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Internet im Peugeot : Nun surfen die Passagiere

Der große Luxus: Das „Navigations- und Telematikpaket” für den neuen Peugeot 508 Bild: Michael Spehr

Peugeot ist neben Audi der zweite Hersteller, der einen W-Lan-Hotspot für Notebook und Smartphone anbietet. Die Lösung besteht aus zwei Komponenten: einem UMTS-Mobilfunkstick und einer W-Lan-Box.

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          Das sieht nobel aus: großes Farbdisplay, ein Controller mit umgebenden Bedienelementen zwischen den beiden vorderen Sitzen, Lenkradtasten und ein farbiges Zweitdisplay unterhalb von Tachometer und Drehzahlmesser. Der neue Peugeot 508 empfängt seine Insassen mit dem Ambiente der oberen Mittelklasse, und ein zusätzlicher Hauch von Luxus zeigt sich mit dem Betätigen der Zündung: Ein kleines Head-up-Display reckt sich über dem Instrumentenblock in die Höhe.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es ist nicht die in der Oberklasse gewohnte Anzeigetechnik, denn das virtuelle Bild schwebt über der Motorhaube statt über der Fahrbahn. Und es erscheint nicht in der Windschutzscheibe, sondern auf einer transparenten 10-Zentimeter-Polycarbonatscheibe davor. Aber immerhin ist die Darstellung farbig und gibt nicht nur die Geschwindigkeit wieder, sondern auch die Einstellungen des Tempomat sowie die Navigationshinweise in Pfeildarstellung. Auf den ersten Blick also ein prächtiger Auftritt.

          Beschäftigt man sich näher mit dem Navigations- und Telematikpaket, das für 850 bis 1480 Euro in der Aufpreisliste steht, entdeckt man weitere Vorzüge: Neben der Europanavigation (mit Kartenmaterial im Flash-Speicher) gibt es die HiFi-Anlage, die fast alle Wünsche erfüllt, wenn es um MP3-Musik und externe Zuspieler geht. Sie lassen sich mit USB oder Cinch-Buchsen andocken oder man nimmt das Bluetooth-Musikprotokoll A2DP fürs Smartphone. Eine Freisprech-Funktion ist ebenfalls dabei, die Peugeot-Dienste für Telematik und Notruf sind ein sinnvolles Extra. Mit einer eigenen Sim-Karte übrigens.

          Über dem Drehsteller liegt der UMTS-Stick für die W-Lan-Box (befindet sich im Handschuhfach)

          Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen verwirrend

          So gesehen kann man zufrieden sein, aber die Tücke zeigt sich im Detail. Dass der 18-Zentimeter-Bildschirm mit opulenten 800×480 Pixel auflöst, merkt man während der Routenführung nicht. Die Darstellung wirkt hinsichtlich der Detailtiefe sehr bescheiden, als Informationsquelle für Verkehrsmeldungen wird lediglich der Gratis-Dienst TMC genutzt, und die Zieleingabe mit dem Controller ist langwierig. Eine Sprachbedienung fehlt, und das Gebotene bei der Navigation ist bestenfalls mittelmäßig. Zugegeben: Im Unterschied zu älteren Peugeot-Anlagen gibt es jetzt Fahrspurassistenten und Hinweise auf das geltende Tempolimit, die dem Kartenmaterial entnommen sind. Der Löwe ist also ein paar kleine Schritte vorangegangen, aber im Fall des neuen 508 hätte man sich ein lautes Brüllen gewünscht.

          Denn die Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen ist bisweilen verwirrend. Das zeigt exemplarisch die Telefonabteilung, in der ebenfalls die Sprachwahl fehlt und vor allem eine Namenssuche im Adressbuch schmerzlich vermisst wird. Man muss vielmehr mit dem Controller durch das gesamte Verzeichnis rollen, und zu allem Ärger kommt hinzu, dass die Einträge falsch, nämlich nach dem Vornamen sortiert sind. Dass nach jedem Betreten des Fahrzeugs die Kontakte neu synchronisiert werden, ist ein weiterer Missstand. Auch bei der Bluetooth-Musikwiedergabe könnte man einiges verbessern. Die Anlage merkt sich leider nicht die zuletzt aktive Audioquelle, sondern schaltet zu Beginn der Fahrt stets das Radio ein. Wer auf die Drahtlostechnik setzt, muss mehrfach mit „Source“ umschalten. Kurzum: Der schöne erste Eindruck trügt, hinter den Kulissen zeigt sich brave Hausmannskost und nicht die Ausstattung und raffinierte Menüstruktur, die man erwartet hat.

          Die Navi-Anlage bleibt ganz außen vor

          Aber es gibt ein Extra, das uns sofort begeisterte. Peugeot ist neben Audi der zweite Fahrzeughersteller, der einen W-Lan-Hotspot anbietet. Über eine eigenständige Mobilfunkeinheit kommt das Internet ins Auto, auf dass die Passagiere mit ihrem Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos gucken. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben und loslegen.

          Die Lösung von Peugeot besteht aus zwei Komponenten: einem UMTS-Mobilfunkstick und einer dazu passenden W-Lan-Box (für 420 Euro) im Handschuhfach. Man nimmt seine Sim-Karte, steckt diese in den Stick und den wiederum in die W-Lan-Box. Anschließend ist einmalig die Einrichtung erforderlich. Dazu verbindet man mit Hilfe eines Ethernet-Kabels ein Notebook mit der Box, gibt im Browser eine Adresse ein und konfiguriert anschließend das System im Browser-Fenster. Welches Betriebssystem man dafür einsetzt, ist egal.

          Anzugeben sind der Pin-Code der Sim-Karte, der Internet-Zugangspunkt, die SSID (quasi der Name der Station) und der Verschlüsselungstyp. Für letzteren stehen „unverschlüsselt“ (offenes W-Lan), WEP und die beiden sicheren WPA-Verfahren parat. Anschließend ist der Router für die Passagiere freigegeben. Statusmeldungen soll eine Leuchtdiode geben, die man allerdings im dunklen Handschuhfach nicht sieht. Und die Navi-Anlage mitsamt Bildschirm bleibt bei der Bedienung des W-Lan-Hotspot ganz außen vor. Obwohl sich das alles einfach anhört, benötigten wir für die Konfiguration mit dem Notebook fast eine Stunde, die Lan-Box wurde anfangs nicht erkannt.

          In Ballungsgebieten durchgängig ein flottes UMTS-Tempo

          Läuft die Anlage, werden alle Mobilfunk-Frequenzbereiche unterstützt, und rein theoretisch ist mit UMTS und dem Datenturbo HSDPA ein Maximaltempo von 7,2 Megabit in der Sekunde erreichbar. Die W-Lan-Station sendet nach dem Standard 802.11 b/g. Wie gut das Ganze während der Fahrt funktioniert, hängt maßgeblich von der Funkversorgung ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes UMTS-Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Man beachte auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen müssen. Wenn einer Videos guckt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein.

          Alles in allem ist das mobile Surfen und Arbeiten nach unseren Erfahrungen im Auto deutlich sinnvoller als in der Bahn. Was die Schiene verspricht und nur auf wenigen Strecken hält, wird auf der Straße eingehalten. Geht es überwiegend um die E-Mail, kann man selbst mit Edge-Tempo kommod arbeiten. Der Hotspot im Auto ist in diesem Sinne eine heiße Sache, und wer die Technik jenseits der Werksausstattung ausprobieren will, experimentiere mit seinem Android-Smartphone oder dem iPhone.

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