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Internet : Von Schafen und schwäbischen Regenwürmern

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Abgeordnete Kressl schreibt über ihre Vorliebe für Schafe Bild: dpa

Auf einer eigenen Webseite können Bundestagsabgeordnete den Menschen in ihrem Wahlkreis über ihre Arbeit berichten. Trotzdem haben sich manche wieder aus dem Netz verabschiedet, wie Außenminister Fischer.

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          „Ihre Meinung ist mir wichtig!“ schreibt die Bundestagsabgeordnete Nicolette Kressl (SPD) auf ihrer Webseite. Jetzt hat sie positive Resonanz bekommen: Der Informationsdienst politikerscreen.de kürte ihre Internetseite zur besten aller Bundestagsabgeordneten.

          Während früher immer mehr Abgeordnete online gingen, haben sich manche inzwischen schon wieder aus dem Netz verabschiedet. Außenminister Fischer (Grüne) etwa hat keine eigene Webseite mehr, auch Franz Müntefering (SPD) ist nicht persönlich im Internet vertreten.

          Wenige schreiben offen über Diäten

          Zwar haben 569 der 601 Parlamentarier eigene Homepages, die Jury war damit aber nicht immer zufrieden: die Durchschnittsnote aller Seiten im Test lag bei 3,1. Die besten Noten bekamen die 20- bis 29jährigen, ihr Schnitt lag bei 2,8. Die 60- bis 69jährigen erreichten nur eine Durchschnittsnote von 3,3.

          Bei den Seiten der SPD-Abgeordneten fanden sich zwar meistens Informationen zu „Hartz IV“, dafür fehlten Standpunkte zu anderen wichtigen Themen und die Dokumentation der parlamentarischen Arbeit. Ähnliche Minuspunkte gab es für die Abgeordneten der Union. Die Parlamentarier von Bündnis 90/Die Grünen und FDP informierten schlechter über den Wahlkreis und die betreuten Regionen. Und die wenigsten Abgeordneten schreiben offen über Diäten und andere finanzielle Leistungen.

          Die Seite muß einen praktischen Nutzwert haben

          Die Tester achteten auf Vielfalt und Menge der Informationen und auf die Aktualität der Seite. Die Gestaltung sollte übersichtlich sein. Außerdem mußte die Seite auch einen praktischen Nutzwert für den Leser haben.

          Auch auf den Inhalt kam es an: Der Abgeordnete sollte über seine Person, seine politische Arbeit und seinen Wahlkreis informieren. Service-Angebote gehörten dazu, etwa die Adressen der Abgeordnetenbüros oder ein Archiv. Zuletzt kam es darauf an, daß der Abgeordnete auf wichtige Links wie den zum Bundestag hinweist.

          Nicolette Kressl brachte es mit ihrem Internetauftritt auf eine Gesamtnote von 1,1. Platz zwei belegte Birgit Homburger (FDP) vor Ulrich Kelber (SPD) und Claudia Nolte (CDU). Der Seite www.kressl.de attestierte die Jury eine „herausragende Informationsvielfalt, die auch die multimedialen Möglichkeiten des Internets nutzt“.

          Die Regenwürmer Erkan, Fritz und Gabriele

          Unter der Rubrik „Persönliches“ wartet da zwar zuerst die Pflicht - eine Übersicht über Kressls Biographie. Einen Klick weiter aber folgt die Kür: Der Leser landet bei einem Interview. Da versucht Kressl wirklich „persönlich“ zu sein und bekennt sich zur ihrer Leidenschaft, dem Sammeln von Schafsfiguren und -motiven. Ob das wirklich auf eine Politiker-Homepage gehört?

          Auch anderen Homepages mangelt es nicht an Individualität. Rainer Arnold (SPD) erzählt von den schwäbischen Regenwürmern Erkan, Fritz und Gabriele. Und die Besucher der Seite von Veronika Bellmann (CDU) können Paparazzi spielen und per Mausklick in 50 Sekunden möglichst viele Spitzenpolitiker „knipsen“. Auch wenn dabei inhaltlich nicht viel rüberkommt: Das Kind im Wähler freut sich.

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