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Infotainment im Test : Im Passat weht ein frischer Online-Wind

Schaltzentrale im doppelten Sinne: Das Cockpit des VW Passat Bild: Hersteller

Volkswagen übernimmt die Streaminggebühren. Da fährt das Unternehmen allen voran. Auch das Navigationssystem im Passat wird aufgewertet.

          2 Min.

          Da fährt Volkswagen allen voran: Wer den im vergangenen Jahr modernisierten Passat erwirbt, kann mit der passenden Ausstattungsvariante seine Streamingdienste ohne gekoppeltes Smartphone oder zusätzliche Sim-Karte in Anspruch nehmen. Die integrierte E-Sim von VW übernimmt diesen Job, der Autohersteller die Kosten. Das funktioniert beispielsweise mit Apple Music oder Tidal, die sich direkt in das Infotainmentsystem einbinden lassen. Das Paket heißt Online Connectivity Unit, OCU, und verbindet sich auch mit We Connect, der App- und Online-Plattform des Unternehmens.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im VW Passat benötigt man dafür das Navigationssystem Discover Media oder Discover Pro. Beide erhalten den Namenszusatz „Streaming & Internet“ und kosten einen Aufpreis von 1100 und 3000 Euro. Das teurere Discover Pro bringt dann gleich das neue digitale Cockpit mit, ferner lassen sich Apple Carplay und Android Auto kabellos anbinden. Es gibt sodann eine Sprachsteuerung sowie eine induktive Ladeschale für das Smartphone, eine Verkehrszeichenerkennung sowie Gestensteuerung.

          Im Unterschied zum bisherigen Top-System im VW Touareg werden die Einstellungen der Klimaanlage wie gehabt mit mechanischen Tasten und Drehstellern erledigt. Aber sonst gilt auch hier der weitgehende Verzicht auf Schalter und Drehsteller. Sogar die Lautstärke der HiFi-Anlage muss man am Display vornehmen, als Notnagel fungieren allerdings zwei Tasten am Lenkrad.

          Die Navigation lernt dazu

          Die Bedienung des Discover Pro erfolgt allein über das berührungsempfindliche Display, das eine Glasoberfläche schützt. Dass die Anlage „always on“ ist, wie Volkswagen sagt, würden wir nicht unterschreiben. Nach dem Motorstart vergehen doch viele lange Sekunden, bis die Navigation endlich zur Verfügung steht. Den Unterbau des Navis kennt man aus den älteren Modellreihen, aber etliches ist neu. Annäherungssensoren blenden Menüs ein, sobald die Anzeige einen sich nähernden Finger entdeckt, und grundlegend neu ist das Hauptmenü. Mit einem Tipp auf die Symbole kommt man direkt in einzelne Funktionsabteilungen. Eine „Shop“ benannte Kachel bringt die Option hervor, weitere Dienste nachzukaufen.

          Der Hauptbildschirm zeigt in den Details die bekannten Menüs für Navigation, Telefonie, Radio und Medienwiedergabe. Neu gegenüber älteren VW-Anlagen sind dreidimensionale Stadtmodelle, und die Verkehrsinformationen sollen stärker mit prädiktiven, vorhersagenden Modellen arbeiten. Wie bei anderen Fahrzeugherstellern lernt auch hier die Navigation dazu, sie erfasst häufig genutzte Strecken und schlägt diese vor. Die leicht verbesserte Spracherkennung bleibt auf VW-Niveau und kann nicht mit anderen Oberklasse-Systemen mithalten, obwohl der Hersteller von einer „natürlichen Sprachsteuerung“ spricht, die mit Cloud und Online-Anbindung arbeite. Und ja, das System reagiert auf „Hallo Volkswagen“.

          Zu den Pluspunkten gehört die Personalisierbarkeit, anzuzeigende Inhalte lassen sich auswählen und auf dem Hauptbildschirm anordnen. Auch das kleinere Cockpit-Display hinter dem Lenkrad bietet den Vorzug der Individualisierung. Alle nur denkbaren Anzeigen rund um das Fahrzeug und die Assistenten können hier in unterschiedlichen Darstellungen eingeblendet werden, und natürlich kann man zwischen Tachometer und Drehzahlmesser noch einmal die Navi-Karte aufrufen. Das Head-up-Display für 550 Euro ist leider nur eine Billiglösung mit kleiner Plexiglasscheibe vor der Frontscheibe.

          Interessant ist der Ausbau der We-Connect-Plattform, die neben den Standardfunktionen rund um den Fahrzeugstatus, Fahrdaten und die Türverriegelung jetzt um ein We-Connect-Plus ergänzt wird. Nach Registrierung und Identitätsüberprüfung lassen sich weitere Fahrzeugfunktionen aus der Ferne überprüfen, überwachen oder ändern. Ein Geofence kommt hinzu, das Laden und die Klimatisierung von Elektrofahrzeugen ist per Smartphone einstellbar, und es gibt Geschwindigkeitsbenachrichtigungen, womit wohl gemeint ist, dass der Halter erfährt, wenn der Fahrer ein bestimmtes Tempo überschritten hat.

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