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Instax-Kameras von Fuji : Digitalpapierfotovideoapparat

  • -Aktualisiert am

Die Sofortbildkameras Instax SQ20 und SQ6 von Fujifilm Bild: Pardey

Mit neuen Instax-Kameras setzt Fuji weiter aufs Sofortbild – auch mit digitalen Mitteln. Wir haben die SQ20 und SQ6 ausprobiert.

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          Dass die chemische Sofortbildfotografie sich in der digitalen Welt glänzend behauptet, ist offensichtlich: Der letzte am Ort verbliebene Fotofachhändler hat ein ganzes Schaufenster voll stehen mit den knubbelig abgerundeten und bonbonbunten Knipskästchen von Fujifilm. Mit denen räumen auch die Technikmärkte ihre Regale gleich neben den Action-Cams voll, digitale Datenbilder und analoge Fotochemie friedlich nebeneinander. Und während Opa sich mit seinem Instagram-Account auf der Höhe der Zeit wähnt oder Enkelbilder nur per Whatsapp geschickt bekommen möchte, haben die Jungen wieder das Papierbild entdeckt.

          Die Generation, die mit dem digitalen Bild aufgewachsen ist, das sich, kaum aufgenommen, ganz selbstverständlich sofort in die weite Welt posten lässt, findet es einfach schick, ein eben gemachtes Selfie als Gegenstand herumreichen oder ein Foto als kleine Aufmerksamkeit überreichen zu können. Die Sofortbildfotografie ist heute in erster Linie ein Partyspaß; mit moderaten Preisen für die Kameras, bei desto spürbareren für das Filmmaterial, mit simpler Rundum-sorglos-Technik, vor allem aber durch die Gestaltung der Apparate und des Zubehörs werden vorwiegend junge Frauen angesprochen. In Zeiten des Smartphones machen zwei Dinge das Sofortbild attraktiv: dass man es in der Hand halten, beschriften und verschenken kann – und dass es üblicherweise ein Unikat ist.

          Genau das muss es aber nicht mehr unbedingt sein. Fujifilm deckt vom Fotobuch bis zur digitalen Mittelformatkamera die ganze Bandbreite dessen ab, was neudeutsch Imaging genannt wird, und hat seit der Photokina ein neues Hybridmodell im Programm: Der Instax SQ10 folgte die SQ20, die seit Anfang November für rund 200 Euro im Handel ist. Sie ist Digital- und Sofortbildkamera in einem. Man könnte auch sagen: eine – einfache – Digitalkamera mit eingebautem Fotodrucker oder eine Sofortbildkamera mit Digitalspeicher, die von einer Aufnahme so viele quadratische (62 × 62 Millimeter), sich außerhalb der Kamera entwickelnde Prints machen kann, wie noch in der Kassette stecken. An der schon von der SQ10 her bekannten Funktionalität, dass zunächst ein Digitalbild entsteht, das wahlweise sofort oder etwas später gedruckt wird, hat sich nichts geändert. Man hat also die Möglichkeit, zunächst einige Aufnahmen zu machen und anschließend nur die gelungensten zu drucken.

          Digital- und Sofortbildkamera in einem

          Außer ihrem Digitalzoom ist neu an der SQ20, dass man nicht nur eine Momentaufnahme machen, sondern ein kurzes Video drehen kann. Das lässt sich anschließend mit einer Anzeige, an welcher Stelle des Videos man sich befindet, als Abfolge von 225 Schritten, sprich Standbildern betrachten. Dabei kann man vor und zurück mit dem Einstellrad kurbelnd beispielsweise den Videoausschnitt, also das Einzelbild 167 auswählen, um es als Foto abzuspeichern und sofort oder später zu drucken.

          Wobei Drucker und drucken nicht die richtigen Begriffe sind: Entsprechend der Diktion von anno Polaroid und deren Kamera SX-70 handelt es sich bei Fujis Instax-Verfahren um einen Integralfilm. Aus einer Tasche, die als Rand an jedem Bild verbleibt, wird nach der Aufnahme beim Auswerfen die Chemie über das Bildfeld gequetscht, damit sich unter der durchsichtigen Abdeckung die belichteten Partien zum Foto entwickeln. Das funktioniert auch bei den einfacheren Instax-Kameras wie etwa der SQ6, die in griffigerem, weil etwas kantigerem Gehäuse und in eleganten Farbnuancen wie Graphit und „Blush Gold“ für rund 130 Euro angeboten wird, klaglos. Die früher bei Polaroidkameras berüchtigten Schlieren durch schlechtes Verteilen der Chemie sind längst kein Thema mehr bei Fuji. Die schicke, aber technisch einfachere SQ6 richtet sich deutlich an eine weibliche Kundschaft. Sie hat dasselbe Bildformat wie die SQ20, aber einen Durchsichtsucher und keinen Monitor, denn sie kommt ohne Digitalspeicher aus und printet jede Aufnahme sofort als exakt genau so unwiederholbares Einzelstück.

          Damit entfallen für Benutzer(innen) der SQ6 auch all die Bearbeitungsmöglichkeiten, mit denen die SQ20 dem Spieltrieb entgegenkommt: Ausschnittvergrößerung, diverse Bildstile, künstliche Vignettierung – und alle diese Möglichkeiten für die nächsten Aufnahmen, aber auch nachträglich auf die Dateien anwendbar. Solche Korrekturen wie die Heller-Dunkler-Einstellung sind bei der SQ6 hingegen immer ein Probieren durch Versuch und Irrtum – es lebe der muntere Filmverbrauch!

          Wer die SQ10 kennt und ihre fraglos geringeren digitalen Möglichkeiten, findet bei der Nachfolgerin SQ20 aber nicht nur den Zoom und die Videoausschnitte als neue Funktionen, sondern auch das eine oder andere Haar in der Suppe: Zum einen ist das Display etwas kleiner geworden und das Objektiv ist nicht mehr ganz so weitwinkelig wie das der SQ10. Ob einem das von einer auf „0,08m“ verkürzten Naheinstellgrenze ausgeglichen wird, bleibt Geschmacksache. Auch die Klappen der SQ10, unter denen die USB-Buchse und der Schlitz der Speicherkarte liegen, machen einen viel solideren Eindruck als die eine der SQ20. Empfindlicher ist, dass in der ein angeblich mit einer Aufladung für hundert Ausdrucke ausreichender Akku fest verbaut ist.

          Die Zahl hundert ließ sich beim Ausprobieren bei weitem nicht erreichen, vor allem wenn die erwähnten Spielmöglichkeiten der Bildbearbeitung genutzt wurden, denn selbstverständlich brauchen die ebenso Strom, wenn auch nicht so viel wie der Motor, der die Bilder auswirft. Und die Betriebsanleitung räumt dem nicht herausnehmbaren Akku ein Leben von 300 Aufladungen ein. So wurde eine Strichliste für die Ladezyklen der SQ20 angelegt, während die SQ10 von einem jederzeit austauschbaren NP-50 befeuert wird.

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