https://www.faz.net/-gy9-12uhp

Internet in Iran : Zensierte Zwitschermaschinen

Warum hat man seit dem Tag der Wahlen den Internet-Traffic reduziert? Bild: Arbor Networks

Die Zensur-Infrastruktur in Iran ist technisch hochmodern. Skype ist blockiert, Twitter kontrolliert. Dennoch kommen täglich Informationen online aus dem Land. Wie umgehen die Oppositionellen die Sperren der Zensoren?

          3 Min.

          Der Kampf iranischer Oppositioneller gegen Ahmadineschad und seine Regierung wird im Internet mit Vehemenz fortgeführt. Auf den Straßen hat die Regierung den Protest zunächst niedergeschlagen, doch Mails, Tweets und Blogeinträge dringen weiterhin nach draußen, um der Welt zu zeigen, welches Unrecht geschieht. Videos und Bilder zeugen von der brutalen Gewalt des Regimes. Die iranische Regierung versucht mit allen Mitteln, die Wortmeldungen der subversiven Surfer zu drosseln und zu kontrollieren.

          Verantwortlich für die Internet-Infrastruktur ist der Staatsprovider „Data Communications of Iran“. Das Netz liegt fest in den Händen der Regierung. Am 12. Juni, dem Tag der Wahl in Iran, gab es einen mehrstündigen Kollaps des Datenverkehrs. Seither hat sich der Datenverkehr stark verringert. Das britische Unternehmen Arbor-Networks kann anhand einer Analyse belegen, dass nur etwa siebzig Prozent der zuvor verfügbaren Datenmenge zu messen sind, und liefert auch eine Begründung: „Während andere Länder wie etwa Burma im Jahr 2007 das Internet während der Proteste komplett abschalteten, geht Iran entscheidend anders vor.“ Iran habe „viele wirtschaftliche und technische Beziehungen zum Rest der Welt“. Die Regierung kann es sich nicht leisten, offline zu sein.

          „Die Zensur-Infrastruktur in Iran ist technisch hochmodern“

          Deshalb geht man anders gegen die Online-Oppositionellen vor. „Die Zensur-Infrastruktur in Iran ist technisch hochmodern“, sagt Joachim Posegga, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Passau. Die Iraner seien mindestens so weit wie die Chinesen. Es sei denkbar, dass sie nach dem Internet-Blackout „neue Filtersoftware auf die Server gepackt haben“. Eine bestätigende Einschätzung kommt von der „Open Net Initiative“. Iran habe seit dem Jahr 2000 „eines der aufwendigsten technischen Filtersysteme der Welt installiert“. China exerziert, wie mit staatlicher Spionagesoftware der Informationsaustausch im Netz zu kontrollieren ist, auch wenn das Zensurprogramm namens „Grüner Damm“ ein Fehlschlag in jeder Hinsicht ist.

          Die Zensoren arbeiten mit verschiedenen Verfahren: etwa mit „Black-“ und „Whitelists“. Die Bundesregierung will bei der Abwehr von Kinderpornographie mit der Methode schwarzer Listen arbeiten, wenn die Sperren nicht greifen. „Weiße Listen“ sind viel radikaler: Der Zugang zum Internet wird nahezu komplett gesperrt. Die wenigen Übergänge führen zu erlaubten ausländischen Seiten. Dieses Verfahren ist sehr wirksam. Bei Whitelists besteht allerdings auch die Gefahr, dass Firmen und Institutionen der Zugang zu wichtigen Websites abgeschnitten wird.

          Üblich unter Zensoren ist die „Deep Packet Inspection“

          Nicht nur diese strukturellen Probleme deuten daraufhin, dass die iranische Regierung - wie die chinesische - Filtermethoden einsetzt. „Skype ist seit zwei Wochen in Iran definitiv gesperrt“, sagt der IT-Experte Posegga. Die von dem Instant Messenger produzierten Daten können nur mit Filtersoftware herausgefischt werden. Üblich unter Zensoren ist die „Deep Packet Inspection“ (DPI).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warten auf die Corona-Welle : Wann kommt der Sturm?

          Deutschlands Kliniken bereiten sich auf eine Herausforderung von historischem Ausmaß vor. In einer besonderen Situation: die Geburtshilfe. Wie gut ist Deutschland gewappnet für das, was da kommt?

          Bolsonaro empört Brasilianer : Der letzte Corona-Leugner

          Die Gouverneure fordern die Brasilianer auf, wegen der Pandemie zu Hause zu bleiben. Der Präsident hält mit einer PR-Kampagne dagegen. Unterstützer gehen auf Distanz. Muss Bolsonaro bald um sein Amt kämpfen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.