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Internet-Plattform Sightwalk : Ein Konkurrent für Google Street View?

Auf die Streetview des Brandenburger Tors in Berlin wartet man bei Google noch Bild: Sightwalk

Die Debatte um Google Street View hat „Sightwalk“ erst richtig bekannt gemacht. Auch diese Internetplattform zeigt deutsche Großstädte in der Straßenperspektive. Die Server waren sogar zusammengebrochen, weil der Andrang so groß war.

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          Eigentlich ist es für ein Unternehmen keine gute Werbung, wenn ihr Vorzeigeprojekt offline ist, weil die Server unter den hohen Zugriffszahlen zusammenbrechen. Aber auf die temporäre Unerreichbarkeit der Webseite Sightwalk verweist das Unternehmen Panogate gerne. Denn die Google-Street-View-Alternative wird immer häufiger genutzt. Das Kölner Unternehmen profitiert messbar von der aktuellen Debatte, ob Google für seine Street View Deutschlands Häuser fotografieren darf - oder eben nicht.

          „Wir mussten die Server für eine gewisse Zeit vom Netz nehmen, weil die Seite immer langsamer wurde“, sagt Leon Fuller. Er ist Vertriebsleiter und der Vierte der „drei Kölner Jungs“, die vor eineinhalb Jahren mit Sightwalk online gingen. Vor der „Google-Hysterie-Debatte“ hatte die Webseite etwa eine Million Zugriffe im Monat. Allein in der letzten Woche zählte der Server 2,5 Millionen Page Impressions - also das zehnfache. Doch nicht erst dadurch schreibe man „schwarze Zahlen“.

          Panogate finanziert sein „aufwendigstes Pferd im Stall“ durch Geschäfte, die dafür bezahlen, in Sightwalk ihre Türe öffnen zu können. Bestes Beispiel für diese bewusste Kenntlichmachung sei der „Globetrotter“ in Köln. Klickt der Nutzer auf das entsprechende Symbol in der Richmodstraße, hüpfe er ins Geschäft und könne sich dort in der 360-Grad-Perspektive umschauen. Fuller beschreibt Sightwalk etwas missverständlich als „Second-Life im Realen“, nennt es dann aber treffender einen „Branchenführer“ für Städte, der auch touristische Interessen bedienen könne.

          In diesen Städten können sie schauen
          In diesen Städten können sie schauen : Bild: Sightwalk

          Etwas zur gleichen Zeit wie Google hatte Panogate seine Autos durch Bonn, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln und München geschickt, um „online erlebbare 360-Panorama-Ansichten“ darstellen zu können. Seit eineinhalb Jahren können sich Nutzer - ähnlich wie dann bei Google Street View - durch einige Städte Deutschlands bewegen. Natürlich könne man auch bei ihnen Häuser pixeln zu lassen - wenn man offiziell Widerspruch einlegt.

          Auf Augenhöhe mit den Menschen

          Von reflexartigen David-und-Goliath-Vergleichen wie Kölner Start-Up-Unternehmen gegen amerikanischen Internet-Giganten will Fuller gar nichts hören. Ja, auch sie haben Autos mit Spezial-Kameras bestückt, um Straßenzüge in Städten in 360-Grand-Ansicht zu zeigen. Aber damit höre die Gemeinsamkeit auch schon auf. Schon vor Projektstart habe man sich mit „Datenschützern“ zusammengesetzt, um festzulegen, was zu beachten sei. So hätten sie von Anfang nicht nur Gesichter und Kennzeichen „geblurt“ (unkenntlich gemacht), sondern auch Hausnummern. Zudem befanden sich die Kameras auf einer Höhe von etwa 1,80 Meter, also auf Augenhöhe eines „ausgewachsenen Mannes“. Wer seinen Garten vor fremden Blicken geschützt habe, muss sich auch nicht vor der Perspektive in Sightwalk fürchten. „Zaun bleibt Zaun“, sagt Fuller.

          Und ein weiterer Unterschied zu Google Street View sei, dass sich die Nutzer aktiv auf der Plattform Sightwalk beteiligen können, indem sie etwa Links mit Fotos hinterlegen könnten. Sightwalk werde auch in Zukunft kein Ersatz für Google Street View sein, weil nicht den Anspruch habe, weitere Städte virtuell darzustellen. Das darf dann wiederum Google übernehmen.

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