nicht sagen. Das werden wir gemeinsam mit dem Gesellschafter entscheiden. Schauen Sie sich MySpace an. MySpace hat genau den Fehler gemacht, zu früh zu stark auf Monetarisierung zu setzen. Jetzt fällt ihnen diese Strategie auf die Füße.

          Welche Umsatzströme erwarten Sie?

          Eine Kombination aus Werbung und Produkten, die wir gemeinsam mit Partnern verkaufen, zum Beispiel T-Mobile.

          Die Werbung in sozialen Netzwerken hat bisher die Erwartungen aber nicht erfüllt.

          Die klassische Bannerwerbung funktioniert bei uns gut. Wir haben sehr gute Klickraten. Bannerwerbung hat also nicht ausgedient, sondern ist und bleibt eine wichtige Säule.

          Wie stark bedroht Weltmarktführer Facebook Ihr Unternehmen?

          Facebook wächst, aber egal wie schnell Facebook zurzeit wächst - wir wachsen schneller. Ich wundere mich sowieso jeden Tag, wann die Facebook-Nutzer endlich aufwachen in Sachen Datenschutz. Ein deutsches Unternehmen unterliegt viel stärkeren Regeln als ein amerikanisches Unternehmen. Wir werden daher in den nächsten Wochen auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen von SchülerVZ anpassen, um sie an aktuelle gesetzliche Regelungen anzupassen.

          Facebook hat seine Seite umgebaut, um Echtzeitnachrichten wie Twitter abzubilden. StudiVZ hat mit dem Buschfunk eine ähnliche Funktion live geschaltet. Wollen die Nutzer das?

          Der Buschfunk erfreut sich großer Beliebtheit. Bei StudiVZ werden etwa vier Millionen Microblog-Nachrichten am Tag verschickt. In den Spitzenzeiten haben wir mehr Nachrichten als Twitter weltweit. Wir sehen, dass die Kommunikation immer schneller wird. Der Plauderkasten, unser Chat, wächst ebenfalls unbegrenzt. Kommunikation wird sich aber weiterhin im Internet und auch in den VZ-Netzwerken verändern. Google Wave ist hier eine sehr spannende Entwicklung.

          Welche neuen Funktionen sind zu erwarten?

          Wir arbeiten an sehr vielen innovativen Funktionen, unter anderem an einem Musikangebot. Den Partner werde ich aber noch nicht verraten.

          Flacht das Wachstum ab? Wie viele Nutzer haben die drei VZ-Netzwerke jetzt?

          Nein. In allen drei Netzwerken - StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ - zusammen haben wir jetzt 14,3 Millionen angemeldete Mitglieder. Aufgeteilt haben wir 5,2 Millionen Mitglieder bei SchülerVZ, 5,8 Millionen auf StudiVZ, und MeinVZ ist jetzt bei 3,3 Millionen Nutzern angekommen. StudiVZ und MeinVZ sind komplett miteinander verbunden und haben somit zusammen 9,1 Millionen Nutzer.

          Wie aktiv sind die Nutzer wirklich?

          Die Aktivitätsrate beträgt in allen drei Netzwerken 80 Prozent. Das bedeutet: 80 Prozent kommen mindestens einmal im Monat auf die Seite. An einem Tag schauen 45 bis 50 Prozent der Nutzer vorbei. Auf SchülerVZ verbringen die Nutzer im Durchschnitt 37 Minuten je Monat auf der Seite. Auf StudiVZ beträgt diese Zahl 30 Minuten und auf MeinVZ 32 Minuten.

          Wie viel Prozent der Bevölkerung erreicht StudiVZ?

          In der Zielgruppe zwischen 14 und 25 Jahren erreichen wir drei Viertel aller jungen Menschen. Damit sind wir größer als jeder Fernsehsender. RTL erreicht mit „Deutschland sucht den Superstar“ nicht so viele Menschen in der Altersgruppe, wie wir jeden Tag auf dem Portal haben. Wir sind laut Comscore auch in allen anderen Altersgruppen das mit Abstand größte soziale Netzwerk in Deutschland, also auch bei den Nutzern, die älter als 55 Jahre sind.

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